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München - Der 1. FC Kaiserslautern startet in seine zweite Saison in der 3. Liga. Nach unruhigen Wochen geht der Blick nun positiv nach vorn.

Für alle Fans des 1. FC Kaiserslautern war es in dieser Sommerpause ein völlig neues Gefühl. Zum ersten Mal seit vielen Jahren gab es bei den Pfälzern keinen großen personellen Umbruch.

"Es war uns wichtig, dass wir alle Leistungsträger behalten und dass wir die Neuzugänge bekommen haben, die wir auch unbedingt wollten", sagt Geschäftsführer Sport Martin Bader im Gespräch mit SPORT1.

"Wir wollten Spieler verpflichten, die in ihren ehemaligen Klubs auch Stammspieler waren und die 3. Liga gut kennen. Das war auch unserem Trainer sehr wichtig."

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Dass es nicht zum großen Ausverkauf kam, lag an Flavio Becca, dem Anker-Investor aus Luxemburg, der dem Verein die Lizenz sicherte und die Schatulle für neue Spieler öffnete.

Auftakt gegen Haching

Mit einem verbesserten Kader starten die Roten Teufel nun, nach verpasstem Aufstieg in der vergangenen Saison, in ihr zweites Jahr in der 3. Liga. Am Samstag empfängt der FCK im ersten Heimspiel die Spielvereinigung Unterhaching. (3. Liga: 1. FC Kaiserslautern - SpVgg Unterhaching, Sa. ab 14.00 Uhr im LIVETICKER)

Mit Simon Skarlatidis, Janik Bachmann (beide Würzburger Kickers), Jose-Junior Matuwila (Energie Cottbus), Andri Runar Bjarnason (Helsingborgs IF), Avdo Spahic (Energie Cottbus), Philip Hercher (Sonnenhof Großaspach) und Manfred Starke (Carl Zeiss Jena) wurden sieben neue Spieler verpflichtet. Eine Schlüsselrolle kommt dabei Bachmann als Sechser im Mittelfeld zu.

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Der 23-Jährige soll Jan Löhmannsröben ersetzen, dessen Vertrag aus sportlichen Gründen nicht verlängert wurde. Der für seine Cornflakes-Wutrede bekannt gewordene Profi war Publikumsliebling auf dem Betzenberg, seine schwankenden Leistungen aber waren der Grund für die Trennung.

"Wir glauben, dass wir mit den Neuzugängen noch einmal an Qualität dazubekommen haben. Wir haben jetzt einen deutlich höheren Konkurrenzkampf auf jeder Position. Der Kader ist in sich stimmig", sagt Bader. Einziger Wermutstropfen: Skarlatidis ist die ganze Vorbereitungszeit verletzungsbedingt ausgefallen.

Kaderplanung durch Teamwork

Die Kaderplanung war ein Gemeinschaftsprojekt. Bader spricht von "Teamwork". Es sei ein Zusammenspiel zwischen der gesamten Scouting-Abteilung und dem Nachwuchsleistungszentrum gewesen, da auch "wichtige Spieler aus dem eigenen Nachwuchs" dazukamen.

Bewerten will der 51-Jährige seine Arbeit (noch) nicht. "Die Benotung findet immer erst während der Saison oder am Saisonende statt. Wir können nur die Voraussetzungen schaffen, dass wir erfolgreich arbeiten können. In der Vorbereitung wurde hervorragend gearbeitet."

Lob für Hildmann

Auch Sascha Hildmann war in jeden Transfer eng eingebunden. Bader stellt dem 45-Jährigen ein erstklassiges Zeugnis aus - nach gut einem halben Jahr Amtszeit.

"Wir haben mit Sascha Hildmann einen hervorragenden Trainer, der perfekt zu uns passt. Er kennt die 3. Liga, hat erfolgreich da gearbeitet, ist ein Teamplayer und ist durch und durch FCK", schwärmt Bader. Hildmann kenne die Rahmenbedingungen, wisse, was es bedeutet, für den FCK arbeiten zu dürfen. Er sei "ein wichtiger Protagonist, was die Kaderzusammenstellung angeht".

Dass dies so gut funktionierte, war zuletzt noch unvorstellbar. Querelen und Unstimmigkeiten in der Vereinsführung rund um den Einstieg von Becca bestimmten die vergangenen Monate.

"Keine einfache Zeit"

"Wir hatten keine einfache Zeit und konnten durch die wirtschaftlichen Zwänge erst sehr spät loslegen. Bis dahin mussten wir den einen oder anderen Spieler überzeugen zu warten", erklärt Bader.

Nachhaltigkeit ist das große Ziel. "Wir haben die Möglichkeit, durch das Engagement regionaler Investoren, durch langfristige Verträge mit Sponsoren und den Einstieg von Flavio Becca den FCK auch längerfristig gut aufzustellen."

Das, was für die meisten Vereine in der 3. Liga ein Problem sei, "nämlich die Wirtschaftlichkeit", habe man beim FCK über lange Verträge und die Zusammenarbeit mit Becca gesichert.

Vom Aufstieg will Bader dennoch nicht reden. Fußball sei schließlich nicht planbar. "Der einzige Verein, der das kann, ist der FC Bayern. Alle anderen Klubs tun gut daran, sich mit Worten zurück zu halten."

Bader will kein Favorit sein

Auch mit dem Wort Favorit hat Bader ein Problem. "Warum sollte ein Verein über sich als Favorit sprechen, der in der alten Saison Neunter geworden ist? Nur, weil wir einen großen Namen haben, heißt das noch lange nichts. Das wäre respektlos den anderen Klubs gegenüber. Die Chance ist, dass wir die Möglichkeit haben, es längerfristig anzugehen."

Das hat auch einige Profis, die längst Begehrlichkeiten bei höherklassigen Klubs geweckt haben, überzeugt. Torwart Lennart Grill - erst seit Beginn des Jahres Stammtorwart beim FCK - ließ seine Ausstiegsklausel verstreichen und sagte dem FC Augsburg ab.

"Das ist bemerkenswert. Wir haben in den vergangenen Monaten sehr viel mit ihm gesprochen. Wir denken, dass es für seine Entwicklung genau die richtige Entscheidung ist", sagt Bader. "Natürlich verstehe ich, dass Lennart auch mal darüber nachdenkt, wenn ein Erstligist anklopft. Deshalb waren wir auch froh, als er gesagt hat, dass er bei uns noch nicht am Ende ist. Es ist ein richtig schönes Signal, auch an die anderen Spieler."

Wie Bader verrät, gab es auch für die Top-Talente Christian Kühlwetter, Dominik Schad und Carlo Sickinger Anfragen von höherklassigen Vereinen. "Wir haben aber schnell gesagt, dass wir sie nicht verkaufen müssen. Wir konnten den Spielern auch erklären, dass der FCK für sie jetzt genau der richtige Verein ist." Dank Becca kann man in der Pfalz wieder Nein sagen.

Bader ist hochzufrieden mit der Entwicklung bei den Spielern, die das Tafelsilber des Vereins sind. "Wenn sie ihre Leistungen bestätigen, sind sie alle noch so jung, dass ihnen viele Möglichkeiten offen stehen. Die Spieler haben gar keine weiteren tieferen Gespräche mehr geführt, weil sie aus tiefer Überzeugung bei uns geblieben sind."

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