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München - Der HSV ist Spitzenreiter in der zweiten Bundesliga. SPORT1-Experte Reinhold Beckmann erklärt den Aufschwung und die Veränderung beim krisengebeutelten Dino.

Liebe Fußballfreunde,
der Punkt ist: der Hamburger SV ist auf dem Weg zurück in die Bundesliga.

Was gibt es Neues beim Dino, der augenscheinlich nach einem langen Leidensweg zurück in die Spur gefunden hat? 

  - Punkt 1:  Kühne lässt Hecking in Ruhe arbeiten

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Eine der auffälligsten Neuerungen beim HSV ist für mich, dass Klaus-Michael Kühne nicht zu hören ist. Das klingt zunächst banal. Doch das große Schweigen des reichen Mannes ist ein gutes Zeichen. Das hilft dem HSV. Früher konnte Kühne beim Hamburger Abendblatt anrufen, einen bösen Satz über den Trainer verlieren und Hamburg war in Aufruhe. 

Das hilft nun nicht mehr. Kühne ist nicht zu hören. Das mag zum einen am derzeitigen Tabellenplatz liegen. Doch meiner Meinung nach liegt es vor allem am neuen starken Mann an der Seitenlinie beim HSV: Dieter Hecking.

Denn Coach Hecking hat es tatsächlich geschafft. Mit seiner natürlichen Autorität, mit seinem Pragmatismus dafür zu sorgen, dass beim HSV die Dinge wieder geordnet laufen. Das führt dann eben auch dazu, dass Kühne eben nicht in der Lage ist, durch einen kritischen Satz den ganzen Verein zu destabilisieren.

Uli Hoeneß sagte einst sinngemäß: Der einzige Verein, der dem FC Bayern gefährlich werden könne, ist der HSV. Damit meinte er nicht zwangsweise den Verein an sich. Sondern vielmehr die Stadt, die Möglichkeiten, die die Hamburger hier vorfinden. Jetzt ist also Hecking am Steuer, ein gelernter Polizist. Der lässt sich nicht wegpusten. Hecking ist wehrhaft, stur, scheinbar arrogant. Doch er weiß, was er will. Das merkt man im ganzen Verein.

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Niemand traut sich im Moment, von Außen dazwischenzupfuschen. So war es in den vergangenen Jahren. Alles war instabil, jeder konnte anscheinend mitreden. Hecking hat eine innere Sicherheit. Genau das hat dem HSV gefehlt. Genau das bringt Hecking nun wieder mit. Vielleicht hilft ihm da auch seine Erfahrung, als Polizist.

   - Punkt 2: Jatta als Glücksfall für den HSV

Den Fall um Bakery Jatta, all die Diskussionen um seine Herkunft und die Debatte um die Rechtmäßigkeit seiner Leistung: Ein Glücksfall für den Verein. Dieter Hecking als Trainer und Jonas Boldt als Sportvorstand haben Haltung bewiesen. Beide haben gesagt, das ist ein Spieler von uns - und haben sich schützend vor ihn gestellt. Das sorgt in meinen Augen für eine Wagenburgmentalität im Verein.

Der HSV ist dadurch in sich gefestigter, stabiler als in den Jahren zuvor. Die Solidarität, nicht nur von Außen, sondern vor allem auch innerhalb der Mannschaft, sorgt für ein Gemeinschaftsgefühl. Der Zusammenhalt im Team ist mittlerweile so stark, das kannte ich schon gar nicht mehr vom HSV.

Aber trotz all der positiven Entwicklung wird der Druck auf den Verein trotzdem nicht weniger. Der HSV muss aufsteigen, da führt kein Weg dran vorbei. In wenigen Tagen kommt die finanzielle Bilanz. Die wird erneut defizitär sein. Im elften Jahr hintereinander wird der Verein ein monetäres Minus verkünden müssen. 

Heckings Vertrag läuft im Sommer aus und verlängert sich nur, wenn der HSV die Erstklassigkeit wieder erreicht. Doch ich glaube, sie sind auf einem guten Weg. Diese Saison schafft der HSV den Aufstieg. Dann kann auch endlich "Uns Uwe" wieder beruhigt schlafen.

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  - Punkt 3: Der HSV muss wieder vernünftig wirtschaften

Was wird aus dem HSV im nächsten Jahr? Ist der Kader gut genug, um nicht sofort wieder den Weg zurück in die Zweitklassigkeit antreten zu müssen?

Das bezweifle ich. Sollte der Dino also den Weg zurück in die Bundesliga schaffen, muss wieder einmal in den Kader investiert werden. Allerdings ist der HSV der Verein, der in den letzten Jahren so schlecht mit Geld umgegangen ist, wie kein anderer aus der 1. und 2. Bundesliga. In einem Wort gesagt: Wahnsinn. Als Beispiel ist Bobby Wood zu nennen. Der Stürmer verdient drei Millionen Euro im Jahr. Bislang kommt er allerdings in dieser Saison gerade mal auf 23 Minuten Einsatzzeit. 

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So etwas darf es in Zukunft nicht mehr geben. Sanierung ist angesagt, das steht fest. Kyriakos Papadopoulos ist ein weiterer Spitzenverdiener, der lediglich als Bankdrücker agiert. Sein Vertrag endet am Saisonende, ebenso der von Aaron Hunt. Der 33 Jahre alte Mittelfeldspieler wird einen Job im Verein bekommen.

Die enormen Gehälter werden runtergefahren. Das ist auch zwingend notwendig und neben dem sportlichen Erfolg der wichtigste Baustein des Vereins. Der HSV muss endlich wieder vernünftige Geschäfte machen. Wenn er das lernt, dürfen wir uns alle wieder auf den Verein freuen, der einfach zur Bundesliga gehört.

Euer Reinhold Beckmann

Reinhold Beckmann moderierte 14 Jahre lang die "Sportschau" und ist einer der bekanntesten TV-Journalisten Deutschlands.

Seit Januar 2018 begleitet Reinhold Beckmann als Experte den CHECK24 Doppelpass auf SPORT1.

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