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Der VfB Stuttgart ist für Alexander Zorniger erste Trainerstation in der Bundesliga
Der VfB Stuttgart ist für Alexander Zorniger erste Trainerstation in der Bundesliga © Imago
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Stuttgart und München - Alexander Zorniger krempelt den VfB Stuttgart mit ähnlichen Ideen wie der frühere BVB-Coach um. Zumindest in der Vorbereitung klappt das erstaunlich gut.

Es ist nicht so, dass Alex Zorniger nun jeden Bodenhalt verloren hat wegen dieses einen Sieges.

4:2 hat sein VfB Stuttgart Englands schwerreichen Vizemeister Manchester City geschlagen. Aber er weiß, dass der Zauber dieses Erlebnisses (mehr dazu ab 18.30 Uhr in Bundesliga Aktuell im TV auf SPORT1) in wenigen Tagen schon verflogen sein kann.

"Wir wären nicht die Ersten, die nach einer gelungenen Generalprobe in der ersten Pokalrunde rausfliegen", hält er fest zwischen der kleinen Sternstunde gegen den Multi-Millionen-Trupp und dem Beginn des Alltags am Samstag bei Holstein Kiel (20.15 Uhr in unserem Sportradio SPORT1.fm und LIVETICKER).

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Überbewerten mag der neue Trainer den Überraschungscoup vom Samstagabend folglich nicht. Unterbewerten aber auch nicht.

Zorniger: Mehr Zutrauen in unser System

Sicher, es war nur ein Testspiel gegen die Citizens. Und auch eines, in dem sich der Gegner taktisch ziemlich verrannte: Coach Manuel Pellegrini besetzte sein Mittelfeldzentrum mit David Silva und Samir Nasri zu offensiv, ließ so Raum, in den die Stuttgarter hineinströmen und die Abwehr in die Bredouille bringen konnten.

Aber: Stuttgarts Doppeltorschütze Daniel Ginczek glaubt schon, "dass die Fehler des Gegners auch wegen uns passiert sind".

Zorniger freut sich nun, dass durch den Sieg gegen City "alle, alle, alle noch mehr Zutrauen in unser System bekommen haben".

Das ist, etwas mehr als einen Monat nach Zornigers Amtsantritt, ohnehin schon groß gewesen. "Es war von Anfang an zu erkennen, dass er einen klaren Plan hat", sagt Angreifer Martin Harnik bei SPORT1: "Er hat gar keinen Platz gelassen für Zweifel."

Klopp-Fußball als Vorbild

Pressen, überrumpeln, schnell auf Angriff umschalten: Das ist Zornigers Plan. "Ball-jagen-Spiel" nennt es sein Sportchef Robin Dutt.

Der neue VfB-Coach vertritt ähnliche Prinzipien wie Jürgen Klopp, der - man vergisst es gerne - in Stuttgart geboren ist. Und Zorniger, der ebenfalls aus der Nähe der Stadt stammt, nennt den früheren Trainer von Borussia Dortmund auch ausdrücklich als ein taktisches Vorbild: "Bei Jürgen Klopp habe ich gesehen, dass das auf Top-Niveau funktioniert."

Die Elemente des Zorniger-Fußballs sind folglich zum Teil übereinstimmend mit denen des Klopp-Fußballs, es geht um Laufbereitschaft, Gemeinschaftsdisziplin, Mut zum Risiko.

Die Probleme, die diese Art zu spielen, mit sich bringen können, gleichen sich ebenfalls. "Wir haben in der zweiten Hälfte gemerkt, dass die Kräfte schnell nachlassen", sagt Harnik: "Wir müssen lernen, sie uns einzuteilen." Wie Zornigers Fußball schief gehen kann, wenn er halbherzig betrieben wird, sah man zudem bei der 1:4-Niederlage bei den Young Boys Bern vor einigen Wochen. "Da haben wir's nicht durchgezogen", meint Ginczek.

"Im Moment läuft es so gut, wie es zu diesem Zeitpunkt laufen kann", findet Zorniger: "Die Frage ist: Wie stabil ist das Ganze?"

Selbst- und Sendungsbewusstsein

Das Selbst- und Sendungsbewusstsein des Stuttgarter Coachs ist dem von Jürgen Klopp übrigens auch nicht ganz unähnlich.

Auf die Anmerkung, dass es viele verblüffen würde, wie schnell er dasselbe Team, das unter Huub Stevens fast abstieg, zu einem mutig nach vorn preschenden Kollektiv umgeformt hat, antwortet Zorniger: "Mich nicht."

Und der frühere RB-Leipzig-Coach hat auch keine Scheu, seine Mission beim VfB gleich mal in eine Reihe mit dem Wirken der großen Macher im Schwabenland zu stellen: "Ein Teil des Wohlstands dieser Region basiert doch auch darauf, dass es hier im Land immer schon Tüftler gab, die ihre Ideen gegen alle Bedenken und Widerstände durchgeboxt haben."

Daimler, Bosch, Porsche: Ganz auf Augenhöhe mit den Leuten, auf die er anspielt, ist Zorniger nach etwas mehr als einem Monat beim VfB dann doch noch nicht. Ein spannendes Projekt hat er aber allemal begonnen.

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