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München - Kylian Mbappé und Erling Haaland begeistern in der Champions Legaue. Wie es scheint, könnten die beiden das Erbe des bisherigen Super-Duos Lionel Messi und Cristiano Ronaldo antreten.

In dieser Woche war es mal wieder so weit: In der Champions League waren Lionel Messi und Cristiano Ronaldo im Einsatz. Auch wenn sie nicht direkt gegeneinander spielten, der Charakter eines Fernduells ist bei den beiden Spielern eigentlich immer gegeben.

Am Dienstagabend und dann auch noch am Mittwochabend geschah allerdings jeweils etwas Ungewöhnliches. Beide Superstars des Fußballs mussten mit ihren Klubs bittere Niederlagen einstecken. Messi erzielte beim 1:4 seines FC Barcelona gegen Paris Saint-Germain immerhin einen Treffer vom Elfmeterpunkt, Ronaldo ging beim 1:2 mit Juventus Turin beim FC Porto leer aus. Es ist mehr als ungewiss, ob auch nur einer der beiden es ins Viertelfinale der Königsklasse schaffen wird.

Stattdessen gehörten die Champions-League-Abende zwei anderen Spielern: Kylian Mbappé und Erling Haaland. Letzterer schnürte beim 3:2-Sieg von Borussia Dortmund beim FC Sevilla einen Doppelpack, Mbappé traf für PSG im Camp Nou dreifach - in dem Stadion, in dem doch eigentlich Messi seine Gegner in den Schatten stellt und sich auf die Titelseiten von Europas Medienlandschaft zaubert.

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Die ungewöhnlichen Ereignisse werfen die Frage auf, ob die Fußball-Welt die Dämmerung der alten Götter gesehen - und vielleicht gleichzeitig einen Hinweis auf die Antwort einer der brennendsten Fragen erhalten hat.

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"Das ist die Wachablösung"

Englands früherer Nationalspieler Rio Ferdinand brachte in seiner Rolle als TV-Experte das auf den Punkt, was sich wohl viele dachten: "Das ist die Wachablösung", sagte der 42-Jährige: "Das könnte eine Rivalität werden, die über zehn Jahre andauert."

Heißt es in Zukunft also Mbappé gegen Haaland statt Messi gegen Ronaldo?

Bei einem Blick auf die Zahlen ist dieser Gedanke nicht ganz abwegig. Seit Januar 2020 hat der 20 Jahre alte Haaland 41 Tore in 42 Pflichtspielen erzielt. Der 22 Jahre alte Mbappé kommt auf 30 Treffer in 44 Einsätzen. Der frühere Weltklasse-Stürmer Gary Lineker ließ sich in aller Euphorie zu einer mutigen Aussage hinreißen: "Das sind Messi und Ronaldo auf dem Zenit."

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Fakt ist, dass die beiden Youngsters derzeit bessere Zahlen auflegen, als dies bei Messi und Ronaldo der Fall ist. Damit ein Duell Mbappé gegen Haaland ein annäherndes Level erreicht - dafür muss allerdings noch eine ganze Menge passieren.

Die größte Rivalität im Fußball geht dem Ende entgegen

Zunächst einmal müssen der Franzose und der Norweger beweisen, dass sie über Jahre - oder sogar ein Jahrzehnt - hinweg den Fußball in ihren Bann ziehen können. Messi erzielte in 760 Pflichtspielen für Barca 654 Tore. Er gewann vier Mal die Champions League. Ronaldo holte den Henkelpott sogar fünf Mal und kommt auf 877 Pflichtspiele und 661 Tore für Sporting Lissabon, Manchester United, Real Madrid und Juventus Turin.

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Das Duell Messi gegen Ronaldo ist dabei aber weit mehr als fast außerirdisch wirkende Zahlen. Für den Fußball sind die beiden in etwa das, was die Einführung des Farbfernsehens für die TV-Landschaft war. Das, was die Mondlandung für die Raumfahrt bedeutete. Ihr Einfluss auf den Sport ist vielleicht sogar größer einzuschätzen, wie der von Michael Jordan im Basketball. Der Grund? Die Dualität.

Der Mythos Messi lebt nicht ohne den Mythos Ronaldo - und umgekehrt. Erzielte Messi am Samstag einen Hattrick, dann konnte man sich fast sicher sein, dass Ronaldo am Sonntag kontern würde. Die Besonderheit ist, dass gleich zwei Fußballer - von denen man sich nicht vorstellen kann, dass ein solcher überhaupt je wieder nachkommen wird - gleichzeitig seit so vielen Jahren gegen den Ball treten. Und vor allem auch im direkten Duell.

Bei 36 Partien trafen der Argentinier und der Portugiese aufeinander und 36 Mal fesselten sie Menschen in aller Welt vor die Fernseher. Auch der Aufstieg der sozialen Medien leistete seinen Teil bei der Popularität der beiden Spieler - und des Duells an sich.

FC Barcelona gegen Manchester United, Barca gegen Real Madrid, Barca gegen Juventus Turin. Argentinien gegen Portugal - die Rivalität hat viele Kapitel geschrieben. Dabei haben sich beide gegenseitig angstachelt und zu Höchstleistungen angetrieben. Und trotz der Rivalität schwang auch der gegenseitige Respekt immer mit.

Doch nun fragt sich, ob das letzte Kapitel bereits im vergangenen Dezember geschrieben wurde, als Ronaldo einen Doppelpack beim 3:0-Sieg mit Juve im Camp Nou schnürte. Hat der Portugiese das letzte der legendären Duelle für sich entschieden?

Sind Mbappé und Haaland die Antwort?

Bis heute traut sich eigentlich keiner zu fragen, was denn nach Messi und Ronaldo kommen soll - zumindest nicht laut. Messi ist nun 33 Jahre alt, Ronaldo 36. Beide scheinen über ihren Zenit hinaus zu sein. Es erscheint legitim, die Frage nun auszusprechen.

Mbappé und Haaland könnten zumindest ein Teil der Antwort sein, das ist spätestens nach dieser Champions-League-Woche klar. Ronaldo ist mit 134 Toren übrigens der Rekordtorschütze des Wettbewerbs – Messi folgt mit 119 Treffern auf Rang zwei. Sie spielen auch in der Königsklasse in einer anderen Liga, die drittplatzierten Rául und Robert Lewandowski kommen auf 71 Tore.

Seit Mittwochabend wird allerdings auch Haaland als Mr. Champions League bezeichnet. In seinem 13. Spiel des Wettbewerbs erzielte er seine Treffer 17 und 18. So viele Treffer gelangen auch Messi (3) und Ronaldo (0) nicht im Ansatz in den ersten 13 Champions-League-Spielen. Und auch nicht Mbappé (8) der in seinem jungen Alter bereits Weltmeister und auch schon ein fertiger Superstar ist.

Alle Fußball-Fans dürfen sich also freuen, denn sie dürfen darauf hoffen, dass auch nach dem Mythos Messi gegen Ronaldo etwas nachkommt. Der Ball wird auch ohne die beiden Superstars weiter rollen. Und bis dahin sollte jeder Fußballfan die Zeit genießen, in der die beiden Spieler auf dem Rasen stehen, deren Dualität den Fußball wie nie zuvor geprägt hat.

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