Lesedauer: 4 Minuten
teilenE-MailKommentare

München - Nach der erfolgreichen Relegation soll beim 1. FC Nürnberg die Trainerfrage schnell geklärt werden. Bei SPORT1 spricht ein Kandidat und Publikumsliebling.

Überglücklich war er. Und dankbar. "Das war ein wichtiger Tag für den 1. FC Nürnberg. Die Jungs haben einen guten Job gemacht in den zwei Spielen", sagt Marek Mintal im Gespräch mit SPORT1.

"Das, was am Samstag in der 96. Minute passierte, ist unglaublich und bleibt unvergessen. Wir sind überglücklich, dass es so kam. Es war einfach geil."

In einem an Dramatik kaum zu überbietenden Relegations-Rückspiel hatte der Club trotz einer 1:3-Niederlage beim FC Ingolstadt in letzter Sekunde den Klassenerhalt geschafft - die Rettung für den Zweitligisten nach einem 2:0-Heimsieg im ersten Duell.

Anzeige

"Ein Abstieg wäre verdammt hart gewesen. Viele Mitarbeiter behalten ihre Jobs und wir alle können uns auch in der nächsten Saison auf die 2. Liga freuen", meint Mintal, der früher als hängende Spitze aufgrund seiner unauffälligen, aber unheimlich effektiven Spielweise und seines Torriechers Phantom genannt wurde.

Der heute 42 Jahre alte Slowake ist sowohl in der Bundesliga als auch in der Zweiten Liga der bislang einzige Torschützenkönig der Nürnberger.

Meistgelesene Artikel

Wird Mintal neuer Cheftrainer?

Seit 2013 arbeitet Mintal in verschiedensten Funktionen als Trainer beim FCN. Michael Wiesinger, mit dem er während der Relegation die Profis betreute, wird wieder das Nachwuchsleistungszentrum leiten, was schon vor der Relegation klar kommuniziert wurde.

Doch wer wird der neue Chefcoach? Nach SPORT1-Informationen beschäftigen sich die Club-Bosse mit Mintal. Eine Entscheidung ist aber in dieser Woche noch nicht zu erwarten.

Das Problem ist die noch ungeklärte Zukunft von Sportvorstand Robert Palikuca. Teile des Aufsichtsrats stellen ihn in Frage. Im Falle einer Entlassung müsste zunächst ein neuer Sportchef her, der dann einen neuen Trainer verpflichtet. Wenn Palikuca bleibt, hat Mintal gute Karten.

"Ich versuche meinen Job so gut wie möglich zu machen - egal mit welchem Team", meint Mintal, der inzwischen alle Trainerscheine gemacht hat, selbstbewusst: "Wir müssen abwarten."

Mintal verteidigt Schiedsrichter

Mintal war schon immer ein ruhiger Typ. So ist es kaum verwunderlich, dass er sich im Gegensatz zu Ingolstadts Trainer Tomas Oral zurückhält, wenn das Gespräch auf das Thema Schiedsrichter kommt.

Oral hatte bei SPORT1 über den Referee im Samstagsspiel gewettert und generell mit den Unparteiischen abgerechnet: "Es gibt kein Fingerspitzengefühl mehr. Die Schiedsrichter haben nur noch ihre Anweisungen und sind nicht mehr Herr ihrer eigenen Sinne, weil sie nur noch gelenkt werden. Der Schiedsrichter ist nur noch eine Marionette vom Video-Referee. Das Zwischenmenschliche fehlt komplett."

Nach dem Abpfiff kam es zu einer Rudelbildung
Nach dem Abpfiff kam es zu einer Rudelbildung © Imago

Mintal reagiert da besonnener, klar, im Gefühl des Relegations-Siegers. "Schiedsrichter sind auch nur Menschen. Es ist nichts unnatürliches, wenn dem Referee die Schuld gegeben wird, wenn du so etwas in der Nachspielzeit erlebst wie die Ingolstädter, aber es wurde so entschieden", sagt er.

Schiedsrichter Christian Dingert hatte am Samstag im Audi-Sportpark fünf Minuten Nachspielzeit anzeigen lassen, pfiff dann aber erst nach 98 Minuten ab. Unmittelbar zuvor hatte der Club mit seiner letzten Offensivaktion erzielte das 1:3 erzielt. Die Ingolstädter waren fassungslos und wütend, hatten in der Entstehung ein Foul gesehen. Doch alle Proteste halfen nichts. Am Ende jubelten die Franken.

"Verhältnisse wie in der Premier League"

Mintal wollte die Schiedsrichter-Leistung von Samstag gar nicht mehr bewerten. "Fakt ist, dass wir in der 2. Liga bleiben. Ich wünsche mir auch Verhältnisse wie in der Premier League, da wird nicht so viel auf die Schiedsrichter geschimpft. Dort wird eine Entscheidung akzeptiert und weitergespielt. In Deutschland gibt es extrem oft Theater, und wegen jeder Kleinigkeit wird man mit einer Karte bestraft."

Mit dem FCI hat Mintal etwas Mitleid. "Das, was die Ingolstädter erlebt haben, war schon hart", sagt er. "Wir mussten drin bleiben. Es war nicht leicht, aber wir sind alle total erleichtert. Wenn es umgekehrt gewesen wäre, dann hätten wir sicher ähnlich emotional reagiert wie die Menschen vom FCI."

Bei der Frage, was beim Club besser werden muss, hält sich Mintal bedeckt. "Dafür sind jetzt unsere Leute in der Führung gefragt, sie werden die komplette Saison analysieren." Doch dann wird er doch deutlich: "Hier wissen alle, dass es nicht jedes Jahr solch eine Saison geben darf."

Nächste Artikel
previous article imagenext article image