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München - Christoph Daum erinnert sich im SPORT1-Podcast "Lieber Fußball" an seine schwere Zeit rund um die Kokain-Affäre und an besonderes Scouting bei Bayer Leverkusen.

Christoph Daum hat in der neuen Folge des SPORT1-Podcasts Lieber Fußball erklärt, warum er einst zum Kokain griff.

"In der Situation war mein Leben eine einzige Baustelle", sagt der heute 66-Jährige: "Als ich den Überblick verloren habe, habe ich mich hinreißen lassen von einer Gruppe, in der ich war."

Diese habe ihm geraten: "Mensch, nimm doch mal was, dann werden die Probleme etwas geringer."

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"Ich habe mich gehen lassen, ohne die Tragweite zu überschauen", blickt er zurück: "Das war sicherlich falsch. Ich habe auch feststellen müssen, dass Kokain keine Probleme löst - die Probleme waren nach wie vor da. Der Druck war nach wie vor da."

Das komplette Gespräch mit Christoph Daum - Die neue Folge "Lieber Fußball" - ab sofort bei SPORT1, Spotify, Apple Podcasts und überall, wo es Podcasts gibt

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Daum wird nicht Bundestrainer: "Das hat verdammt weh getan"

"Ein absolutes reines Gewissen", wie Daum es auf Verweis der Presseabteilung von Bayer Leverkusen in seiner legendären Aussage einst behauptet hatte, hatte er in Wirklichkeit nie.

"Aber ich hatte vorher anonym im Ausland einen Haartest durchgeführt, der absolut negativ war. Ich hatte schriftlich vorliegen, dass ich bei einer Haaranalyse nichts zu befürchten habe", sagte Daum, der diese als "Befreiungsschlag" angedacht hatte.

Deswegen habe er vom "reinen Gewissen" gesprochen und "übernehme dafür die Verantwortung".

Nach seinem positiven Test verlor er die Chance, Bundestrainer zu werden. "Das war mein Traum und mein Ziel. Das war ein verdammt hoher Preis, den ich zu bezahlen hatte. Das hat verdammt weh getan."

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Daum wollte "wissen, was ein Spieler unter der Dusche singt"

Zuvor hatte Daum vier Jahre lang bei Bayer Leverkusen erfolgreich gearbeitet. Das lag auch daran, dass er gemeinsam mit dem damaligen Manager Reiner Calmund besonders in Brasilien intensiv nach Spielern suchte.

Das Scouting dort "ging so weit, dass wir sogar wissen wollten, was ein Spieler unter der Dusche singt".

Bayers Ziel: Von zehn Transfers mussten neun sitzen. "Und der, der nicht sitzt, durfte nie der teuerste sein. Dementsprechend akribisch haben wir gearbeitet. Die Fehlermöglichkeit wollten wir minimieren durch einen unheimlich hohen Aufwand an Mitarbeitern."

Calmund sagte Daum: "Dann können wir zumachen"

Zum Wechsel von Emerson war Daum sogar bereit, "eine Summe im Millionenbereich aus der eigenen Tasche" beitragen, die er durch eine Beteiligung am etwaigen Weiterverkauf abgesichert wissen.

Reiner Calmund (r.) und Christoph Daum arbeiteten bei Bayer Leverkusen zusammen
Reiner Calmund (r.) und Christoph Daum arbeiteten bei Bayer Leverkusen zusammen © Getty Images

Calmund lehnte das Vorhaben aber ab, wie Daum erklärt: "Wenn das rauskommt, dass der Trainer an Spielern beteiligt ist und am Wiederverkauf partizipiert, dann können wir den Laden hier zumachen."

Immerhin: Daum glaubt, dass sein Vorpreschen "zu einem so großen Umdenken geführt hat, dass der Verein den Spieler dann verpflichtet hat".

Daum will Trainerjob 

Inzwischen gibt Daum seine Erfahrungen an junge Trainer in der Ausbildung weiter.

Doch er hat noch andere Hoffnungen: "Ich würde mich aber noch mehr darüber freuen, wenn ich in einer Trainer- oder Sportdirektor-Funktion einen Verein unterstützen kann."

Denn "die direkte Arbeit mit einer Mannschaft liegt mir eigentlich noch mehr".

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