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Robert Lewandowski (M.) reklamiert, Jerome Boateng (l.) will kein Handspiel begangen haben
Robert Lewandowski (M.) reklamiert, Jerome Boateng (l.) will kein Handspiel begangen haben © Getty Images
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Handspiel oder nicht? Immer wieder gibt es Verwirrung um die Auslegung der Regel. SPORT1 erklärt eine der kompliziertesten Regeln des Fußballs.

Bei kaum einer Fußballregel gibt es bei Fans und auch Spielern so viel Verwirrung wie bei der Handspielregel. Regelmäßig kommt es nach vermeintlichen Handspielen zu Diskussionen.

Angelegter Arm? Vergrößerung der Körperfläche? Unnatürliche Haltung? Schutzhand? Wann liegt wirklich ein Handspiel vor, dass der Schiedsrichter ahnden muss?

SPORT1 erklärt die Handspielregel:

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Im Regelheft des DFB heißt es dazu zunächst: "Dem gegnerischen Team wird ein direkter Freistoß zugesprochen, wenn ein Spieler den Ball absichtlich mit der Hand spielt (gilt nicht für den Torwart im eigenen Strafraum)."

Die zwei entscheidenden Wörter sind hier also "Hand" und "absichtlich".

1. "Hand"

Der Begriff der "Hand" im Sinne der Fußballregeln unterscheidet sich von dem der Schulmedizin. Ein Handspiel liegt demnach vor, wenn der Spieler den Ball mit der Hand oder dem Arm absichtlich berührt. 

Dabei spielt es keine Rolle, ob der Ball womöglich die vorgesehene Flugbahn verändert und ein gegnerischer Spieler dadurch nicht in Ballbesitz gelangt. Einzig und allein die Absicht ist entscheidend.

2. "Absichtlich"

Berührt ein Spieler den Ball mit der Hand oder dem Arm, muss der Schiedsrichter also entscheiden, ob Absicht vorliegt. Eine Hilfestellung geben dabei die Anweisungen der FIFA:  

- Hier heißt es, dass der Referee auf eine Bewegung der Hand zum Ball achten soll und nicht umgekehrt.

- Zudem ist die Entfernung zwischen Spieler und Ball zu beachten. Der Schiedsrichter muss dabei beurteilen, ob der Spieler überhaupt eine Chance hatte, dem sich nähernden Ball auszuweichen.

- Auch die Position ist zu beachten: Liegt eine unnatürliche Haltung vor, muss von Absicht ausgegangen werden. Bestes Beispiel: Ein Spieler in einer Mauer, der zum Schutz des Gesichtes einen Arm hoch hält. Springt der Ball nun gegen den Arm, so liegt zwar keine aktive Bewegung zum Ball vor – der Arm hat jedoch dort nichts verloren, und deswegen handelt es sich um ein absichtliches Handspiel.

- Das Handspiel erfolgt auch absichtlich, wenn der Spieler den Kontakt zwischen Ball und Hand zwar vorhersehen kann, ihn aber nicht verhindert.

3. Gelbe Karte nur bei Unsportlichkeit

Liegt ein absichtliches Handspiel vor, stellt sich die Frage nach der persönlichen Bestrafung des Spielers. Die Gleichung Hand + Absicht = Gelbe Karte kann so einfach nicht aufgestellt werden. Das Regelwerk fordert nicht für jedes Handspiel eine Verwarnung. Ein Spieler muss demnach nur Gelb sehen, wenn er sein absichtliches Handspiel auch unsportlich begeht.

Dies ist immer dann der Fall, wenn durch das Handspiel verhindert wird, dass der Gegner in Ballbesitz kommt.

Unsportlich ist ein Handspiel auch dann, wenn der Spieler durch ein absichtliches Handspiel versucht, ein Tor zu erzielen.

Es gibt auch Handspiele, die mit einer Roten Karte bestraft werden müssen. Dies ist der Fall, wenn er durch ein absichtliches Handspiel ein klares Tor oder eine klare Torchance für den Gegner zunichte macht.

Der Grund für den Feldverweis liegt hier nicht in dem absichtlichen Handspiel an sich, sondern in der Tatsache, dass durch eine unerlaubte Aktion ein Gegentor verhindert wurde.

Das bedeutet, dass ein Spieler, der zwar absichtlich Hand spielt, aber nicht verhindern kann, dass der Ball doch noch im Tor landet, nicht des Feldes verwiesen werden darf. Ein versuchtes Handspiel ist überhaupt nicht strafbar.

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