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Kaiserslautern und München - Der 1. FC Kaiserslautern stellt einen Insolvenzantrag. Aufsichtsratssprecher Markus Merk erklärt bei SPORT1 den Schritt und welche Chancen darin liegen.

An diesem so schicksalhaften Tag für den 1. FC Kaiserslautern hingen dunkle Wolken über dem Fritz-Walter-Stadion.

Doch obwohl der Traditionsklub am Montag 120 Jahre nach seiner Gründung Insolvenz angemeldet hat, wollte Markus Merk von Untergangsstimmung nichts wissen.

"Viele werden es im Moment mit dieser Begrifflichkeit als Tiefpunkt sehen, aber ich glaube Fritz (Walter, Anm.d.Red.) würde es genauso sehen wie wir es sehen: Es ist eine Geburtsstunde und die große Chance zu einem Neuanfang", sagte der FCK-Aufsichtsratssprecher Merk zu SPORT1.

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Der tief gefallene viermalige deutsche Meister schiebt mittlerweile einen Schuldenberg von 20 Millionen Euro vor sich her, für die kommende Saison fehlen 15 Millionen Euro. Mit dem Schritt in eine so genannte Planinsolvenz wollen sich die Pfälzer nun selbst sanieren.

Merk: FCK-Planinsolvenz alternativlos

Merk, der seit Anfang Dezember 2019 im Aufsichtsrat sitzt, bezeichnete diesen Weg als alternativlos.

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"In diesem guten halben Jahr, in dem wir daran arbeiten, den Verein zu stabilisieren, haben wir alles versucht und die Chance mittel- und langfristig gesehen", erklärte der frühere FIFA-Schiedsrichter: "Das sind wir dem Verein schuldig. Das sind wir unseren Fans und unseren Mitgliedern schuldig. Das ist nur mit diesem Weg möglich. Wir sind in den Gremien mit unserer Geschäftsführung positiver denn je."

Doch um den Verein zu retten, bedarf es neuer Geldgeber. "Wir brauchen natürlich verlässliche Partner, verlässliche Partnerschaften", sagte Merk - und bat bei den nun anstehenden Gesprächen um Geduld: "Da wird keine Lösung innerhalb von Tagen zustandekommen."

Die Coronakrise macht die Lage nicht einfacher. Zuletzt herrschte Stillstand, da viele Unternehmen aufgrund der wirtschaftlichen Folgen zunächst mit sich selbst zu tun hatten.

Keine sportlichen Konsequenzen für Kaiserslautern

Zugleich hat die Pandemie den FCK-Verantwortlichen aber auch den Gang vor das Amtsgericht erleichtert, da der Deutsche Fußball-Bund (DFB) den obligatorischen Abzug von neun Punkten aufgrund der Pandemie ausgesetzt hat. Rein sportlich hat der Drittligist also aktuell keine Konsequenzen zu befürchten.

Zudem wurde das Insolvenzrecht vom Gesetzgeber vorübergehend gelockert. Die Bedingungen für eine Sanierung durch eine Pleite waren nie besser.

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Aber heißt das mit anderen Worten, wenn das Verfahren abgeschlossen ist, dass der FCK schuldenfrei und alles wieder gut ist?

Merk: Anschließend kein Schlaraffenland

"Das ist eine Ausgangsituation, die die Verhandlungen endgültig ergeben werden. Das ist natürlich ein langer Prozess", räumte Merk ein. "Aber eines ist auch Fakt: Es ist nicht so, dass hier anschließend das Schlaraffenland vorherrscht."

Im nächsten Schritt muss der Klub einen Insolvenzplan entwickeln, der vor Gericht abgesegnet werden muss und dem mindestens die Hälfte der Gläubiger zustimmen müssen. Bei einer Planinsolvenz werden sie wahrscheinlich auf etwa 90 Prozent ihrer Forderungen sitzenbleiben. Beim FCK wären davon in erster Linie das Finanzunternehmen Quattrex, der Vermarkter Lagardère und der Luxemburger Geschäftsmann Flavio Becca betroffen.

Die Gläubiger haben nun drei Monate Zeit, um sich mit den Pfälzern doch noch auf einen Schuldenschnitt zu einigen. Erst dann entscheidet das Gericht darüber, ob aus dem Antrag auf ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung ein tatsächliches Verfahren wird.

"Natürlich ist das für den Fan besonders bitter"

Auch Anhänger, die in den vergangenen Jahren mit Fan-Anleihen den Klub unterstützten, zählen zu den Gläubigern. Dieses Geld ist wohl weg. "Wir wollen uns fair diesen gegenüber verhalten, die auch über die Jahre da waren, wenn es dem Verein schlecht ging und ihn somit subventioniert haben. Natürlich ist das für den Fan besonders bitter", sagte Merk, der ein solches Modell mit Fan-Anleihen in der aktuellen Situation ausschloss.

"Du brauchst Menschen, die in diesen Verein investieren und unter uns wird es da nur eine seriöse Geschäftsführung und eine seriöse Beiratstätigkeit geben", betonte Merk und hob nochmals den Fairplay-Gedanken hervor: "Wir wollen diesen Verein so führen und ihn mit seinem ganzen Image und seinen Werten, die er in der Vergangenheit kreiert hat und für die wir alle stehen, in die Zukunft führen."

Wie diese konkret aussieht, bleibt aber ungewiss.

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