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München - Kann ein Spieler, der zuletzt von der Bildfläche verschwunden ist, den Triple-Traum der Bayern wahren? Immerhin: Dem Anforderungsprofil entspricht Serdar Tasci erstaunlich gut.

In Deutschland genoss die russische Premjer Liga in den letzten Jahren den zweifelhaften Ruf eines gut bezahlten Talententzugs. Kein Wunder: Die Bundesliga-Spieler, die den goldgepflasterten Weg nach Russland antraten, kamen zumeist als Schatten ihrer selbst zurück.

Kevin Kuranyi ist nach fünf Jahren bei Dinamo Moskau als Hoffnungsträger in Hoffenheim überfordert. Malik Fathi war vor seinem Wechsel zu Spartak Moskau ein Kandidat für die Nationalmannschaft. Nun kickt er bei Atletico Baleares in der dritten spanischen Liga. Und jetzt soll ausgerechnet Spartaks Leihgabe Serdar Tasci den Triple-Traum des FC Bayern München aufrecht erhalten. Kann das gut gehen?

SPORT1-Experte Stefan Schnoor ist optimistisch: "Ich glaube schon. Er kennt die Bundesliga, spricht Deutsch und war deutscher Nationalspieler. Das spricht für eine gewisse Qualität."

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Bayerns eierlegende Wollmilchsau

Immerhin, Tasci ist mit 28 Jahren noch im besten Fußballeralter. Und obwohl er seit seinem Wechsel im Jahr 2013 vom VfB Stuttgart nach Moskau in Deutschland kaum noch wahrgenommen wurde, entspricht er dem Anforderungsprofil des FC Bayern erstaunlich präzise.

Denn nach dem Verletzungs-Schock um Jerome Boateng war der Rekordmeister kurz vor der Schließung des Transferfensters auf der Suche nach der eierlegenden Wollmilchsau: Erfahren, aber nicht abgehalftert sollte der Ersatz sein. Dazu noch in der Champions League spielberechtigt, möglichst sofort ins Teamgefüge integrierbar sowie wechselwillig und -fähig.

Attribute, die Serdar Tasci in sich vereint. In Moskau war er Leistungsträger, dazu bringt er seine Europapokalerfahrung vom VfB Stuttgart mit.

Tasci entlastet Bayerns Sorgenkinder

Für ihn selbst kam das Angebot der Bayern zur rechten Zeit: Nach den politischen Spannungen zwischen Russland und der Türkei und angedrohten Sanktionen gegen türkische Spieler liebäugelte der Verteidiger, der neben dem deutschen auch einen türkischen Pass besitzt, schon Ende 2015 mit einem Wechsel. Bei den Bayern hat er nun die unverhoffte Chance, sich auf größtmöglicher Bühne wieder in den Blickpunkt zu spielen – und vielleicht sogar wieder in den Kreis der Nationalmannschaft.

Zumindest im Bundesliga-Alltag dürfte der frühere Stuttgarter Kapitän dringend nötige Entlastung für die ohnehin verletzungsanfälligen Holger Badstuber und Medhi Benatia darstellen. Zudem dürfte Tasci ohne Murren auf die Bank rücken, wenn Boateng zurückkehrt.

Überschaubares Risiko

Die Tatsache, dass wegen der ausgedehnten russischen Winterpause seit November kein Pflichtspiel mehr bestritten hat, sieht Tasci nicht als Problem: "Wir hatten zuletzt unser erstes Trainingslager. Wir waren zehn Tage in Abu Dhabi. Ich denke, wenn ich jetzt eine gute Trainingswoche habe, bin ich topfit", sagte er dem Münchner Vereins-TV.

Doch selbst wenn sich Tasci nicht als erhoffter Stabilisator entpuppt, hält sich das finanzielle Risiko für die Bayern bei einer Leihgebühr von 2,5 Millionen Euro in Grenzen. Laut Horst Heldt sei ein Tasci-Wechsel nach Schalke an einer Kaufpflicht im Sommer für zehn Millionen Euro gescheitert. Eine finanzielle Belastung, die der Rekordmeister in Kauf nehmen könnte.

So nachvollziehbar das allgemeine Erstaunen über das Kaninchen Tasci, das die Bayern aus dem Hut gezaubert haben, auch ist: Für die Bayern könnte der Ex-Nationalspieler zum Notnagel mit Zukunft werden.

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