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Trainerlegende Rudi Gutendorf verstarb im Alter von 93 Jahren
Trainerlegende Rudi Gutendorf verstarb im Alter von 93 Jahren © Getty Images
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Im Alter von 93 Jahren ist Rudi Gutendorf gestorben. Der Weltenbummler gehörte zu den schillerndsten Erscheinungen der deutschen Fußballtrainer-Gilde.

Er war der Trainer-Weltenbummler, der Paradiesvogel unter Deutschlands Coaches und ein absolutes Unikum - in der Nacht zum Samstag schlief der schon zu Lebzeiten legendäre Fußballlehrer Rudi Gutendorf im Kreis seiner Familie friedlich ein. Gutendorf wurde 93 Jahre alt.

Der gebürtige Koblenzer steht mit 55 Trainer-Stationen in 32 Ländern auf fünf Kontinenten im Guinness-Buch der Rekorde und verdiente sich so den Spitznamen "Rudi Rastlos". Er wurde schon in jungen Jahren vom Fernweh getrieben. Mit den Worte "Machen se et jut" hatte der damalige Bundeskanzler Konrad Adenauer 1961 den damals 35-Jährigen in sein erstes Abenteuer nach Tunesien verabschiedet. 

Gutendorf liebte es, seine Fußball-Philosophie in alle Welt hinauszutragen. Dabei war er immer von der völkerverbindenden Funktion des Fußballs überzeugt.

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Als sein persönliches Highlight beschrieb Gutendorf einmal sein Engagement in Ruanda, wo er für das "Wunder von Kigali" verantwortlich zeichnete. Fünf Jahre nach dem Blutrausch der Hutu-Milizen, dem 1994 rund 800.000 Tutsi zum Opfer fielen, vereinte der Deutsche Spieler aus den verfeindeten Stämmen in der Auswahl - eine diplomatische Meisterleitung. 

"Schöner als eine Meisterschaft"

"Das war schöner als eine Meisterschaft, sicher meine größte Leistung als Trainer", betonte Gutendorf einmal. Hochrangige Politiker aus Ruanda besuchten ihn immer wieder in Koblenz, wenn sie auf Deutschland-Besuch weilten.

International genoss Gutendorf hohe Anerkennung. "Die schönste Schlagzeile über mich las ich 2002 in der größten italienischen Sportzeitung Gazzetta dello Sport, die mich hinter Trainerlegende Sir Alex Ferguson und Ex-Bayern Coach Giovanni Trapattoni auf den dritten Platz der herausragendsten Trainerpersönlichkeiten Europas setzte", berichtete er einmal voller Stolz.

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Gutendorf sah sich als Fußball-Entwicklungshelfer. Für seinen unermüdlichen Einsatz in vielen Ländern wurde der Ex-Spieler der TuS Neuendorf unter anderem mit zwei Bundesverdienstkreuzen ausgezeichnet. "Wir verlieren in ihm jemand, der uns durch sein großes Herz und Positivität jeden Tag bereichert hat", schrieb die Familie in einer Stellungnahme. 

In seinem Zuhause, einer ehemaligen Telegrafenstation im Westerwald, hing eine überdimensional große Karte. "Die Welt des Rudi Gutendorf" stand darüber. Alle seine Stationen waren aufgeführt: Egal ob Samoa, Ruanda oder Fidschi, Neukaledonien, Japan, Australien oder Peru. Gutendorf gefiel sich auch in der Rolle des Lebemanns, der sich gerne in der Karibik mit barbusigen Schönheiten ablichten ließ. 

"Rudi-Riegel" predigte Defensivfußball 

In Deutschland hatte er den Spitznamen "Riegel-Rudi" weg. Mit seiner Defensivstrategie führte er den MSV Duisburg zur Vizemeisterschaft in der ersten Bundesliga-Saison hinter dem 1. FC Köln. "Diese Taktik mit der Doppeldeckung wird heute noch angewandt", entgegnete er später immer wieder kritischen Fragen zu seiner auf Torsicherung ausgerichteten Taktik. 

In der Bundesliga-Saison 1968/69 führte er Schalke 04 in der Rückrunde vom vorletzten Tabellenplatz noch auf Platz sieben und trotz der 1:2-Niederlage im DFB-Pokalfinale gegen Meister Bayern München sogar in den Europacup.

Gutendorf gehörte zweifellos zu den schillerndsten Trainerpersönlichkeiten. In seinem Buch mit dem Titel "Leben!Leisten!Siegen!" hat er Anekdoten aus seinen 70 Jahren im Fußball aufgeschrieben, aber auch Ernährungstipps und Lebenshilfen gehörten zum Inhalt.

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