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München - Der FC Bayern kommt zum "Retterspiel" nach Kaiserslautern. Bei SPORT1 freuen sich FCK-Coach Sascha Hildmann und 1954er Weltmeister Horst Eckel auf das Duell.

Jeder Fan des 1. FC Kaiserslautern denkt gerne zurück an den 2. August 1997. Damals waren die Roten Teufel gerade in die Bundesliga aufgestiegen und gewannen gleich am ersten Spieltag im Münchner Olympiastadion beim FC Bayern mit 1:0. Torschütze: Michael Schjönberg.

Es war der Beginn einer furiosen und historischen Saison. Nach 34 Spieltagen wurde der FCK sensationell Deutscher Meister. Ein kleines Märchen, das wohl so nie wieder passieren wird. 

Am Montagabend werden all die, die den pfälzischen Traditionsverein im Herzen haben, wieder an große Duelle gegen den Rekordmeister und frischgebackenen Double-Gewinner denken. Denn dann kommen die Bayern zum "Retterspiel" ins Fritz-Walter-Stadion (ab 18.30 Uhr LIVE im TV auf SPORT1 und STREAM). Ein Hauch von Bundesliga weht über dem Betzenberg. 

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Bayern zum Retterspiel beim 1. FC Kaiserslautern

Vor einigen Wochen schon sagten die Münchner spontan ihre Hilfe für den finanziell schwer angeschlagenen FCK zu. Nach monatelangem Zittern um die Lizenz für die nächste Drittliga-Saison wurde zuletzt der Einstieg des Investors Flavio Becca perfekt gemacht. Das "Retterspiel" soll dem Klub nun weiteres Geld in die Kassen spülen. Alle Einnahmen dürfen die Pfälzer behalten.

"Das freut mich. Es freut uns alle, beim FCK. Gegen den amtierenden Meister und Pokalsieger zu spielen, in einem ausverkauften Fritz-Walter-Stadion, das ist für jeden Fußballer etwas Besonderes. Das sollen die Jungs genießen", sagt FCK-Coach Sascha Hildmann zu SPORT1

Eckel fiebert im Stadion mit Lautern

Auch Lauterns Weltmeister von 1954, Horst Eckel, fiebert am Montag natürlich mit seinem Verein mit. "Ich werde im Stadion sein und freue mich sehr auf dieses Spiel", sagt der 87-Jährige (213 Mal für den FCK aktiv) bei SPORT1.

Früher waren die Bayern keine gern gesehen Gäste. Doch Eckel glaubt, dass sich da etwas getan hat. "Die Situation hat sich geändert. Früher waren das auf dem Betzenberg immer heiß umkämpfte Spiele. Ich finde das eine sehr schöne Geste von den Bayern, dass sie einen Traditionsverein wie den FCK unterstützen."  

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Die Partie wird ausverkauft sein. 48.500 Zuschauer werden erwartet. Das spült natürlich einen Batzen Geld in die Kasse - auf 750.000 Euro Reinertrag hofft man. Das tut mit Blick auf die Lizenz gut. Die Lauterer haben am Freitag - vier Tage vor Abgabeschluss - alles Nötige eingereicht. Geschäftsführer Sport Martin Bader ist optimistisch, Anfang Juni positive Nachrichten vom DFB zu bekommen. 

Hildmann dankt dem FC Bayern

"Zunächst mal hat das Spiel und die aktuelle Situation nicht nur mit der vergangenen Spielzeit zu tun, ich glaube da muss man weiter zurück gehen", sagt Hildmann. "Aber natürlich sind wir alle sehr dankbar, dass der FC Bayern uns in diesen schweren Zeiten hilft. Das ist sicher nicht selbstverständlich. Das Spiel kann man natürlich nicht mit Punktspielen aus der Vergangenheit vergleichen, bei denen man sich als sportliche Rivalen begegnete."

