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Mario Basler hat noch nie ein Blatt vor den Mund genommen. Als Aktiver war er auch für Eskapaden berüchtigt. Den heutigen Profi-Fußball sieht er kritisch.

Mario Basler stand zu seiner aktiven Zeit für begnadeten Fußball, jede Menge Tore, aber auch die eine oder andere Eskapade. Ein Blatt vor den Mund genommen hat der heutige SPORT1-Experte auch noch nie. 

Aus seinem Lebenswandel hat der 30-malige Nationalspieler nie einen Hehl gemacht. So ist es auch heute noch. In der neuen Folge des SPORT1-Podcasts Lieber Fußball sprach er mit Tobias Holtkamp über seine Zeit beim FC Bayern. 

"Vor dem ersten Spiel gegen St. Pauli in Hamburg war ich abends unterwegs. Giovanni Trapattoni hat mich im ganzen Hotel gesucht und nicht gefunden", verriet Basler. Definitiv nicht die einzige Situation, in der es Trainer mit dem früheren offensiven Mittelfeldspieler nicht einfach hatten. 

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Basler: Kahn rauchte mehr als ich

Nachdem ihn Trapattoni dann doch gefunden hatte, sagte Basler dem Trainer, er sei Kaffee trinken gewesen. Und am nächsten Tag? Da brachte Basler seine Leistung - wie so oft nach langen Nächten: "Ich habe gespielt, ein Tor selbst geschossen, eines vorbereitet, wir haben 2:1 gewonnen. Ich war bester Mann. Beim Freistoß von mir hat sich St. Paulis Torwart den Finger gebrochen."

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Heute ebenfalls unvorstellbar: Basler war während seiner kompletten Karriere Raucher. "Jeder wusste, dass ich rauche. Einmal habe ich die brennende Zigarette mit dem Aschenbecher in die Schublade gestellt, als der Trapattoni klopfte", erinnerte sich Basler, um dann auch eine interessante Story zu Oliver Kahn zu erzählen.

Basler stichelt: Kahn "hat ja ein bisschen zugenommen"

"Ich habe weitergeraucht, auch vor Uli Hoeneß. Andere haben die Zigarette immer versteckt. Im Warmwasserbecken nach dem Spiel gabs nichts Schöneres als ein Bier oder eine kalte Cola und eine Zigarette. Sogar Oliver Kahn hat geraucht -  und zwar mehr als ich - was schwer war", berichtet Basler.

Seine Vermutung: "Wahrscheinlich raucht er immer noch, ist aber auch nicht schlimm. Vielleicht hat er auch aufgehört, er hat ja ein bisschen zugenommen. Das kommt ja davon, wenn man aufhört." 

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"Ich muss ein biologisches Wunder sein"

Hoeneß konnte Basler allerdings nichts vormachen. "Er wusste immer, was ich gemacht habe. Ich musste regelmäßig montags bei ihm im Büro antreten, weil ich trotz der Spiele immer unterwegs war an den Abenden", sagte Basler. Das habe aber nichts an seinem guten Draht zu dem heutigen Ehrenpräsidenten der Bayern geändert: 

"Trotzdem hatten und haben wir ein Superverhältnis, ich lasse nichts auf ihn kommen. Meine Suspendierung war völlig falsch, hat Karl-Heinz Rummenigge zwei Jahre später auch eingesehen. Hoeneß wusste, was er an mir hatte."

Seinen Lebenswandel hat der heute 52-Jährige nicht wirklich geändert: "Ich lebe heute nicht anders als damals als Profi. Ich rauche meine Zigarette, ich gehe meinen Wodka-Lemon trinken, bin viel unterwegs und schlafe sehr wenig. Aber ich bin kerngesund. Jeder Arzt sagt mir, ich muss ein biologisches Wunder sein."

Basler: "Spieler heute überzüchtet"

Basler ist sich aber auch bewusst, dass gerade seine Ernährung heute im Profi-Fußball nicht mehr möglich wäre - was er bemängelt: "Natürlich ist gesunde Ernährung fürs Leben ganz gut. Aber für mich sind die Spieler heute überzüchtet und werden in ein Korsett gezwungen. Wenn du nicht ins System passt, hast du keine Chance. Das finde ich traurig."

Basler glaubt, dass der Profi-Fußball generell in die falsche Richtung geht:

"Auf die Nachwuchsleistungszentren gebe ich nicht viel, in meinen Augen sollte man sie abschaffen. Jeder Spieler darin wird von irgendwo eingekauft, oft mit der ganzen Familie, von Berlin nach München zum Beispiel. Dann sind die nicht gut genug nach vier Jahren, es reicht nicht, weil die körperliche Entwicklung vielleicht stehen geblieben ist. Dann wirst du fallen gelassen." 

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