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München - Aufstieg verpasst, mit Hannes Wolf den nächsten Trainer verschlissen: Bei SPORT1 erklärt HSV-Urgestein Wolfgang Rolff, wie der Klub sich nun neu aufstellen muss.

Aufstieg verpasst, Trainer Hannes Wolf muss am Saisonende gehen: Der Hamburger SV sorgt nach wie vor für Negativ-Schlagzeilen.

Einer, der noch die glorreichen Zeiten bei den Hanseaten miterlebt hatte, ist Wolfgang Rolff. Der 59-Jährige absolvierte für die Rothosen zwischen 1982 und 1986 exakt 129 Bundesligaspiele, wurde 1983 Deutscher Meister und gewann mit dem Klub auch den Europapokal der Landesmeister.

Rolff ist sprachlos, dass sein Ex-Klub weiterhin in der 2. Liga spielen wird. "Für mich unbegreiflich", sagt er zu SPORT1

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Die Frage nach der Zukunft des HSV-Trainers ist seit Freitagmittag geklärt, nach dem Saison-Schlussakt gegen den MSV Duisburg (So., 15.30 Uhr im LIVETICKER) ist auch für Wolf Schluss - dem bereits zweiten HSV-Coach in dieser Saison:

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Rolff kontra HSV-Bosse: "Signal der Ratlosigkeit"

"Mit dem Start von Christian Titz (Wolfs Vorgänger, Anm. d. Red.) sah es gut aus, auch Hannes Wolf hatte eine gute Phase" meint Rolff. "Wolfs Aussage jedoch: 'Egal, welche Spieler oder welches System wir spielen, es kommt nichts dabei raus' hätte den Verantwortlichen aber ein Signal der Ratlosigkeit sein sollen - und das haben Bernd Hoffmann (HSV-Boss, d. Red.) und Ralf Becker (HSV-Sportchef, d. Red.) missachtet."

Die Klub-Lenker haben sich laut Rolff "ihrem Schicksal ergeben, anstatt einzugreifen und die Zügel in die Hand zu nehmen. Hoffmann mit seiner Erfahrung hätte ich das zugetraut, aber bei Becker und Wolf war am Ende die Unerfahrenheit ausschlaggebend für den verpassten Aufstieg."

Bereits HSV-Legende Felix Magath hatte unlängst erklärt, Hauptfehler sei gewesen, anstelle eines erfahrenen Trainers mit Titz und Wolf zwei junge zu holen. Rolff sieht es genauso: "Becker hat es bei Holstein Kiel und auch beim HSV erlebt, dass es seine Trainer nicht über die Ziellinie geschafft haben."

Generell sei es zwar "eine gute Sache, den Trainer zu schützen, aber eine andere, das Richtige für den Verein zu tun, wie Becker selbst immer sagt. Da wären zwei Aufstiege - für Kiel und nun den HSV - besser gewesen."

Ist der HSV untrainierbar?

Seit Januar 2018 waren die Trainer Markus Gisdol, Bernd Hollerbach und Titz beim HSV tätig, Wolf ist/war der vierte Coach in nur 17 Monaten - und der 17. in den vergangenen zehn Jahren: Ist der HSV also untrainierbar?

"Es müssen klare Vorgaben und ein Plan vorhanden sein. Nicht nur taktisch, sondern auch spielerisch muss der Klub zulegen", meint Rolff. "Wenn man dominant sein will, muss man es jeden Tag vorleben, um dem Gegner und den eigenen Fans zu zeigen, welchen Wert es hat, die Raute auf der Brust zu tragen."

All das hat Rolff in der vergangenen Saison gefehlt. "Der Ergebnisfußball, den der HSV spielt, widerspricht meiner Philosophie von Fußball."

Was muss also getan werden? "Ein erfahrener Trainer würde dem Klub guttun, den Kader mit Führungsspielern zu bestücken, die mit den Arbeitern der Mannschaft das Ziel Aufstieg Tag für Tag vorleben", betont Rolff. Wichtig sei es, "dass es zu keinem Zeitpunkt der Saison zum Stillstand kommt. Trainer und Spieler müssen das Trainingsniveau so hoch wie möglich halten, so dass jeder der 22 bis 25 Spieler allzeit bereit für seinen Einsatz ist."

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Rolff würde HSV gern helfen

Rolff selbst würde gern helfen in einem neuen Trainerteam. "Wenn man auf mich zukommt, wäre ich gern wieder ein Bestandteil meines Ex-Klubs. Der HSV ist nach wie vor ein toller und interessanter Klub mit starker Fankultur."

Nach SPORT1-Informationen ist Dieter Hecking ein Kandidat für den Cheftrainer-Posten. Rolff würde das begrüßen: "Dieter ist erfahren, hat ein gutes Trainerteam an seiner Seite. Ich könnte mir auch Bernd Schuster vorstellen, damit etwas internationale Klasse zurückkehrt, die dem HSV in den vergangenen Jahren abhanden gekommen ist."

So oder so: Ein Umbruch muss her. Lewis Holtby wird den Verein verlassen. Auch Pierre-Michel Lasogga wird gehen, Aaron Hunt vielleicht ebenso. "Reisende soll man nicht aufhalten", so Rolff.

Umbruch muss her - mit Tormaschine Terodde?

Eine schwierige Mission für den neuen Trainer - Neuzugänge müssen her: "Um wen man sich bemühen sollte, wäre Simon Terodde vom 1. FC Köln", sagt Rolff.

"Der HSV braucht eine garantierte Tormaschine, Hunt ist ein guter Spielgestalter und auch Douglas Santos sollte man behalten."

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