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München - Nach seinem Abschied beim FC Bayern wechselte Sandro Wagner Ende Januar 2019 nach China. Doch wie findet sich der Stürmer dort eigentlich zurecht?

An Selbstbewusstsein mangelte es Sandro Wagner noch nie. 

"Ich sehe mich noch immer als besten deutschen Stürmer. Das wird sich so schnell auch nicht ändern", sagte der Angreifer im März 2017, damals in Diensten der TSG Hoffenheim.

Rund ein Jahr später stand er beim FC Bayern unter Vertrag - und stand weiter zu seiner Aussage: "Ich habe im letzten Jahr bei der Nationalmannschaft immer gute Leistungen gebracht und die meisten WM-Qualifikations-Tore erzielt. Ich bleibe daher dabei, dass ich aktuell der beste deutsche Stürmer bin."

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Wagner, der in sieben Spielen im DFB-Dress fünf Treffer erzielt hatte, war zu diesem Zeitpunkt recht zuversichtlich, bei der Weltmeisterschaft dabei sein zu können. Es wäre sein erstes großes Turnier gewesen. "Wenn ich gesund bleibe, bin ich sehr optimistisch, dass mich Jogi Löw mit nach Russland nimmt."

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Es kam anders. Wagner wurde nicht nominiert und trat frustriert zurück. Inzwischen ist der 31-Jährige in der chinesischen Super League bei Erstligist Tianjin Teda gelandet. Ende Januar 2019 wechselte er vom FC Bayern nach Fernost.

Fürstliches Gehalt, klägliche Leistung

"Wir hatten im Angriff wenig Durchschlagskraft. Daher hat der Verein beschlossen, einen groß gewachsenen Mittelstürmer zu suchen. Ich habe dann zwei, drei Namen genannt, bei denen Sandro absolute Priorität hatte", erklärte Tianjins deutscher Trainer Uli Stielike nach dem Transfer-Coup. Doch jene Durchschlagskraft lässt Wagner bislang insbesondere vor dem Tor noch vermissen.

Sein Gehalt ist fürstlich (angeblich 15 Millionen Euro für zwei Jahre), die Torausbeute weniger. In zehn Spielen, in denen er jede Minute auf dem Platz stand, erzielte er noch kein einziges Tor, lediglich ein Assist steht zu Buche. Im letzten Ligaspiel gegen Sinobo Guoan stand er nicht im Kader.

Sein Team liegt auf einem unspektakulären Rang sieben in der Tabelle. Für mehr Aufsehen sorgte Ende Februar ein "physischer Konflikt" in einer Bar, an dem einige von Wagners Teamkollegen beteiligt waren.

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Die chinesische Polizei nahm sechs Spieler aus dem Reserveteam fest. Die Spieler verbrachten nach dem Vorfall drei Tage in Polizeigewahrsam in Kunming, wo sich Tianjin Teda auf die neue Saison vorbereitet hatte. Zudem wurden sie mit Geldstrafen belegt und temporär aus dem Verein verbannt.

Ein Schicksal, das Wagner selbstverständlich nicht droht, doch sein "Abenteuer", wie er es selbst nannte, hatte er sich sicherlich anders vorgestellt.

Spätzünder Wagner startet durch

Es ist noch gar nicht so lange her, da war Wagner auf dem Höhepunkt seiner Karriere.

Nach eher mäßigen Jahren bei Werder Bremen, beim 1. FC Kaiserslautern (Leihe) und Hertha BSC entschied sich der Stürmer 2015 zu einem Wechsel zu Darmstadt 98

Die Hessen waren gerade in die Bundesliga aufgestiegen. Mit insgesamt 15 Toren (vier Vorlagen) in 34 Pflichtspielen war Wagner der Spieler der Saison bei den Lilien und trug maßgeblich zum Klassenerhalt bei. 

Nach nur einem Jahr zog er dann weiter zur TSG Hoffenheim. Für die Kraichgauer traf Wagner in 50 Spielen 18 Mal (acht Assists).

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Wechsel zum FC Bayern

Der FC Bayern wurde auf den gebürtigen Münchner aufmerksam und zur Rückrunde der Saison 2017/2018 kehrte Wagner schließlich zu seinem Jugendverein zurück, bei dem er 2006 Profi geworden war. Für rund zwölf Millionen Euro Ablöse. Beim Rekordmeister erhielt er einen bis zum 30. Juni 2020 datierten Vertrag und wurde Backup von Robert Lewandowski.

Glücklich wurde er unter Trainer Niko Kovac aber nie. In der Saison 2018/19 kam Wagner an den ersten 19 Spieltagen lediglich zu sieben Einsätzen in der Bundesliga, davon sechs nach Einwechslung. Tore: Fehlanzeige. 

Ende Januar 2019 entschloss er sich zu einem erneuten Tapetenwechsel und unterschrieb beim chinesischen Super-League-Klub einen hochdotierten Vertrag.

Ob ihn aber das Geld über seine Torflaute hinwegtröstet?

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