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München und Sindelfingen - Norbert Elgert sieht Fehlentwicklungen in der Nachwuchsarbeit. Talente würden zu sehr reglementiert, die Arbeit der Trainer zu wenig wertgeschätzt.

Er gilt als der Nachwuchs-Guru schlechthin beim FC Schalke 04: Seit nunmehr 22 Jahren lenkt Norbert Elgert als Trainer die Geschicke der U19-Nachwuchsmannschaft bei den Königsblauen.

Und das mit großem Erfolg: Leroy Sane, Thilo Kehrer, Benedikt Höwedes, Mesut Özil, Manuel Neuer - die Liste der großen Namen ist lang, die von dem 61-Jährigen das Rüstzeug für die große Fußball-Karriere bekamen.

Doch Elgert sieht derzeit Gefahren für Deutschlands Talente.

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Elgert: "Müssen Entscheidungsfreude fördern"

"Wir müssen bei den Spielern wieder mehr Entscheidungsfreude fördern. Wir brauchen Spieler, die sich mehr zu dribbeln trauen, die das Eins-gegen-Eins suchen", sagte der gebürtige Gelsenkirchener im SPORT1-Interview am Rande des Mercedes-Benz Junior Cups in Sindelfingen. "Wie oft heißt es dazu doch: Spiel ab, Du Fummelkopp!"

Mit seiner Kritik, dass aktuell so wenige deutsche Klasse-Talente nachrücken, liegt Elgert auch auf einer Wellenlänge mit Mehmet Scholl.

Der Ex-Profi war vor einem Jahr über die Trainerausbildung des DFB hergezogen, hatte dabei vor allem die sogenannten Systemtrainer kritisiert: "Wir verlieren die Basis. Die Kinder müssen abspielen, sie dürfen sich nicht mehr im Dribbeln ausprobieren. Sie bekommen auch nicht mehr die richtigen Hinweise, warum ein Pass oder ein Dribbling nicht gelingt. Stattdessen können sie 18 Systeme rückwärts laufen und furzen."

© SPORT1

Elgert stimmt Scholl teilweise zu

"Er hat das ein bisschen extrem formuliert, aber ich bin da in verschiedenen Bereichen durchaus bei ihm", sagte Elgert, der in Sindelfingen als erfolgreicher Schalker Jugendtrainer in die Hall of Fame aufgenommen wurde.

"Wir neigen zu sehr zum Vereinheitlichen und zum Verschriftlichen, da fehlt den Trainern dann am Ende Zeit und Energie für Entwicklung. Heutzutage wollen alle etwas sein, aber niemand will mehr etwas werden", meinte Elgert. Es sei "sicherlich ein Problem, fehlende Erfahrung weiterzugeben. Erfahrung bekommst du nur durch die Jahre, die musst du sammeln als Jugendtrainer."

Nicht zuletzt habe Kreativität und Ausbildung von Spielern "auch mit finanzieller Entlohnung zu tun. Die Wertschätzung gegenüber Jugendtrainern ist hierzulande nicht so ausgeprägt, wie sie sein müsste - von den Trainern der Mini-Kicker angefangen bis zur U23."

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