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Manfred Schwabl (r.) leitet seit 2012 die Geschicke der SpVgg Unterhaching
Manfred Schwabl (r.) leitet seit 2012 die Geschicke der SpVgg Unterhaching © SPORT1-Grafik: Marc Tirl/Imago
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Unterhaching - Derby-Zeit in München: Die SpVgg Unterhaching bittet 1860 München zum Duell. Hachings Präsident Manfred Schwabl spricht bei SPORT1 über die Brisanz und Vereinsziele.

Die SpVgg Unterhaching hat in der Dritten Liga einen sensationellen Saisonstart hingelegt. Nach acht Spieltagen haben sich die Münchner Vorstädter in der Spitzengruppe festgesetzt - und das bei einem Jahresetat im Profibereich von gerade einmal 2,2 Millionen Euro.

Am ersten Wiesn-Mittwoch kommt es zum Nachbarschaftsduell mit Aufsteiger 1860 München. (3. Liga: SpVgg Unterhaching - 1860 München, Mittwoch um 19 Uhr im LIVETICKER)

Hachings Präsident Manfred Schwabl, der als Spieler unter anderem für die Löwen, den FC Bayern und die Nationalmannschaft aktiv war, erklärt im Interview mit SPORT1 die Brisanz der Partie, spricht über die bedenkliche finanzielle Entwicklung im deutschen Fußball und den Aufstiegsplan der Spielvereinigung.

SPORT1: Herr Schwabl, Sie selbst sind Ur-Bayer und in Tracht groß geworden. Auch dieses Jahr wird Ihre Mannschaft wieder gemeinsam auf der Wiesn sein. Wie viele Maß dürfen die Spieler denn trinken?

Manfred Schwabl: Wir sehen das locker. Ich kann nicht auf die Wiesn gehen und zu den Spielern sagen, ihr dürft nicht trinken. Wenn das so wäre, dann könnten wir auch zuhause bleiben.

SPORT1: Nun kommt es passend zur Wiesnzeit zum Duell mit dem Lokalrivalen 1860 München. Die Löwen holen im Derby keine Punkte, weil...

Schwabl: ...die Statistik besagt, dass die Löwen in den Pflichtspielen der letzten Jahre gegen Unterhaching nie was geholt haben. An dem Ziel sollten wir uns orientieren, dass es auch so bleibt. (lacht) Im Ernst, wir müssen und werden den Ball flach halten. Sechzig hat eine sehr gute Mannschaft und ist für mich einer der Geheimfavoriten für den Aufstieg.

Manfred Schwabl spielte von 1994 bis 1997 für den TSV 1860 München
Manfred Schwabl spielte von 1994 bis 1997 für den TSV 1860 München © Getty Images

SPORT1: Wie brisant wird das Spiel?

Schwabl: Wir haben ja schon einen kleinen Vorgeschmack bekommen, weil die Löwen-Fans vor ein paar Tagen bei uns im Stadion waren und ihre Kurve beschmiert haben. Das Stadion wird nach zehn, 15 Jahren mal wieder ausverkauft sein. Ich denke, es wird eine Herausforderung für alle Beteiligten. Angefangen bei den Kiosks, bei der Anfahrt, für das Parken, für die Sicherheitskräfte. Aber ich lasse da alles auf uns zu kommen. Wir werden gut vorbereitet sein."

Schwabl: Müssen erwachsener werden

SPORT1: Sportlich sind Sie augenscheinlich auch richtig gut auf die Saison vorbereitet.

Schwabl: Ab dem 10. Spieltag gibt es die erste Tendenz. Natürlich weiß ich, wer wo steht, aber das ist jetzt nicht die wichtigste Botschaft für mich. Das Wichtigste ist, dass wir mannschaftlich weiterkommen, erwachsener werden und die Eingespieltheit für uns nutzen können. Wir haben uns im Sommer punktuell verstärkt, um vor allem die Schwächen in der Defensive zu beseitigen. Bis jetzt läuft es gut. Darauf wollen wir aufbauen.

