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Alexander Meier (2.v.l.) startete 2001 seine Profikarriere bei St. Paulis zweiter Mannschaft
Alexander Meier (2.v.l.) startete 2001 seine Profikarriere bei St. Paulis zweiter Mannschaft © Getty Images
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Rückkehrer Alexander Meier ist der Held des Abends bei St. Paulis Sieg gegen Union Berlin - und ziert sich hinterher wegen seines alten Ehrentitels.

Alexander Meier grinste keck nach seinem fast schon kitschigen Heimdebüt, das auch Hollywood nicht hätte besser inszenieren können.

"Gewonnen, gesund geblieben, lange durchgehalten, und zwei Tore sind ja auch nicht so verkehrt", sagte der St.-Pauli-Rückkehrer, nachdem er den Hamburger Kiez am Montagabend zum Beben gebracht hatte.

"Fußball-Gott"-Sprechchöre hallten durch das Millerntorstadion - für den Mann, der in einer dramatischen Schlussphase das 3:2 (1:0) gegen Union Berlin per kühl verwandeltem Foulelfmeter perfekt gemacht hatte (90.+4).

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"Schön", fand das der 36-Jährige, hatte aber einen Einwand: "Der Fußball-Gott hier ist Schnecke Kalla." Urgestein Jan-Philipp Kalla hatte dabei aber schon vorher verlauten lassen, dass er Meier gern als zweiten Gott neben sich zulässt. Hat St. Pauli nun eben zwei Fußball-Götter. Um so besser.

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Meier mit abgezockter Rückkehr

Eine Qualität, die der neue, alte Fußball-Gott gleich einbrachte: Abgezocktheit. Eigentlich hätte ja Marvin Knoll schießen sollen, aber der Mittelfeldmann sei "müde" gewesen und habe gesagt, "ich solle das mal machen", sagte Meier hinterher: "Dann habe ich gesagt: 'Okay, kein Problem.'"

Meier sei Dank ist St. Pauli nun in der 2. Liga der erste Jäger des Tabellenführers und Erzrivalen Hamburger SV.

Kein Wunder, dass die Braun-Weißen nach diesem Sieg der "Moral" (O-Ton Sami Allagui) mit viel Selbstvertrauen zum nächsten Spitzenspiel am Freitag beim 1. FC Köln fahren. "Wir bleiben dran, wir sind hartnäckig und lassen uns nicht unterkriegen", sagte Trainer Markus Kauczinski.

Meier genoss hinterher "den Moment". Nach 5783 Tagen hatte er wieder für St. Pauli getroffen - und dann gleich doppelt. Nach Allaguis Traumtor (23.) erhöhte er per Kopf (62.), doch Grischa Prömel (84.) und Suleiman Abdullahi (86.) glichen für Union noch unerwartet aus.

Doch St. Pauli hat ja jetzt noch diesen coolen Meier, den die Fans von Eintracht Frankfurt in seinen 14 Jahren bei den Hessen "Fußball-Gott" getauft haben. "Dass er die Qualität hat, den Ball aus elf Metern ins Tor zu schießen, ist bekannt", sagte Christopher Buchtmann schmunzelnd.

Halbes Jahr ohne Verein

Meier, zuletzt ein halbes Jahr vereinslos, ist nicht mehr der Schnellste - aber der Bundesliga-Torschützenkönig von 2015 hat "einen Ruf, ist eine Erscheinung. Und er strahlt Torgefahr aus", hatte Kauczinski zuletzt gesagt. Und diesen Killerinstinkt bewies Meier nun auch wieder in seinem ersten Heimspiel nach der Rückkehr zu dem Klub, bei dem für ihn 2002 alles begann.

Und obwohl ihn die St.-Pauli-Anhänger unter den 29.546 Zuschauern nach seiner Auswechslung unmittelbar vor dem Abpfiff ausgiebig feierten, war Meier am Ende nicht restlos zufrieden. Nach dem 2:0 hätten sie "nur noch verwaltet", da seien sie ein "bisschen geschwommen", sagte er: "Ich hatte Angst, dass wir noch ein drittes Tor kriegen." Doch stattdessen traf er ja selber.

Und nun werde St. Pauli auch "so lange wie möglich" versuchen, in der Tabelle im Kampf um den Aufstieg "oben dabei zu sein".

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