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© SPORT1-Grafik: Philipp Heinemann/Getty Images
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München - Für Leipzigs Trainer Ralf Rangnick wäre ein Sieg gegen Ex-Klub Schalke etwas Besonderes. Erst recht, weil er RB zum kompletten Gegenentwurf aufgebaut hat.

Wenn RB Leipzig am Samstagabend den FC Schalke 04 empfängt, dann blickt ganz Fußball-Deutschland nach Sachsen (18.30 Uhr im LIVETICKER und in unserem Sportradio SPORT1.fm)

Denn die Partie bietet eine ganze Palette hochbrisanter Themen - sogar abseits der Frage, ob der Tabellenführer einen weiteren Angriff der Bayern abwehren kann.

Im Subtext kommt es zum Duell der aktuell formstärksten Teams, zum "Klassenkampf" zwischen Tradition und (Neu-)Reichtum - und vor allem zum Wiedersehen von Ralf Rangnick mit seinem alten Team.

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Für den 58-Jährigen wäre der Sieg gegen Schalke etwas Besonderes.

"Schalke war der emotionalste Klub"

Der jetzige Sportdirektor der Roten Bullen stand zwei Mal als Trainer auf Schalke unter Vertrag, zunächst zwischen September 2004 und Dezember 2005, als er nach nach seiner umstrittenen Ehrenrunde gehen musste.

Seine zweite Station bei den Königsblauen zwischen März und September 2011 beendete Rangnick wegen eines Burnout-Syndroms.

"Schalke war für mich der emotionalste Klub", sagte er später und führte die Zeit in Gelsenkirchen unmittelbar auf seine Erschöpfung zurück.

Im Ruhrgebiet, und vor allem auf Schalke, wo die Volkssele latent am Köcheln und ein ruhiges Arbeiten faktisch unmöglich ist, war für Kopfmensch Rangnick ganz offensichtlich nicht das richtige Betätigungsfeld.

Arbeiten unter Laborbedingungen

Dennoch räumt er auch heute noch ein: "Schalke ist ein besonderer Klub. Das gilt auch für die Fans." Direkt vor dem Duell wollte sich der 58-Jährige aber nicht mehr zu den Knappen äußern und blockte sämtliche Interviewanfragen ab.

Arbeiten in einem solch explosiven Umfeld kam sowieso nicht mehr in Frage. Rangnick, der nicht nur durch seine Brille einen akademischen Touch im sonst eher hemdsärmligen Fußball verkörpert, zog die Lehren aus seiner Zeit auf Schalke.

Er besann sich auf die Arbeit mit der TSG Hoffenheim (2006 - 2011) und machte nach einer zehnmonatigen Pause wieder den Turnaround zum kompletten Gegenentwurf.

Über Red Bull Salzburg führte ihn der Weg nach Leipzig, zunächst als Trainer, dann als Sportdirektor. In der Fußball-Fabrik kann Rangnick quasi unter Laborbedingungen das Projekt nach seinem Gusto durchziehen.

Ideale Rahmenbedingungen

Ein 33 Millionen Euro teures Trainingszentrum bietet den Spielern bei RB ein optimales Umfeld, auf Schalke gab es nicht mal einen Besprechungsraum.

Ein klares Konzept, das alle Klubs der "Red-Bull-Gruppe" gleichermaßen miteinbezieht, erleichtert konsequentes und strategisches Arbeiten.

Und über finanzielle Probleme wird sich Rangnick in Leipzig auch nie beschweren müssen.

Auch das Umfeld ist ungleich ruhiger als auf Schalke- was nicht heißt, dass sich Rangnick keiner Kritik ausgesetzt sieht. Red-Bull-Boss Dietrich Mateschitz äußert sie nur intern.

Und auch die immer zahlreicher werdenden Fans protestierten schon gegen Entscheidungen von Rangnick, zum Beispiel als er Marcel Sabitzer von Rapid Wien via Leipzig nach Salzburg weiterlotste.

Kein Ende in Sicht

Rangnick sieht noch Luft nach oben. Er prophezeit: "Unsere Entwicklung ist noch lange nicht zu Ende" - es klingt wie eine Drohung an die Konkurrenz.

An die zahlreichen Widerstände der Traditionalisten, die dem Klub seelenlosen und geschäftsmäßigen Fußball vorwerfen, hat sich Rangnick längst gewöhnt.

Da macht auch die Ankündigung von Schalke-Keeper Ralf Fährmann keine Ausnahme: Der gebürtige Sachse will Leipzig mit Schalke zeigen, "wie ehrlicher, echter Bundesligafußball geht" - Subtext: In Leipzig ist der nicht so echt und ehlich.

Lob gibt es dagegen von Kapitän Benedikt Höwedes: "Ich weiß, wie gut er arbeitet", sagt er über Rangnick, "ich weiß auch, dass er extrem etwas bewegen kann. Er hat eine unheimlich gute Interpretation vom Fußball."

Mit Ralph Hasenhüttl hat Rangnick zudem den idealen Trainer gefunden - und diese Kombination dürfte es auch für seinen alten Klub schwer machen.

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