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München - In der Bundesliga wird heftig über die zukünftige Verteilung der TV-Einnahmen gestritten. SPORT1 zeigt, wie die anderen Top-Ligen Europas dieses heikle Thema regeln.

Es ist keine Länderspielpause wie jede andere in der Bundesliga.

Bis zum übernächsten Wochenende ruht der Ball, weil die Nationalspieler auf Reisen sind. Doch von Langeweile im deutschen Profi-Fußball kann nicht die Rede sein.

Wie auch, wenn die mächtigen Klub-Bosse das wichtigste Thema für das zukünftige Miteinander innerhalb der DFL umtreibt: das Geld und vor allem seine Verteilung aus den TV-Einnahmen der kommenden vier Jahre.

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Bisher war es so geregelt, dass der FC Bayern als erfolgreichster Klub auch mit Abstand das meiste Geld bekam, in der vergangenen Saison mit 113 Millionen Euro etwa das 3,5-fache von Schlusslicht SC Paderborn, das noch auf rund 30 Millionen kam.

Rummenigge rüffelt Bundesliga-Quartett

Dagegen wehrte sich eine Gruppierung der vier Bundesligisten aus Stuttgart, Augsburg, Mainz und Bielefeld, die eine Umverteilung der Gelder zugunsten der kleineren Vereine forderte. Auch wenn es ähnlich gelagerte Forderungen auch früher schon von anderen Klubs gab, sah sich Bayern-Boss Karl-Heinz-Rummenigge diesmal zu einer heftigen Verbalattacke genötigt.

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"Den Solidarpakt haben nicht wir gebrochen. Die vier Bundesligisten und die zehn Zweitligisten haben uns den Fehdehandschuh hingeworfen", polterte er nach einem Treffen der übrigen 14 Bundesligisten und des HSV als einzigen Zweitligisten.

Dabei hatte sogar DFL-Boss Christian Seifert kürzlich bemängelt, dass die Eintönigkeit der Bundesliga im Titelkampf zumindest die Auslandsvermarktung erschwere. "Im Ausland spielt selbstverständlich der Wettbewerb um die Meisterschale eine sehr, sehr dominierende Rolle", hatte Seifert im Juni bei SPORT1 gesagt.

Für den früheren DFL-Geschäftsführer Andreas Rettig ist eine Umverteilung längst dringend nötig - langfristig auch zum Wohle der Bayern.  

"Wir haben seit 20 Jahren ein System, was die Schere zwischen denen, die wenig und denen die viel haben, immer weiter auseinandergehen lässt", sagt Rettig bei SPORT1.

Rettig: "... dann wird auch der FC Bayern weniger abbekommen"

Die Konsequenz daraus sei, dass die Spiele voraussehbar sind. "Das führt dazu, dass das Spannungsmoment fällt, weniger Leute sich das anschauen und die Medienerlöse perspektivisch fallen werden. Wenn das der Fall ist, wird auch der FC Bayern weniger abbekommen. Deswegen ist mir das zu kurz gesprungen, wie dort argumentiert wird." 

Dass die deutliche Spitzenposition der Münchner hierzulande fest zementiert ist, zeigt ein Blick auf den Verteilerschlüssel. Wie der kicker berichtet, werden mehr als zwei Drittel der Gelder aus der nationalen Vermarktung auf Basis der vergangenen fünf Jahre verteilt.

Heißt: Mit jeder gewonnenen Meisterschaft sichern sich die Bayern auch für die folgenden Jahre einen Großteil der Bundesliga-Einnahmen. Dazu kommt, dass die Erlöse aus der internationalen Vermarktung zu 75 Prozent an die Erfolge im Europapokal gekoppelt sind. Auch hier erhält der deutsche Rekordmeister ein Vielfaches von den Vereinen, die international nicht vertreten sind.