SPORT1: Kann Unterhaching das Leicester City der 3. Liga werden?

Schwabl: Heute haben wir den Angriff nach oben noch nicht geplant. Wir müssen erst strukturell ein paar Dinge regeln, um irgendwann dann wirklich im richtig bezahlten Fußball zu sein. Der fängt erst in der Zweiten Liga an. Wir haben keinen Zeitdruck. (Tabelle der 3. Liga)

Spieler der Mittelklasse sind überbezahlt

SPORT1: Ihre Mannschaft ist ein Paradebeispiel dafür, dass es für Erfolg nicht immer das ganz große Geld braucht. Wie bewerten Sie die aktuelle Entwicklung im Fußballgeschäft, die sich natürlich auch auf die 3. Liga auswirkt?

Schwabl: Ich habe das Gefühl, dass alles ein bisschen die Bodenhaftung verliert. Aus meiner Sicht ist das zu extrem, was da mit den Summen passiert. Bei Top-Stürmern bin ich der Meinung, kann und darf schon Geld in die Hand genommen werden. Ich finde aber, dass die Mittelklasse überbezahlt ist. Das System des deutschen Fußballs ist gut beraten, Geld in den Jugendfußball zu investieren und den Nachwuchs zu fördern.

SPORT1: Tat Ihnen der Absturz der Löwen aus der Zweiten Liga weh?

Schwabl: Ich habe das Geschehen damals mitverfolgt. An dem Tag, an dem wir unsere Lizenz bekommen haben, wurden die Löwen nicht für die Dritte Liga zugelassen. Das war eine traurige Nachricht und wirklich dramatisch. Wenn ich daran denke, wie viele Fans zu den Spielen in der Regionalliga gekommen sind - das war Wahnsinn. Für mich gehört der Verein in die Bundesliga.

SPORT1-Redakteur Henrik Hinrichsen (l.) traf Manni Schwabl zum Interview
SPORT1-Redakteur Henrik Hinrichsen (l.) traf Manni Schwabl zum Interview © SPORT1

Ein Scheich in Haching?

SPORT1: Die Lizenz für die 3. Liga zu bekommen, scheint sich gar nicht so einfach zu gestalten?! (Spielplan und Ergebnisse der Dritten Liga)

Schwabl: Das Lizenzierungsverfahren ist in der 3. Liga ein ständiger Prozess. Nach der Lizenzierung ist vor der Lizenzierung. Die Anforderungen sind nahezu die gleichen wie in der Zweiten Liga. Die finanziellen Zuwendungen betragen aber gerade mal ein Zehntel der Zweiten Liga. Deswegen müssen immer Ideen entwickelt werden, wie man über die Runden kommt. Es ist schade, dass die wirtschaftliche Schere zwischen der Zweiten und 3. Liga immer weiter auseinander geht. Das System ist nicht mehr zeitgemäß.

SPORT1: Hypothetisch gesehen: Wenn hier jetzt ein Scheich vor der Tür stünde und anklopfen würde, wären Sie gesprächsbereit?

Schwabl: Das würde nicht passen, da wir einen kontinuierlichen und nachhaltigen Weg gehen wollen. Die Scheichs wollen ja immer den ganz schnellen Erfolg und sofort nach ganz oben. Von daher ist das kein Thema.

SPORT1: Wohin soll der Hachinger Weg in den nächsten Jahren führen?

Schwabl: Ich lasse nicht locker, bis wir etablierter Zweitligist sind. Der Plan ist, dass wir in den nächsten drei Jahren aufsteigen und die finanzielle Seite in Ordnung ist. Wir wollen aus dem operativen Geschäft viel in die Jugend investieren und weiter an der Infrastruktur arbeiten. Das Umfeld und der Standard geben auf jeden Fall einen soliden Zweitligisten her. Wichtig dabei ist, dass wir immer bodenständig bleiben.

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