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Marinus Bester war fast zwei Jahrzehnte lang die gute Seele beim HSV. Der Ex-Profi muss gehen, weil er die Talfahrt seines Herzensvereins nicht mehr mitmachen will.

Der Hamburger SV befindet sich seit Jahren auf sportlicher Talfahrt.

Für Trainer, Spieler und Verantwortliche ist das Arbeiten beim einstigen Bundesliga-Dino nicht immer einfach – im Gegenteil.

Im Januar sah sich ein HSV-Mitarbeiter deshalb nach 19 Jahren im Verein gezwungen, die Reißleine ziehen. Marinus Bester war bei den Hanseaten als Spieler, Teamkoordinator und Talent-Manager tätig. 

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Irgendwann, so Bester, komme man an den Punkt, "an dem man sich fragt: Willst du das noch weitermachen? Dann geht es irgendwann an die Gesundheit, dann bekommst du ein Magengeschwür in Rautenform." Die Hamburger Morgenpost bezeichnete ihn jüngst als die "gute Seele" des Zweitligisten. 

Im Talk-Format "Kalles Halbzeit im Verlies" übte der langjährige HSV-Mitarbeiter mit Blick auf den verpassten Wieder-Aufstieg in die Bundesliga harsche Kritik.

Bester: Mit Titz wäre der HSV wieder erstklassig

Denn Bester ist überzeugt, dass die Rückkehr ins Fußball-Oberhaus unter dem entlassenen Trainer Christian Titz gelungen wäre.

"Diesen Stimmungsumschwung, den Christian Titz in der Abstiegssaison hinbekommen hat, das musst du erst mal schaffen. Als gefühlt die Sargnägel bei uns schon eingeschlagen waren, wir fast schon abgestiegen waren, fing er plötzlich an, Fußball zu spielen. Du hast die Zuschauer begeistert", sagte der 50-Jährige. 

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Und dann sei etwas passiert, wonach man sich beim HSV die Uhren stellen könne: "Kein Trainer kann beim HSV eine Krise - und das war ja nicht mal eine tiefe Krise, es war eine Ergebniskrise – überstehen. Du haust den Trainer raus, von dem du vorher noch behauptet hast, wir trauen es ihm zu, eine Mannschaft zu entwickeln."

Auf der Hälfte des Weges habe der Verein wieder umgedreht. "Und das ist typisch HSV." Bei Titz, der im Oktober 2010 gehen musste, habe man "von Anfang an gemerkt, dass der Rückhalt an den oberen Stellen nicht gegeben ist."

"Wie einen räudigen Hund vom Hof gejagt"

Entsprechend eindeutig fällt Besters Einschätzung zu den diversen Führungspersönlichkeiten der letzten Jahre aus.

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"Ich habe beim HSV nicht viele Mitarbeiter erlebt, die strukturell arbeiten, die versuchen, Strukturen aufzubauen", sagte der Ex-Profi, der aber immerhin Bernhard Peters von seiner Kritik ausnahm.

"Das ist für mich nach wie vor unfassbar, dass man diesen Mann, der in viereinhalb Jahren so viel auf die Beine gestellt hat, wie einen räudigen Hund vom Hof gejagt hat", sagte Bester über den einstigen Sportdirektor (2014-2018). Aber: "So ist der HSV."

Sein Fazit zur Dauer-Krise bei seinem Ex-Arbeitgeber: "Dafür müssen die Leute, die dafür verantwortlich sind, hoffentlich irgendwann gerade stehen und die Konsequenzen tragen."

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