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Die Spieler von Union Berlin reklamieren bei Schiedsrichter Tobias Reichel (3.v.r.), den letzten Schuss noch als Treffer anzuerkennen
Die Spieler von Union Berlin reklamieren bei Schiedsrichter Tobias Reichel (3.v.r.), den letzten Schuss noch als Treffer anzuerkennen © Getty Images

Der Schiedsrichter verhindert mit einem unglücklichen Pfiff in der Nachspielzeit den möglichen Sieg von Union Berlin bei Arminia Bielefeld.

Auch die Rudelbildung nach Spielende half Union Berlin nichts: Der Pfiff von Schiedsrichter Tobias Reichel Sekundenbruchteile vor dem vermeintlichen 2:1-Siegtor durch Steven Skrzybski in der Nachspielzeit klaute den Eisernen den Dreier auf der Alm.

Statt die sieglose Serie zu beenden, reichte es bei Arminia Bielefeld nur zu einem 1:1 (1:0). 

Kritik am Schiedsrichter von beiden Seiten

"So etwas ist extrem bitter. Ich glaube, so lange der Ball in so einem heißen Raum ist, muss man weiterspielen lassen. Da fehlte beim Schiedsrichter das Fingerspitzengefühl", wetterte Skrzybski bei Sky. "Ich freue mich schon, dass der Ball auf meinem Fuß landet, schieße und bin sicher, dass er drin ist. Dann merke ich, dass er nicht zählt", lamentierte der Berliner Torjäger.

Unions Christopher Trimmel hatte in der 95. Minute den Ball in den Strafraum gebracht, Arminia-Keeper Stefan Ortega faustete ihn weg. Die Kugel landete aber genau vor den Füßen von Skrzybski. In die Schussbewegung des Angreifers hinein ertönte der Abpfiff. Dass der Ball aus 18 Metern den Weg ins Tor fand, spielte keine Rolle mehr. 

Der Unparteiische ließ sich trotz der Proteste der Berliner nicht mehr umstimmen (Das Spiel im TICKER zum Nachlesen).

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"Im Fußball macht man sich das Leben schwer"

"Im Basketball kommt es öfter vor, dass die Uhr nochmal zurückgestellt wird", konstatierte Unions Trainer Andre Hofschneider, "im Fußball macht man sich das Leben schwer. Ich habe den Schiedsrichter drauf angesprochen. Aber da war nur ein stummes Gesicht. Er muss sich nicht entschuldigen. Entweder man pfeift es weit vorher ab oder man lässt es weiterlaufen."

So sah es auch Hofschneiders Bielefelder Kollege Jeff Saibene: "In der letzten Sekunde haben wir Glück, dass der Schiedsrichter das Spiel abpfeift. Es gibt drei Minuten Nachspielzeit. Wieso lässt er fast vier Minuten spielen ohne Grund? Er muss früher abpfeifen. So bringt er sich selbst in die schräge Situation."

Saibene musste anerkennen, dass sein Team in den Schlusssekunden viel Glück hatte: "In der letzten Sekunde haben wir Glück, dass der Schiri abpfeift. Ich kann mit dem Punkt leben."

Union unter Hofschneider weiter ohne Sieg

Für Hofschneider war dies nicht unbedingt der Fall, weil der zum Greifen nahe Sieg um Zehntelsekunden verpasst wurde. Auch in seinem fünften Spiel als Cheftrainer blieb der 1. FC Union sieglos - insgesamt sind es nun schon acht Partien. Den Aufstieg können sich die Hauptstädter inzwischen abschminken.

Letztmals waren die Köpenicker am 4. November 2017 mit dem 1:0 gegen den FC St. Pauli als Sieger vom Platz gegangen. Holstein Kiel auf Relegationsplatz drei ist schon acht Punkte entfernt. Allmählich muss Union sich sogar nach unten orientieren, denn Relegationsrang 16 (Darmstadt 98) ist nur noch sechs Zähler entfernt.

Union hatte sich zum Saisonstart viel vorgenommen. Doch die Trennung von Coach Jens Keller hat die Verunsicherung im Team noch verstärkt, Hofschneider gelang es bislang nicht, seiner Truppe wieder Selbstvertrauen, Spielwitz und Entschlossenheit auf dem Platz einzuimpfen.

Dementsprechend schlichen die Berliner mit hängenden Köpfen von der Alm. Der große Aufwand, der betrieben wurde, langte wiederum nur zu einem Punkt. Zu wenig, um noch in die Aufstiegsentscheidung eingreifen zu können. 

Kerschbaumer trifft sehenswert

Skrzybski (16.) hatte die Berliner mit seinem achten Saisontor auf den ersten Sieg nach zuletzt sieben Partien ohne Dreier hoffen lassen. Doch Konstantin Kerschbaumer (53.) erzielte per Bogenlampe den verdienten Ausgleich. Bielefeld (28 Punkte) bleibt damit auf Rang acht, zwei Zähler vor den Hauptstädtern.

Die Hausherren waren vor 13.542 Zuschauern dominant gestartet und spielten sich durch Florian Hartherz (9.) und Andreas Voglsammer (12.) gefährliche Möglichkeiten heraus. Doch zuerst jubeln durfte Union: Nach einer zu kurzen Rückgabe von Florian Dick traf Skrzybski per Heber. 

Das Tor gab Union mehr Sicherheit, doch Bielefeld blieb druckvoll. Kurz vor der Pause schoss Arminias Leandro Putaro den Ball aus drei Metern freistehend über das Tor (42.). (Spielplan/Ergebnisse der 2. Bundesliga)

Auch nach dem Seitenwechsel blieb die Partie ereignisreich: Zunächst vergab Skrzybski die große Chance zur Vorentscheidung (50.), drei Minuten später traf Kerschbaumer auf der Gegenseite per sehenswertem Volleyschuss aus 20 Metern. Zu einem Punkt reichte das allerdings nur aufgrund des unglücklichen Timings von Schiedsrichter Reichel.

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