Diese Zahlen legen nahe, dass die Dominanz der Bayern in der Bundesliga durch den Verteilungsschlüssel aus der TV-Vermarktung zementiert werden.

In diesem Zusammenhang lohnt sich ein Blick über die Grenzen hinaus.

England: Schlüssel sorgt für Chancengleichheit

Die englische Premier League generiert unter den europäischen Top-Ligen das meiste TV-Geld. In der Saison 2018/19 konnten unter den 20 Mannschaften 2,6 Milliarden Euro verteilt werden.

Im Gegensatz zur Bundesliga ging die Schere dort zwischen dem FC Liverpool, der den größten Anteil bekam (162 Millionen Euro) und Huddersfield Town auf Platz 20 (101 Millionen) weitaus weniger stark auseinander. Die Reds bekamen also nur das 1,6-fache von Huddersfield.

Wie die Süddeutsche Zeitung berichtet, liegt das an einem viel ausgeglicheneren Verteilungssystem. Demnach wurden bislang zumindest die Hälfte der nationalen wie auch der internationalen Vermarktungseinnahmen gleichmäßig an alle Klubs verteilt.

In Zukunft soll dies demnach zwar leicht geändert werden, doch das Verhältnis werde etwa bei 1,8:1 und damit weiterhin deutlich unter der Marke von 3,5:1 aus der Bundesliga liegen.

Dass die TV-Vermarktung direkt in Bezug zur sportlichen Situation gesetzt werden kann, ist auch in England zu sehen.

Während in Deutschland seit acht Jahren ununterbrochen der FC Bayern Meister wird, waren es im gleichen Zeitraum in England fünf Teams (Manchester United, Manchester City, Leicester City, FC Chelsea, FC Liverpool)!

Spanien: Zentralvermarktung seit 2016

In Spanien, wo seit 2016 die TV-Gelder ebenfalls zentral vermarktet werden, ist dieses Bild an der Tabellenspitze zwar nicht ganz so vielfältig. Aber immerhin sind auch in La Liga mehrere Vereine in den vergangenen acht Jahren Meister geworden: Real Madrid, FC Barcelona und Atlético Madrid.

Im Land des Weltmeisters von 2010 waren die beiden Großklubs Real und Barca jahrzehntelang dem Rest der Liga finanziell meilenweit voraus, weil sich jeder Verein einzeln vermarkten konnte.

Nachdem dies durch einen königlichen Erlass vor vier Jahren geändert wurde, bewegt sich das Einnahme-Verhältnis zwischen dem ersten und dem letzten Platz in etwa wie in der Bundesliga (3,7:1). In der vorletzten Saison nahm Krösus Barcelona 166,5 Millionen Euro ein, Huesca am anderen Ende des Rankings noch 44 Millionen.

Italien: Serienmeister Juventus

Ähnlich monoton wie in Deutschland lief der Kampf um die Meisterschaft in den letzten Jahren auch in Italien ab. Juventus Turin wurde zuletzt sogar neunmal hintereinander Meister in der Serie A.

Dabei ist der Verteilerschlüssel laut calcioefinanza.it nicht ganz so extrem wie in Deutschland. In der Saison 2018/19 nahm Juventus 85 Million an TV-Geldern ein, Schlusslicht Frosinone kam auf 36,5 Millionen, was einen Wert von 2,3:1 ergibt.

Frankreich: Ähnlicher Schlüssel wie in Deutschland

In Frankreich ist dieser Wert wiederum vergleichbar mit dem in der Bundesliga. In der Saison 2017/18 verdiente Serienmeister Paris Saint-Germain laut Internetzeitung mediapart.fr mit knapp 57 Millionen Euro das 3,6-fache des FC Metz (knapp 16 Millionen.)

Die Vorherrschaft von PSG ist in diesem Fall aber nicht nur auf die Verteilung der TV-Gelder zurückzuführen, sondern in hohem Maße auch auf die Milliarden-Zuwendungen der Investoren aus Katar.

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