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München - Antoine Griezmann lobt den deutschen Fußball, während sein Ziehvater bei Atletico über seine Zukunft grübelt. Ein Zufall? Oder steckt am Ende mehr dahinter?

Am Dienstag in München konnte Antoine Griezmann nicht besonders auf sich aufmerksam machen. Der Angreifer von Atletico Madrid lieferte für seine Verhältnisse ein eher unscheinbares Spiel gegen die Bayern ab und war so gar nicht der "Deutschland-Schreck", zu dem er sich mit seinen Toren in der Champions League und bei der Europameisterschaft gemacht hatte.

Was bis zum nächsten Wiedersehen mit einem deutschen Klub bleibt, sind Griezmanns durchaus offensive Aussagen zur Bundesliga und zum deutschen Fußball. "Spannend und spektakulär" seien die Partien der Bundesliga meist, er schaue die Begegnungen stets "bis zum Schlusspfiff", sagte er in einem Revier-Sport-Interview.

Lobeshymnen auf die Bundesliga

Demnach hege er besondere Sympathien für Borussia Dortmund. "Sobald ein Spiel der Borussia im Fernsehen kommt, schaue ich es mir auch an. Denn mit diesem Team habe ich die Garantie, dass es nicht torlos ausgeht."

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Aber auch die Bayern findet der 25-Jährige ziemlich gut. "Wenn man in München auftritt, merkt man sofort, dass es sich um einen Riesenverein handelt. Die Bayern haben eine fantastische Arena, eine bombastische Stimmung und einen absoluten Top-Kader."

Bleibt die Frage, warum Griezmann, der sich davor noch nie ausschweifend und lobend über die Bundesliga ausgelassen hat, nun damit anfängt. Bei Atletico hat der Franzose seinen Durchbruch geschafft, hat er sich in den letzten zweieinhalb Jahren in die Top-Riege der Angreifer weltweit katapultiert. Nicht umsonst hat es Griezmann erstmals in die Shortlist der Wahl zum Weltfußballer des Jahres geschafft, neben Cristiano Ronaldo und Lionel Messi.

In Madrid hat er noch keinen großen Titel gewonnen, ist mit Atletico in der abgelaufenen Saison als Dritter in der Meisterschaft und auch im Champions-League-Finale denkbar knapp gescheitert. Nimmt man das verlorene Endspiel mit Frankreich bei der EM dazu, schrammte Griezmann zuletzt bemerkenswert oft knapp am Lohn für seine Mühen vorbei.

Auf Dauer immer nur auf den Plätzen zu landen, wird ihm zu wenig sein. Aber in einer Liga mit Real Madrid und dem FC Barcelona muss schon Außergewöhnliches passieren, um daran etwas zu ändern…

Enge Bande mit Simeone

Eng verknüpft mit Griezmanns Aufstieg ist Diego Simeones Wirken bei den Rojiblancos. Den Spieler und seinen Trainer verbindet eine besonders innige Beziehung, beide haben einander sehr viel zu verdanken und sind in gewisser Weise auch stark voneinander abhängig.

Dass jetzt Griezmanns offensive Huldigungen der Bundesliga mit Simeones Kokettieren zusammenfallen, mag ein Zufall sein. Tatsache ist aber, dass Griezmann seine eigene Zukunft bei Atletico eng an die von Simeone knüpft. Und der hat die Tage offen zugegeben, dass er "auf jeden Fall eines Tages Inter trainieren werde".

In Mailand wurde Simeone als Spieler groß, zum FC Internazionale pflegt der Argentinier bis heute eine sehr spezielle Beziehung. "Ich denke, dass mein Vater bei Inter unterschreiben wird", bestätigte auch Simeones Sohn Giovanni, der beim FC Genua in der Serie A spielt, die Zukunftspläne seines Vaters.

Wann das der Fall sein wird, lässt Simeone bewusst offen. Der 46-Jährige hat seinen erst im Mai bis 2020 verlängerten Vertrag in Madrid im September wieder bis 2018 verkürzen lassen. Die Anfragen an "Cholo" prasseln seit Monaten auf Atletico ein, besonders aus England, aber selbst Paris Saint-Germain soll immer noch über Simeone nachdenken. Dabei haben die Franzosen mit Unai Emery erst vor wenigen Monaten einen Erfolgscoach aus Spanien verpflichtet.

Was bezweckt Griezmann?

Antoine Griezmanns Lauf ist in den Endzügen des Kalenderjahres etwas ins Stocken geraten. Drei Tore in der Champions League und sechs in der Liga sind ordentlich, aber nicht mehr überragend. Zudem wartet er in der Meisterschaft seit Anfang Oktober schon auf sein siebtes Tor.

Vielleicht wollte er nochmal ein wenig aufrütteln in den Tagen vor Weihnachten. Vielleicht hat er einfach nur nett geplaudert. Vielleicht haben ihn Simeones offene Worte selbst ein wenig irritiert.

Mit 25 Jahren ist Griezmann jedenfalls im besten Alter. Und dass er seinen bis 2021 datierten Vertrag bei Atletico erfüllen wird, daran glauben ohnehin nur die wenigsten.

Irgendwann wird für einen Spieler seines Kalibers die Premier League automatisch eine Option. Aber wenn man Antoine Griezmann glauben mag, hätte auch die Bundesliga nicht die schlechtesten Chancen.

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