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Fußball-Historikerin Petra Tabarelli ist eine echte Vorreiterin
Fußball-Historikerin Petra Tabarelli ist eine echte Vorreiterin © SPORT1-Grafik: Marc Tirl/SPORT1/Privat
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Petra Tabarelli ist Fußball-Historikerin und wühlt sich durch Zahlen und Daten der Geschichte. Selbst die großen Regelhüter sind ihr nicht fremd.

Petra Tabarelli ist eine Vorreiterin, doch es würde der passionierten Historikerin und Fußball-Liebhaberin nicht einfallen, das selbst festzustellen.

Zumindest nicht in der Vergangenheit. Als Zuschreibung von außen lässt sich ein solches Wort eher annehmen. "Danke fürs aufmerksam machen, dass ich auch Vorreiterin bin. Das war mir bislang noch gar nicht bewusst."

"Flutlicht an. Im Gespräch mit der Wortpiratin", der Podcast von Autorin Mara Pfeiffer auf SPORT1

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So ist das manchmal, wenn frau in einer Männerdomäne unterwegs ist - und Tabarelli ist das gleich in mehrfacher Hinsicht: als Historikerin im Fußball mit Schwerpunkt auf den Regeln des Sports und ihrer Entwicklung. "Ich muss als Frau erstmal zeigen, ich habe die und die Ahnung", blickt die Rheinhessin auf das Wirken in ihrer Nische.

Die hat sie sich ganz bewusst gesucht: Angestoßen unter anderem von ihrer Begeisterung für den Schiedsrichter-Podcast "Collinas Erben" (Schiedsrichter Alex Feuerherdt zu Gast im Podcast Flutlicht an) sollte das Thema, dem sie sich innerhalb des Fußballs widmet, ein möglichst unbearbeitetes sein, in dem sie direkt "losforschen" konnte.

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Tabarelli packt die Fußballregeln an

Als sie bei der Beschäftigung mit der Geschichte der Fußballregeln feststellt, wie fehlerhaft deren Aufzeichnung oftmals ist und dass beispielsweise falsche Zahlen immer weiter kopiert werden, hat die Leiterin des Stadtarchivs Bingen ihr Forschungsthema gefunden. "Ich bezeichne mich gern als Detektivin, die an die Quellen ran möchte."

In unendlicher Geduldsarbeit bringt Tabarelli Zahlen und Daten zur Entwicklung der Regeln für sich auf einen Stand. Dabei scheut sie auch nicht davor zurück, dem International Football Association Board (IFAB) zu schreiben, um die Regelhüter darauf hinzuweisen, dass sie selbst eine falsche Info veröffentlicht haben. Als CEO Lukas Brud sich daraufhin bei ihr meldet, hat sie erstmal Herzklopfen und die Befürchtung, er könne von der Mail verärgert sein.

Das Gegenteil ist der Fall. Beim IFAB ist man positiv angetan von Tabarellis Arbeit und 2019 folgt sie einer Einladung nach Zürich, wo sie im FIFA-Archiv Originalquellen einsehen kann. Seither ist sie in offizieller Mission fürs IFAB unterwegs und schreibt auf ihrer Homepage: "Ich bin die einzige Person auf der Welt, die diese Entwicklung so gut erforscht hat."

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"Ich brauchte diesen Anschub, um zu erkennen: Ja, ich bin es wirklich." Selbstbewusst mit dem eigenen Können und Wissen umzugehen, das war für Tabarelli ein Lernprozess. Darüber ganz offen zu sprechen, setzt ihn fort, weil er so sichtbar wird für andere Frauen im Fußball. Mit denen ist die Regelkundlerin auf vielen Wegen verbunden, unter anderem im Netzwerk "F_in - Frauen im Fußball" und als Crewmitglied des Podcasts "FRÜF - Frauen reden über Fußball".

"Es ist einfach wichtig, zu wissen, dass du keine Einzelkämpferin bist", blickt Tabarelli auf die Bedeutung dieser Banden unter Gleichgesinnten. Denn damit die Welt, in der wir leben, zu einer Welt wird, wie wir sie uns vorstellen, muss für Frauen im Fußball noch viel passieren.

Frauen an der Pfeife fördern

Das gilt auch für einen weiteren Bereich, in dem die Anhängerin des 1. FSV Mainz 05 sich verdient macht: die Schiedsrichterei. In ihrem Blog Nachspielzeiten pflegt Tabarelli eine stetig wachsende Liste der Schiedsrichterinnen, die in professionellen Männerligen pfeifen und auf Twitter teilt sie mit dem Hashtag #SheCanRef ihr Wissen zu den Frauen an der Pfeife.

Mit ihrer Arbeit auch ganz gezielt an die Öffentlichkeit zu gehen, war für die 37-Jährige von Anfang an wichtig. "Ich habe mich nie als Forscherin im Elfenbeinturm gesehen", erklärt sie ihr Selbstverständnis.

So, wie sie die Forschung und Daten anderer Forscher*innen nutzt, möchte sie umgekehrt auch ihr Wissen weitergeben. Schließlich sollen die Themen, denen sie ihr Herz und ihre Zeit schenkt, möglichst viele Menschen erreichen.

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