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Fussball: 2. BL 03/04, Arminia Bielefeld-Union Berlin;
Fussball: 2. BL 03/04, Arminia Bielefeld-Union Berlin; © Getty Images
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Duisburg und München - Aleksandar Ristic war ein echtes Unikum in der Bundesliga. Jetzt feiert der Bosnier seinen 75. Geburtstag. SPORT1 blickt zurück auf seine Karriere.

Die Journalisten warteten auf die Stimmen, als der Weihnachtsmann zur Tür hereinkam. Er setzte sich aufs Podium. Die Leute im Presseraum erkannten sofort, wer in dem Kostüm steckte.

Es war Fortuna Düsseldorfs Trainer Aleksandar Ristic, der sich nach einem Spiel gegen Borussia Mönchengladbach mit rotem Mantel und Rauschebart verkleidet hatte. "Der Vorstand hatte mich darum gebeten, damit wir mehr Öffentlichkeit bekommen und für Sponsoren interessanter werden", sagte er später.

Dieser Auftritt aus dem Jahr 1990 passt zu Ristic‘ Image. Der frühere Bundesliga-Trainer, der am 28. Juni seinen 75. Geburtstag feierte, galt als Spaßvogel. Er drückte Linienrichtern Pfefferminzbonbons in die Hand, verfolgte Spiele von seinem Pattex-Klappstuhl aus und bereicherte die Fußballsprache mit seinen Sprüchen im holprigen Deutsch. "Kann ich nicht machen Schweine zu Rennpferden", sagte Ristic einmal über sein Team.

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Den Mann aus Sarajevo nur für seine Entertainer-Qualitäten zu loben, würde ihm aber nicht gerecht werden. Ristic war ein erfolgreicher Trainer - dreimal gelang ihm der Bundesliga-Aufstieg.

Unter Zebec und Happel gelernt

Er lernte auch von den Besten. 1974 kam Ristic als Profifußballer nach Deutschland. Unter Branko Zebec spielte er bei Eintracht Braunschweig. Die Trainerikone machte Ristic bald zu seinem Assistenten beim Hamburger SV. Ernst Happel hieß sein zweiter großer Lehrmeister.

Ristic gewann als Co-Trainer, was es zu gewinnen gab. Drei Deutsche Meisterschaften, einmal den DFB-Pokal. Und 1983 holte er an Happels Seite den Europapokal der Landesmeister.

Als Cheftrainer erlebte Ristic seine große Zeit in Düsseldorf. 1987 kam er zur Fortuna. Der Klub war aus der Bundesliga abgestiegen und hatte kein Geld. Doch zwei Jahre später gab es die Aufstiegsfeier im Rheinstadion.

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"Die Toten Hosen" und ihre Hymne  

Aus den Boxen dröhnte damals "Hier kommt Alex" von der Düsseldorfer Band "Die Toten Hosen". Eigentlich besingt die Gruppe eine Figur aus dem Zukunftsroman "A Clockwork Orange". Im Laufe der Zeit entwickelte sich das Lied aber zur Ristic-Hymne.   

Anfang 1991 besangen die Düsseldorfer Fans ihren Kulttrainer nicht mehr. Ristic hatte ein Angebot vom FC Schalke 04 angenommen. Auch in Gelsenkirchen lief es auf Anhieb gut. Ristic schaffte mit dem Klub seinen zweiten Bundesliga-Aufstieg. In der darauffolgenden Saison schloss er die Hinrunde auf Platz sechs ab.

Der Trainer griff auf Schalke hart durch. Als Ristic zwei Spieler beim Backgammon erwischte, strich er sie kurzerhand aus dem Kader. "Das war nach dem Mittagessen, da sollen die Spieler auf ihre Zimmer und ins Bett gehen und eventuell was lesen", sagte er später in einem Interview mit dem Stern. "Die müssen nicht schlafen, aber nicht irgendwo etwas spielen. Egal, ob Backgammon oder Minigolf - das geht nicht."

Kritik an Torwart Jens Lehmann

Ristic verstimmte auch Führungsspieler. Kapitän Andreas Müller setzte er auf die Tribüne. Egon Flad bezeichnete der Trainer als "schlechtesten Linksverteidiger der Liga". Und Torwart Jens Lehmann musste sich ständig anhören, wie gut der Düsseldorfer Jörg Schmadtke sei.

Die Spieler klagten ihr Leid beim Klubpräsidenten Günter Eichberg. Der entließ Ristic schließlich im April 1992. Wenige Wochen später war der Bosnier zurück in Düsseldorf. Es herrschte zu der Zeit Chaos im Klub. Letztendlich fand sich Ristic 1993 in der Oberliga Nordrhein wieder. Er tingelte mit der Fortuna durch die Provinz, bestritt Spiele bei Germania Teveren, dem Rheydter SV und dem 1. FC Bocholt.

Doch Ristic ließ sich vom Niedergang nicht beirren. Er führte Düsseldorf zunächst zurück in die 2. Bundesliga. Und dann packte der Trainer noch einen drauf - seinen dritten Bundesliga-Aufstieg. Die Düsseldorfer konnten bald wieder die ganz großen Mannschaften empfangen. Und auch besiegen.

Rehhagel mit Kontertaktik bezwungen

So kam Bayern München mit Jürgen Klinsmann, Oliver Kahn und Trainer Otto Rehhagel ins Rheinstadion und schied im DFB-Pokal aus. Gegen Ristic‘ Kontertaktik konnte das Starensemble nichts ausrichten.

Diesem großen Moment im Herbst 1995 sollten aber viele Tiefschläge folgen. Ein Jahr später musste Ristic gehen, nachdem er sich mit Spielern und Offiziellen überworfen hatte. Die 0:2-Niederlage am 22. November 1996 war sein letztes Spiel als Bundesliga-Trainer.

Nirgendwo konnte Ristic an die großen Erfolge anknüpfen. Nicht bei Rot-Weiß Oberhausen, Union Berlin oder dem KFC Uerdingen. Sein drittes Intermezzo in Düsseldorf geriet vollends zum Fiasko. Im Sommer 2000 übernahm er seinen Lieblingsklub nochmal - doch ein halbes Jahr später war für ihn Schluss beim damaligen Regionalligisten.

Die schwache Phase verziehen ihm die Fans. Als es galt, eine Fortuna- Jahrhundertmannschaft aufzustellen, wählten sie Ristic zum Trainer. Auch wenn der nun 75-Jährige mittlerweile in Dubrovnik lebt, dürfte immer noch sein Satz aus einem Spiegel-Interview Gültigkeit haben: "An der Fortuna hängt mein Herz."

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