Eine Legende wird 70! Das große Sprüche-Feuerwerk von Reiner Calmund
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Reiner Calmund war jahrelang das prägende Gesicht von Bayer Leverkusen. Hyperaktiv ist er immer noch, auch an seinem 70. Geburtstag.

Nicht alle Wünsche gehen in Erfüllung. Selbst an einem 70. Geburtstag nicht. Und auch selbst dann nicht, wenn das Geburtstagskind Reiner Calmund heißt.

Was eigentlich unmöglich ist. Denn der "Hans Dampf in allen Gassen" hat doch immer alles möglich gemacht?

Nun, vielleicht macht er als Rentner nicht mehr alles möglich wie zu seiner Zeit als Manager von Bayer Leverkusen, dafür macht er auch als 70 Jahre alter Rentner immer noch alles Mögliche.

Einer der Wünsche betrifft wenig überraschend das Gewicht: Denn er würde einen guten Betrag dafür geben, wenn er dafür dreißig Kilo leichter wäre. Doch die Leibesfülle ist sein Markenzeichen, die er schon oft loswerden wollte, funktioniert hat das aber nie. Er hat sich damit arrangiert. Immerhin: Bei den unzähligen Diäten und körperlichen Qualen lernte er sich selbst noch besser kennen. Sein größter Genuss ist heute sowieso die Familie. Er hat die Work-Life-Balance gefunden.

Mit der Mama sprechen

Ein zweiter Wunsch: Mal kurz mit der verstorbenen Mama sprechen, ihr sagen, dass alles in Ordnung sei. "Am besten mit Bildtelefon. Dann könnte sie mich, meine Familie und ihre Enkel sehen, und wir könnten ihr sagen, wie gut es uns geht." Seiner dritten Frau Sylvia also, mit der er seit 2003 verheiratet ist. Adoptivtochter Nisha (6), dazu den fünf Kindern und vier Enkelkindern aus seinen ersten beiden Ehen. 

Und auch ihm.

Was vor allem daran liegt, dass Calmund auch mit 70 noch so umtriebig ist wie zu seinen besten Zeiten als Macher. Rosen züchten? Undenkbar. Er ist "hyperaktiv", wie er selbst zugibt: "Und das Zeit meines Lebens. Für den Ruhestand bleibt immer noch Zeit."

Sein Ruhestand ist ja auch eher ein Unruhestand. Im Fernsehen ist er Fußball-Experte oder Juror in Kochshows, Schriftsteller, Werbegesicht, Vortragsredner, Kolumnist und Berater für diverse Kunden.

Ein Tausendsassa. Einer, der anpackt, der sich nicht zurücklehnt. Der nicht aufhören kann und will und weitermacht "so lange es Spaß macht, die Gesundheit es zulässt, meine Frau damit einverstanden ist und die Menschen den dicken Calli sehen und hören wollen."

Die ewige Frohnatur

Calmund, die Kultfigur. Die ewige Frohnatur, der Sprücheklopfer, unverkennbar mit dem breiten rheinischen Dialekt. So prägte er jahrelang den Bundesligisten Bayer Leverkusen.

Der gelernte Außenhandelskaufmann und studierte Betriebswirt war knapp 30 Jahre lang für den Klub aktiv, als Jugendleiter, Stadionsprecher, Vorstandsmitglied, Manager und Geschäftsführer. "Ein Wahnsinnsjob", sagt er: "Viel Stress, aber tausend Mal mehr Freude." 2004 endete seine Ära.

Doch er war jahrelang das Gesicht des Klubs, er verlieh der grauen Bundesliga-Maus Kontur und Farbe, formte den Verein vom verachteten Werksklub zu einer nationalen Größe, machte aus dem Ulrich-Haberland-Stadion die glitzernde BayArena. Callis Motto: "Große Klappe – und was dahinter! Das ist die Kurzformel."

Er war oft schneller als alle anderen, ein gewiefter Geschäftsmann auf dem Transfermarkt: Er holt Andreas Thom 1989 aus der DDR-Oberliga in die Bundesliga, er entdeckte in den 80er Jahren Brasilien und den dortigen Spielermarkt als gelobtes Land für seinen Klub. Er wäre wahrscheinlich heute noch cleverer als viele andere.

Illustre Liste an Verpflichtungen

"Kleines, dickes Bandito" nannte der erste "Fang" Tita seinen Entdecker Calmund, der viele Spieler verpflichtete, die prägend für den Verein waren und teilweise bis heute als Gesichter mit Leverkusen in Verbindung gebracht werden: Lucio, Emerson, Ze Roberto, Ulf Kirsten, Michael Ballack, Bernd Schuster oder der heutige Sportdirektor Rudi Völler – die Liste ist eine illustre. Mit auf dieser Liste ist aber auch Calmund selbst.

Doch seine sportliche Bilanz ist vergleichsweise bescheiden: Der Gewinn des Uefa-Pokals 1988 und des DFB-Pokals 1993 sowie die Teilnahme am Champions-League-Finale 2002 gegen Real Madrid. Wobei 2002 gleichzeitig auch das enttäuschendste Jahr war. Bayer verzockte innerhalb von vier Wochen mit Meisterschaft, Pokal und Königsklasse drei mögliche Titel, festigte den Spitznamen "Vizekusen", der sich bis heute hält. Die Meisterschaft – noch so ein unerfüllter Wunsch. Er nimmt es inzwischen mit Humor. "Dreimal Vize - das schafft man auch nicht so oft."

Er wird es an diesem Wochenende krachen lassen. Erst in seiner neuen Heimat Saarloius im kleinen Kreis, am Sonntag dann im Freizeitpark Phantasialand. XXL, mit Familie, Freunden, Weggefährten. Und einem weiteren Wunsch: eine gerechtere Welt. Er möchte, dass die Mächtigen die Welt im Sinne der Kinder in Ordnung bringen, auf die Umwelt achten und den Reichtum ein bisschen gerechter verteilen, damit es allen gut geht.

Ein frommer Wunsch. Aber vielleicht geht der ja irgendwann in Erfüllung.

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