Daher werde "auch die Stimmung auf den Rängen heute nicht mit Liga-Spielen vergleichbar sein, es wird ein Fußball-Fest."

Einige Spieler beim FCK haben schon gegen den FC Bayern gekickt, auch Hildmann hat gute Erinnerungen an den Rekordmeister. "Flo Dick hat die Bayern sogar schon in der Bundesliga geschlagen. Auch ich habe schon als Trainer mit Großaspach bei den Bayern gespielt."

Und weiter: "Es war ein Freundschaftsspiel in der Allianz Arena, wir haben uns gut geschlagen und letztlich 3:5 verloren. Aber klar, für jeden ist das heute ein besonderes Spiel. Die Jungs sind heiß darauf, sich mit einer der besten Mannschaften der Welt zu messen."

Rechnet sich Hildmann da tatsächlich etwas aus oder wird es einfach nur eine große Party? "Beides. Wir spielen gegen Bayern München, die - selbst wenn sie noch in Feierlaune sind - eine ganz besondere Qualität haben. Aber jeder Spieler, der auf den Platz geht, will sein Bestes geben, gerade gegen so einen Gegner. Wir sind sicherlich nicht in der Favoritenrolle, aber wir wollen zumindest dagegenhalten, wollen möglichst ein Tor schießen oder sogar zwei. Das Ergebnis ist sicherlich zweitrangig bei so einem Spiel."

"Zeichen der Solidarität"

Am Montagabend stehen sich zwei frischgebackene Pokalsieger gegenüber. Die Bayern machten am Samstag mit dem 3:0-Sieg gegen RB Leipzig das Double perfekt, der FCK gewann im Verbandsligapokal bei Wormatia Worms mit 2:1 (zwei Mal Christian Kühlwetter) und sicherte sich dadurch für die nächste Saison die Teilnahme am DFB-Pokal. 

Dass die Bayern nach den Feierlichkeiten mit einer B-Elf anreisen werden, stört Eckel nicht. Er betont, dass der Grund für diese Partie schließlich "kein Kräftemessen" sei, "sondern ein Zeichen der Solidarität."

Hildmann meint: "Ich denke, die werden sich nicht auf den Weg in die Pfalz machen, wenn sie nicht auch Fußball spielen möchten. Jeder, der bei Bayern München spielt, hat Ambitionen, wenn er auf dem Platz steht. Das sind Sportler."

Von einem Freundschaftsspiel ist die Rede, doch das sehen viele Fans im Lager des FCK ganz anders. Natürlich sind die Anhänger froh um jede finanzielle Hilfe, doch die Rivalität zwischen beiden Klubs ist immer noch groß. Gerade in den 80er Jahren reisten die Bayern regelmäßig mit einigem Bauchkribbeln in die Pfalz, entschieden sich einst sogar aus Aberglaube für brasilianische Trikots. 

Kein Freundschaftsspiel-Charakter

Für Hildmann hat das Spiel am Montagabend sicher keinen Freundschaftsspiel-Charakter. Der 47-Jährige ist viel zu sehr mit Leib und Seele Trainer, als dass er mit halber Drehzahl an dieses Prestige-Duell herangehen würde.  

Trotz der Probleme in den vergangenen Wochen inklusive des für jeden FCK-Angestellten zermürbenden Theaters um Finanzen, Investoren und Lizenz ist die Freude im Umfeld aber groß auf den ganz speziellen Saisonabschluss.

Vor der Runde hätte wohl kein Fan gedacht, dass der FC Bayern mal wieder vorbeischauen würde. Doch jetzt kann man nach dem - wenn auch glücklichen - Pokalsieg und einem möglichen Erfolg gegen die Münchner mit einem rundum positiven Gefühl in die Sommerpause gehen. 

"Ich wünsche mir einfach, dass es mit dem FCK wieder nach oben geht", sagt Eckel, "und dass wir dann wieder ein Spiel gegen die Bayern sehen werden, wo vor allem das Sportliche im Vordergrund stehen wird."

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