Lesedauer: 3 Minuten
teilenE-MailKommentare

Paul Breitner wurde nicht erst nach seiner Karriere zur umstrittenen Figur. Nun erklärt er, wie es dazu kam - und warum er heute wohl kein Typ geworden wäre.

Paul Breitner ist nicht erst seit seinem jüngsten Streit mit Uli Hoeneß eine polarisierende Figur.

Schon zu aktiven Zeiten war die FC-Bayern-Legende immer wieder in den Schlagzeilen. Häufigste Zuschreibungen: Querdenker und Revoluzzer.

Meistgelesene Artikel

Im Interview mit der Neuen Zürcher Zeitung spricht der 67-Jährige nun ausführlich darüber, wie er zu seinem Image kam.

Anzeige

Journalist verpasst ihm Stempel als linker Revoluzzer

"Ich habe immer alles hinterfragt", erinnert sich Breitner: "Als ich als junger Spieler in München ankam, fragte ich bei allem: Warum soll ich das machen? Und warum das? Ich habe mich mit dem normalen Leben beschäftigt und auch da meine Meinung gesagt. Und dann hieß es, der da, mit erst 18 Jahren, was bildet der sich ein?"

Aus seiner eigenen Sicht sei er dabei aber einfach nur jemand gewesen, der "Argumente hören wollte".

Den Stempel als linker Revoluzzer habe er bekommen, als ihn ein Journalist im Trainingslager nach seinen Freizeitaktivitäten fragte. Er habe von seiner Leseleidenschaft berichtet und ausgeführt, welche Bücher er mitgenommen hatte: 'Ja das und das, und den Lenin habe ich auch dabei'. Am nächsten Tag gab's dann die Schlagzeile: "Der linke Paul auf der linken Seite."

Berichte haben schwere Folgen

Der Bericht sei folgenschwer gewesen: "Ich wurde als Kommunist und Sozialist tituliert und am Spieltag vor allem auswärts beschimpft und bespuckt. Es war die Zeit der Studentenunruhen, RAF und so weiter. Es hieß 1971, '72, Paul Breitner sei Maoist. Unglaublich! Maoisten waren damals potenzielle Bankräuber, die Geld für Waffen und Munition beschaffen wollten."

Eine Zeit lang habe er versucht, gegen dieses Image zu arbeiten: "Aber keinen hat's interessiert. Dann beschloss ich, wenn ihr das so wollt, dann kriegt ihr es auch so."

Breitner entschließt sich zu provozieren

Breitner entschloss sich also etwa, bei Zeitungsfragebögen provokante Antworten zu geben: "Wovor fürchten Sie sich am meisten? Vor Krieg, vor Krebs. Ich habe hingeschrieben: Vor einer Bundesregierung unter Franz Josef Strauß. Was wünschen Sie sich im Leben? Geld, Gesundheit, Glück für die Familie. Ich: Eine Niederlage der Amerikaner in Vietnam. Dafür gab es natürlich Prügel."

Heute, da ist sich Breitner sicher, hätte seine Profikarriere einen anderen Menschen aus ihm gemacht. "Ich wäre heute im gleichen Mainstream wie alle in der Öffentlichkeit, ob Sportler oder Politiker", glaubt er: "Ich würde das gleiche Blabla herunterbeten, weil ich wie alle Spitzentalente mit 11 oder 12 Jahren drei, vier Berater um mich gehabt hätte, die aufpassten, ob ich richtig atme und dass ich ja keinen Blödsinn erzähle."

Nächste Artikel
previous article imagenext article image