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Max Kruse ist der bisherige Top-Transfer von Fenerbahce Istanbul
Max Kruse ist der bisherige Top-Transfer von Fenerbahce Istanbul © imago
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München - Beim Audi Cup trifft der FC Bayern München im Halbfinale auf Fenerbahce Istanbul. Die Türken haben sich nach verkorkster vergangener Saison völlig neu aufgestellt.

Es war eine Gefühlsentscheidung.

Mit seinem Wechsel von Werder Bremen zu Fenerbahce Istanbul hat Max Kruse für viel Unverständnis gesorgt. Der ehemalige Nationalspieler entschied sich gegen die Möglichkeit, international zu spielen.

"Ich hatte Angebote von vielen Klubs, einer davon war Liverpool", verriet der Stürmer gegenüber beIN SPORTS Türkiye. Letztendlich sei es Fenerbahce geworden, "weil ich das Gefühl hatte, dass das der nächste Karriereschritt ist". Es sei ein interessantes Projekt für ihn, erklärte Kruse.

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Erster Härtestest für Kruse und Fenerbahce ist der Audi Cup in München, bei dem die Türken im Halbfinale gegen den Gastgeber FC Bayern München antreten müssen. (Audi Cup, Halbfinale FC Bayern München - Fenerbahce Istanbul ab 20.30 Uhr bei SPORT1 im LIVETICKER).

"Ich hoffe, dass wir den Bayern Paroli bieten können", sagte der Offensivspieler im ZDF. "Ich hoffe, dass sie noch nicht so im Flow sind und wir durchaus die Möglichkeit haben, das Spiel zu gewinnen."

Um ein Haar wäre Kruse beim heutigen Gegner gelandet. Denn nach SPORT1-Informationen hatte auch der deutsche Rekordmeister Kruse als Backup von Robert Lewandowski auf dem Zettel.

Fenerbahce entgeht knapp dem Abstieg

Was Kruse als "interessantes Projekt" bezeichnet, kann auch als Totalumbruch bezeichnet werden. Nach der Vizemeisterschaft 2018 entging Fener in der abgelaufenen Spielzeit nur knapp dem Abstieg. Drei Spieltage vor dem Ende trennten den 19-fachen türkischen Meister nur fünf Zähler von den Abstiegsrängen. Nach einem starken Finish kletterte Fenerbahce noch auf Rang sechs, ein Punkt fehlte am Ende zur Teilnahme am europäischen Geschäft.

In den vergangenen Jahren war Fener oft geschmückt von internationalen Topstars. Robin van Persie, Nani, Diego, Simon Kjaer – sie alle spielten in den vergangenen fünf Jahren für die Istanbuler. Dennoch ist die letzte Meisterschaft von fünf Jahre her.

Dazu plagen den Klub aus der türkischen Metropole seit Jahren finanzielle Probleme. Erst vor wenigen Wochen wurde Fenerbahce zu einer Geldstrafe wegen Verstoßes gegen das Financial Fair Play verurteilt. Eine drohende Europapokalsperre konnte jedoch abgewendet werden.

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Zur kommenden Saison wurde der Kader gehörig durcheinandergewirbelt. 15 Spieler verließen den Verein, gestandene Profis wie Roberto Soldado, Marin Skrtel, Mathieu Valbuena oder auch Roman Neustädter wurden zum Nulltarif abgegeben. Dazu verlor das Team von Trainer Ersun Yanal mit Eljif Elmas sein Top-Talent, der Mazedonier wechselte für 16 Millionen Euro zum SSC Neapel.

Eine Chance für die Jugend

Auf der Zuganggsseite stehen neben Königstransfer Kruse (ablösefrei) eher unbekannte Namen. Der teuerste bislang war Stürmer Vedat Muriqi, der für 3,5 Millionen Euro von Caykur Rizespor kam. In der abgelaufenen Spielzeit erzielte Muriqi 17 Tore in der türkischen Süper Lig. Mit Garry Rodrigues wurde zudem ein torgefährlicher Flügelspieler ausgeliehen, der bis Jahresanfang noch für den Stadtrivalen Galatasaray spielte.

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Dazu wurden über zehn Spieler aus der eigenen Jugend oder Reserve in die erste Mannschaft hochgezogen. Ein Fingerzeig, wohin die Reise gehen könnte.

Dass es aber ohne Erfahrung nicht möglich ist, erfolgreich zu sein, zeigt die Verpflichtung von Emre Belözöglu. Der 38-Jährige, der in seiner Karriere auch schon für Inter Mailand und Atlético Madrid die Fußballstiefel schnürte, kehrte nach vier Jahren zu Fener zurück und soll als Kapitän die verjüngte Mannschaft führen.

Mehmet Ekici trifft auf Ex-Klub Bayern

Doch trotz der finanziellen Probleme und des Umbruchs will Fener in der kommenden Saison angreifen. Klub-Boss Ali Koc kündigte am Wochenende weitere Transfers an. Aktuell ist auch der Stuttgarter Orel Mangala im Gespräch, er soll auf Leihbasis nach Istanbul kommen.

Finanziert werden soll das durch zwei Aktionen, mit denen Vereinsmitglieder und Fans den Verein unterstützen können. Bislang wurden so schon über 20 Millionen Euro eingenommen.

Die ganz großen Stars sucht man bislang im Fener-Kader neben Kruse vergeblich. Einen Namen sollten vor allem die Bayern-Fans noch in Erinnerung haben. Mehmet Ekici ist gebürtiger Münchner, durchlief nahezu sämtliche Jugendmannschaften des Rekordmeisters, schaffte dort jedoch den Durchbruch nicht. 2011 wechselte er für fünf Millionen Euro zu Werder Bremen.

Ekici ist nicht der einzige Fener-Profi mit Bundesliga-Erfahrung. Tolga Cigerci spielte unter anderem für den VfL Wolfsburg und Hertha BSC, Tolgay Arslan für den Hamburger SV. Der Name mit dem meisten internationalen Glanz ist mit Sicherheit, Victor Moses, der über 200 Premier-League-Spiele absolvierte und aktuell vom FC Chelsea ausgeliehen ist.

Man darf gespannt sein, wie sich das runderneuerte Fenerbahce gegen den FC Bayern präsentieren wird. Max Kruse dürfte, sofern er spielt, auf jeden Fall eine Schlüsselrolle einnehmen.

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