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Sinsheim - Im exklusiven Interview mit SPORT1 spricht Hoffenheims Trainer Julian Nagelsmann über die erfolgreiche Kaderplanung und die Beziehung zu Sportdirektor Alexander Rosen.

13 Spiele, keine Niederlage, Tabellenplatz vier: Die TSG Hoffenheim ist eine der Überraschungsmannschaften der bisherigen Bundesliga-Saison.

Zum Auftakt des 14. Spieltags wartet am Freitagabend (ab 20 Uhr LIVE in unserem Sportradio SPORT1.fm und im LIVETICKER) bei Eintracht Frankfurt das Duell mit dem ebenso überraschend starken Tabellennachbarn.

Das Gesicht des Hoffenheimer Höhenflugs ist Trainer Julian Nagelsmann. Der 29-Jährige hat gemeinsam mit Manager Alexander Rosen eine funktionierende Mannschaft auf die Beine gestellt, die von den Abstiegssorgen der vergangenen Saison weit entfernt ist.

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TSG-Manager Alexander Rosen zu Gast im Volkswagen Doppelpass - am Sonntag ab 11 Uhr LIVE im TV auf SPORT1

Im SPORT1-Interview spricht TSG-Coach Nagelsmann über den starken Saisonstart, die Zusammenarbeit mit seinem Chef Rosen und erklärt das Erfolgsgeheimnis hinter dem Aufschwung in Hoffenheim.

SPORT1: Herr Nagelsmann, was ist schwieriger: In der Spitzengruppe bleiben oder einen Weihnachtsbaum anmachen?

Nagelsmann: Ich glaube, in der Spitzengruppe zu bleiben, ist schwieriger. Wobei der Weihnachtsbaum auch sehr komplex ist. (lacht)

SPORT1: Wie bewerten Sie dieses Jahr seit dem Saisonstart, mit allem, was geschehen ist?

Nagelsmann: Rein von den Ergebnissen ist das gut, was wir bisher abgeliefert haben. Auch die Art und Weise war in großen Teilen der Saison ganz ordentlich. Wir sind nicht optimal gestartet, da wurde es schon etwas unruhig zu Beginn, als wir nur vier Unentschieden hatten. Wir haben aber trotzdem an uns geglaubt und gewusst, dass der erste Sieg schon irgendwann kommt. Dann hatten wir eine kleine Serie mit Siegen, haben noch ein paar Unentschieden hinterher gespielt. Insgesamt sind unsere Auftritte ganz zufriedenstellend, wenn man auch sieht, wo wir herkommen. Wir hoffen, dass es so weitergeht.

SPORT1: Sie haben die Mannschaft sehr gelobt. Aber wie viel Teamgeist gibt es über die Mannschaft hinaus?

Nagelsmann: Wir haben hier alle einen guten Draht untereinander. Ich habe zu Alex (Alexander Rosen, Sportdirektor der TSG, Anm. d. Red.) einen außergewöhnlich guten Draht, auch privat. Das merkt man auch an der Zusammenarbeit. Wir sehen uns immer sehr gerne, sprechen eigentlich jeden Tag im Büro und machen zusammen die Kaderplanung. Da führen wir Gespräche mit potenziellen Neuzugängen, wie wir es auch im Sommer gemacht haben. Die spielen ja alle eine gute Rolle bei uns, passen gut ins Konstrukt und in das Team. Zwischen Alex und der Mannschaft gibt es natürlich auch einen engen Austausch. Das leben wir als Team. Wir sind da wirklich eine große Gruppe, die gemeinsam denselben Weg gehen will. Das zeichnet uns aus.

SPORT1: Ist das ein Glückstreffer, wenn man so viele gute Spieler holt, die alle haargenau in das System passen?

Nagelsmann: Ich glaube, es ist kein Glück, sondern eine Erfahrung, ein Gespür dafür zu entwickeln, wie sich der Spieler im Gespräch gibt und ob er zum Trainer und in die Mannschaft passt. Wir haben natürlich auch eine Scouting-Abteilung, die vorher abprüft, was der Spieler inhaltlich in allen Spielen macht. Es gibt auch Filme, die Alex und ich uns gemeinsam anschauen und anhand derer wir Fantasien entwickeln, welche Position der Spieler besetzen kann - da haben wir genaue Profile. So ist schon mal ein großer Teil der Wahrscheinlichkeit erfüllt, dass das auch passt. Bei den Gesprächen, die dann unter acht Augen mit dem Berater des Spielers stattfinden, versuchen wir, den Charakter des Spielers einzuschätzen. Da gehört auch immer ein wenig Glück dazu, aber das ist nicht die vorrangige Säule - eher Wissen und Erfahrung.

SPORT1: Bei der letzten Trainerveränderung stand Herr Rosen noch ganz aschfahl in der Arena, jetzt steht er wieder froh und grinsend mit einer super Mannschaft da. Was hat sich in dieser Zeit so extrem verändert?

Nagelsmann: Alex ist mit Herz und Seele dabei, investiert viel Zeit und Emotionen, so auch im letzten Jahr. Wenn es dann nicht funktioniert, ist natürlich der Trainer der Erste, der da vorne dran steht. Aber hier war es so, dass der Sportdirektor einen engen Austausch mit dem Trainer hatte. Wenn man jedoch wenige Punkte hat und es sportlich nicht läuft, ist es klar, dass er nicht frohlockend durch die Stadt läuft. Er sieht sich da auch in der Verantwortung. Jetzt ruft das gesamte Team eine ordentliche Leistung ab und wir haben die nötigen Punkte. Das erleichtert die Arbeit und macht sie auch schöner. Das ist, denke ich, der Grund, warum es dem Alex zurzeit so gut geht, er sich wohl fühlt und auch eine sehr gute Arbeit abliefert.

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