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Borussia Moenchengladbach v FC Ingolstadt - Bundesliga
Borussia Moenchengladbach v FC Ingolstadt - Bundesliga © Getty Images
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München - Vor dem Spiel gegen Hannover spricht Andre Schubert bei SPORT1 über seinen Job, eigene Fehler, Lucien Favre - und blickt auf die jüngsten Ereignisse zurück.

Terroranschläge in Paris, abgesagte Länderspiele und Sorgen um die Sicherheit in den Stadien: Andre Schubert hätte sich schönere Umstände für sein erstes Spiel als Cheftrainer von Borussia Mönchengladbach gewünscht.

Der 44-Jährige war nach dem Rücktritt von Lucien Favre Interimscoach, bekam nach sechs Siegen und einem Remis in der Liga einen Vertrag als Chefcoach.

Vor dem Heimspiel gegen Hannover 96 (Sa., 15 Uhr LIVE in unserem Sportradio SPORT1.fm und im LIVETICKER) spricht er bei SPORT1 über seinen Job, eigene Fehler, Favre - und blickt zurück auf die schlimmen Ereignisse zuletzt.

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SPORT1: Herr Schubert, am Samstag stehen Sie zum ersten Mal als Cheftrainer der Borussia an der Seitenlinie. Nach den schlimmen Erlebnissen zuletzt sicher nicht leicht, oder?

Andre Schubert: Es ist für alle schwierig. Man kann diese Dinge nicht zu 100 Prozent verhindern, egal welche Vorkehrungen man auch trifft. Man darf aber auch sein eigenes Leben von solchen Dingen nicht zu sehr beeinflussen lassen. Wir dürfen nicht dahin kommen, Veranstaltungen grundsätzlich infrage zu stellen und überhaupt zu überlegen, ob wir noch weggehen können. Natürlich ist das, was passiert ist, extrem schlimm, aber wir sollten nicht alles andere vergessen.

SPORT1: Wie fühlen Sie sich als Cheftrainer?

Schubert: Nicht anders als vorher. Ich habe mir keine Gedanken darüber gemacht. Ich habe immer wieder gesagt, dass wir uns auf die Aufgaben konzentriert haben und das haben wir so gut wie möglich gemacht - und jetzt bin ich eben der Cheftrainer. An der Lust, an der Arbeit, an der Arbeitsweise mit der Mannschaft hat sich nichts geändert. Die Truppe hat vom ersten Tag an mit mir zusammengearbeitet, als hätten wir das schon lange gemacht.

SPORT1: Sie haben zu Ihrer Zeit als Cheftrainer bei St. Pauli Fehler eingestanden, mit einigen Spielern und Verantwortlichen gab es Differenzen. Sind Sie heute ein Anderer?

Schubert: Ich habe damals manche Dinge nicht richtig gemacht und sicherlich habe ich mich auch weiterentwickelt. Aber es ist nichts hängengeblieben. Paulis früherer Präsident Stefan Orth hat mir gratuliert zum neuen Job als Cheftrainer. Es gibt immer mal Konflikte, denn man sieht gewisse Dinge anders. Ich habe mir damals sicher die eine oder andere Baustelle geschaffen, die nicht hätte sein müssen, da war ich nicht gelassen genug. Ich habe mir früher nicht so die Auszeiten gegönnt, habe zu wenig abgeschaltet, um entspannter an neue Aufgaben zu gehen. Ich wollte zu schnell zu viel. Ich bin immer noch perfektionistisch veranlagt, sehe aber viele Dinge gelassener und nehme sie an, wenn sie zufriedenstellend sind. 

SPORT1: Am Samstag kommt Hannover 96 mit Trainer Michael Frontzeck in den Borussia-Park. Er ist ein Ur-Gladbacher und war Ihr Nachfolger bei St. Pauli. Ein besonderes Spiel?

Schubert: Und wir haben auch noch die gleiche Frisur. Spaß beiseite: Am Samstag spielt nicht Andre Schubert gegen Michael Frontzeck. Es spielt Borussia Mönchengladbach gegen Hannover 96, und natürlich wollen wir gewinnen. Es ist ein wichtiges Spiel für beide Mannschaften. Ich freue mich mit Michael jemanden zu treffen, mit dem ich befreundet bin.

SPORT1: Besteht jetzt als Cheftrainer die Gefahr, dass die Unbefangenheit der vergangenen Wochen weg ist? Ist jetzt Schluss mit lustig?

Schubert: Warum? Ich empfinde nicht mehr oder weniger Druck als vorher. Wir haben fünf Spiele hintereinander verloren unter meinem Vorgänger Lucien Favre, dann gab es den Trainerwechsel. Es war ein hoher Druck da, weil wir die Krise unbedingt bewältigen mussten mit Siegen - und da haben wir gut zusammengearbeitet. Das wollen wir auch weiterhin. Ich muss niemandem etwas beweisen.

SPORT1: Sie haben es immer vermieden, etwas zu Ihrem Vorgänger zu sagen. Wollten Sie sich von Anfang an von Herrn Favre emanzipieren?

Schubert: Nein, wollte ich nicht. Lucien Favre hat hier in den letzten vier Jahren sehr erfolgreich gearbeitet. Platz drei in der vergangenen Saison war überragend. Als Lucien zurückgetreten ist, haben wir nicht geschaut, was vorher gemacht wurde und was anders gemacht werden soll. Wir haben einfach die Situation analysiert und an den Schwerpunkten gearbeitet. Ob das anders war, war gar kein Thema. Ich bin seit 25 Jahren Trainer und gucke nicht auf meine Vorgänger. Wir haben eine neue Spielidee, das sieht ja jeder.

SPORT1: Ist die Europa League jetzt das erklärte Ziel?

Schubert: Wir müssen unsere Ziele nicht alle zwei Wochen neu erklären. Max Eberl (Sportchef, d. Red.) hat die klare Vorgabe einstelliger Tabellenplatz gegeben. Das ist das Ziel des Vereins. Ich wurde zuletzt gefragt, ob ich mich selbst unter Druck gesetzt hätte, weil ich gesagt habe, dass wir in der Champions League in unserer Gruppe Dritter werden wollen. Das kann ich nicht nachvollziehen. Soll ich sagen: "Wir wollen Vierter werden"? Natürlich wollen wir unser Heimspiel gegen Sevilla gewinnen. Aber damit setze ich uns doch nicht unter Druck. Wenn dem so wäre, dann ist es doch ein positiver Druck.

SPORT1: Mit Dominguez, Herrmann, Hahn fallen wichtige Spieler länger aus. Zwingt das Verletzungspech die Borussia, im Winter noch mal nachzubessern?

Schubert: Wir müssen in der Winterpause gucken, was wir machen können. Nico Schulz wird in dieser Saison wohl nicht mehr spielen, dann wissen wir nicht, wann Andre Hahn wieder zurückkommt. Bei Patrick Herrmann und Alvaro Dominguez wissen wir auch nicht so genau, wann sie wieder dabei sind. Der Kader ist dadurch schon enger und wenn wir der Meinung sind, dass wir etwas machen sollten, was sinnvoll ist, dann werden wir das tun. Wir werden aber nicht in Aktionismus verfallen.  Eins ist klar: Weder ein Josip Drmic, noch ein Mahmoud Dahoud werden abgegeben. Wie sagte Max Eberl so schön: Bei ihm braucht keiner anzurufen.

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