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Das wurde aus den WM-Helden von 1954
Das wurde aus den WM-Helden von 1954 © Imago
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Toni Turek, WM-Held von 1954, wäre am 18. Januar 100 Jahre alt geworden. Bei seinen Teamkameraden galt er als Spaßvogel und Motivator.

"Turek, du bist ein Teufelskerl! Turek, du bist ein Fußballgott!"

Diese Sätze der Radioreporter-Legende Herbert Zimmermann beschreiben auch heute noch den sportlichen Stellenwert von Toni Turek, der beim ersten WM-Triumph der deutschen Fußball-Nationalmannschaft am 4. Juli 1954 in Bern zwischen den Pfosten stand

Der gebürtige Duisburger wäre am 18. Januar 100 Jahre alt geworden. Turek hatte im Berner Wankdorfstadion beim 3:2 im Finale gegen den haushohen Favoriten Ungarn erst ein Gegentor verschuldet, dann aber mit tollen Paraden maßgeblich zum Titelgewinn beigetragen. Mehr als 100.000 Menschen waren auf den Straßen, als der damalige Fortune Turek am 8. Juli 1954 in Düsseldorf durch einen Triumphmarsch geehrt wurde. 

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2000 Mark Prämie, ein Mittelklassewagen als Geschenk eines Düsseldorfer Autoherstellers und eine Goldene Uhr von der Stadt waren die materielle Belohnung für das "Wunder von Bern". Und vom Bundespräsidenten Theodor Heuss gab es das Silberne Lorbeerblatt als Zeichen der Anerkennung.

Eckel lobt Einstellung von Turek

"Er hat oft etwas zum Spaß gemacht. Und er gehörte auch immer zu denen, die etwas getan haben, wenn die Mannschaft zurücklag und wiederkommen musste", sagte Horst Eckel, der letzte lebende Weltmeister von 1954, Funke-Sport über seinen damaligen Keeper und fügte hinzu: "Toni war kein Flieger, er hatte dafür ein gutes Auge und stand oft richtig."

Drei Monate nach Bern endete Tureks Karriere in der Nationalelf. Nach einem Kurzgastspiel bei Borussia Mönchengladbach arbeitete Turek ab 1957 bei der Rheinbahn in Düsseldorf, die 2009 ihren wohl prominentesten Angestellten mit einem speziell gestalteten Wagen ehrte.

Der zweimalige DFB-Pokalsieger Fortuna Düsseldorf benannte drei Jahre später zudem seine alte Geschäftsstelle am traditionsreichen Flinger Broich in Toni-Turek-Haus um. Seit 2014 erinnert an der Düsseldorfer Arena eine lebensgroße Bronzestatue an den WM-Helden von 1954.

Turek: Vom Bäckergesellen zum Fußballgott

Turek, der mit seiner Frau Wilhelmine zwei Kinder hatte, war trotz seiner Popularität stets bescheiden. Überliefert ist, dass er bei schriftlichen Autogrammwünschen selbst das Rückporto bezahlte. Der Held von Bern, der 1973 von einer schweren Krankheit heimgesucht wurde und von heute auf morgen querschnittsgelähmt war, starb mit nur 65 Jahren nach einem Schlaganfall am 11. Mai 1984.

Zum 100. Geburtstag erinnerte die Fortuna im Heimspiel gegen RB Leipzig am 27. Januar mit einem anthrazitfarbenen Trikot mit Halsschnürung an Toni Turek. Zudem erschien pünktlich zum runden Geburtstag eine Biografie des ersten deutschen Fußball-Gottes.

Sie schildert den steinigen Lebensweg des Duisburger Bäckergesellen. Autor ist der Theologie- und Philosophie-Historiker Werner Raupp, der in Hohenstein auf der Schwäbischen Alb das Turek-Archiv hütet.

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