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Augsburg - Im SPORT1-Interview spricht Armin Veh über seine Rückkehr nach Frankfurt und seine Ziele mit der Eintracht. Und er verrät, wieso er trotz Angeboten nicht ins Ausland gegangen ist.

Armin Veh ist gut erholt und bester Laune.

Mit offenen Armen empfängt der neue alte Coach von Eintracht Frankfurt SPORT1 zum Exklusiv-Interview in seinem Haus in der Nähe von Augsburg.

Erst vor einem Jahr hatte Veh den Hessen nach drei Jahren den Rücken gekehrt - mangels Perspektive.

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Die zweite Amtszeit soll für ihn nun ein kompletter Neustart sein.

© SPORT1

SPORT1: Herr Veh, Sie sind zurück bei Ihrer alten Liebe Eintracht Frankfurt. Wie fühlt sich das an?

Armin Veh: Sehr gut. Bei meiner Vorstellung sagte ein Journalist zu Heribert Bruchhagen, dass alte Liebe nicht rostet. Er meinte daraufhin ironisch‚ wenn keine Liebe da ist, könne auch nichts rosten (lacht laut). Nein, im Ernst: Ich war drei Jahre in Frankfurt und das war eine sehr schöne und anspruchsvolle Zeit, aber auch eine Zeit, die sehr viel Energie gekostet hat. Deswegen haben wir uns 2014 getrennt. Jetzt aber freue ich mich auf die neue Aufgabe. Ich bin nach sechs Monaten Pause frisch genug, der Akku ist neu aufgeladen. Routine habe ich sowieso genug, denn ich bin ja schon einige Jahre Trainer.

SPORT1: Wie machen Sie das?

Veh: Es ist anders, als ob ich dageblieben wäre. Es wäre das vierte Jahr gewesen und normalerweise ist die Haltbarkeit eines Trainers bei einem Klub nicht so lange. Die Spieler wollen nicht immer das gleiche hören, aber du kannst dich auch nicht völlig verändern. Jetzt aber war ein Jahr dazwischen und es sind andere Spieler da. Wir werden jetzt neue Jungs dazu holen und daher ist es für mich ein Neuanfang.

SPORT1: Wann kam der Entschluss, dass Sie das bei der Eintracht erneut machen wollen?

Veh: Relativ spät, denn es war ja nicht absehbar, dass die Wege von Thomas Schaaf und der Eintracht auseinandergehen. Es hatte für mich natürlich den Vorteil, dass man nicht lang und breit über jedes Vertragsdetail sprechen musste, weil man sich ohnehin gut kennt.

SPORT1: Damals kam der Spruch nicht gut an, dass Sie nicht mehr so oft den gegnerischen Trainern zum Sieg gratulieren wollen.

Veh: Ich bin nicht dafür da, dass ich es jedem recht mache. Ich will authentisch sein. Ich habe den Verein wieder auf einen richtig guten Weg gebracht und dann relativ früh gesagt, dass ich gehen werde. Das war nur fair von mir. Ich habe der Eintracht nichts getan. Mein Abgang damals hat Sinn gemacht.

SPORT1: Sie haben auch von fehlender Perspektive gesprochen...

Veh: Damals, als wir über einen neuen Vertrag sprachen, hatten wir einen Etat von 30 Millionen Euro. Durch den Einzug in die Europa League war es schwer, mit diesem Etat neue Überraschungen zu schaffen. Jetzt haben wir eine andere Ausgangsposition, auch wenn es nur rund sieben Millionen mehr sind. Aber das ist dann schon eine etwas andere Situation als bei meinem Abschied.

SPORT1: Also haben Sie die Eintracht bei Ihrem Abgang nicht klein geredet?

Veh: Natürlich nicht. Ich muss doch auch die Lokomotive sein. Und wenn die Lokomotive schwächelt, dann hilft das dem Verein wenig. Ich war damals nur konsequent. Ich will etwas erreichen, bin aber Realist. Ich brauche immer Ziele und diese hatte ich vor einem Jahr nicht mehr gesehen. Nochmal: Jetzt ist es ein Neuanfang. Ich gehe an die Aufgabe ran, als wenn ich ganz neu hier wäre. Und das reizt mich.

SPORT1: Sie haben in Frankfurt so viel Macht wie noch nie. Brauchen Sie das?

Veh: Wer sagt das? Ich sehe es so: Fußball ist immer Teamwork. Es wird nicht funktionieren, wenn nur einer das Sagen hat. Wichtig ist, dass Vertrauen da ist und das ist bei uns gegeben. Es geht mir nicht um Macht, das Team ist mir wichtig.

SPORT1: Ist das Freundschaft zwischen Ihnen und Herrn Bruchhagen?

Veh: Er wird mit Sicherheit sagen "nein" (lacht). Heribert ist einfach ironisch, das bin ich auch. Aber ich empfinde da schon so etwas wie Freundschaft. Wir haben Gemeinsamkeiten und daher ist da von meiner Seite etwas entstanden. Wir werden auch intern mal streiten, wissen aber, dass wir uns vertrauen können. Das ist sehr schön.

SPORT1: Was ist mit der Eintracht möglich? Man sieht am FC Augsburg, dass Europa kein Traum bleiben muss.

Veh: Das war das positive Beispiel. Es gibt aber auch Klubs, die mit einem höheren Budget gegen den Abstieg gespielt haben. Man muss realistisch sein und sich in der Liga auskennen. Es wird wieder alles sehr eng beisammen sein. Wir haben keine andere Ausgangsposition als es im letzten Jahr der Fall war, nämlich nichts mit dem Abstieg zu tun zu haben. Ich bin nicht so dumm und sage, dass wir in die Europa League kommen. Es wird aber wichtig sein, träumen zu dürfen, weil es möglich ist, Höheres zu erreichen.

SPORT1: War eigentlich das Ausland für Sie mal ein Thema?

Veh: Ich habe nicht darauf gewartet, dass ich zur neuen Saison wieder einen Job habe. Ich wollte eigentlich eine längere Pause machen. Es gab schon Angebote aus dem Ausland, man muss aber genau abwägen. Ich komme in meiner Arbeit über die Sprache und dann ist es im Ausland nicht so einfach.

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