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Joshua Kimmich (l.) spielt seit 2015 beim FC Bayern
Joshua Kimmich (l.) spielt seit 2015 beim FC Bayern © SPORT1-Grafik: Marc Tirl/Getty Images/iStock
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München - Joshua Kimmich ist in Wolfsburg bester Bayern-Akteur auf dem Platz. Die Situation des Nationalspielers in München ist aber weiter undurchsichtig.

Joshua Kimmich ist durchaus in der Lage, dem FC Bayern mit starken Leistungen zu helfen.

Das bewies der 22-Jährige zuletzt eindrucksvoll beim Sieg in Wolfsburg, mit dem sich die Münchner am Samstag zum Meister krönten: Kimmich lief am meisten (12,04 Kilometer), war der passsicherste Spieler (90 von 94 Pässen kamen an) und führte die meisten Zweikämpfe (19). Das Sahnehäubchen: Sein Tor zum 6:0-Endstand nach schicker Direktabnahme.

Kimmichs Auftritt als "Man of the Match" ändert aber nichts an der Tatsache, dass der Nationalspieler bei den Bayern zwischen den Stühlen sitzt.

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Auf der einen Seite FCB-Boss Karl-Heinz Rummenigge, der verkündete, dass Kimmich den scheidenden Kapitän Philipp Lahm auf der rechten Abwehrseite beerben soll. Im Namen des Trainers.

"Carlo Ancelotti hat sich festgelegt, dass Joshua Kimmich die Position übernehmen wird", erklärte der Vorstandsvorsitzende.

Auf der anderen Seite: Ancelotti selbst. Der wirkt so, als hätte er sich alles andere als "festgelegt".

Vertrauen in Kimmich fehlt

Immer wenn Lahm in den letzten Monaten ausfiel, setzte der Italiener konsequent auf Routinier Rafinha. Und nicht etwa auf seinen angeblichen Kronprinzen Kimmich. Der musste allzu oft auf der Bank Platz nehmen.

Selbst nach Rummenigges öffentlicher Ansage ließ sich Ancelotti in einer Pressekonferenz gerade einmal zu folgender Erklärung nötigen: "Wir werden ihn als Rechtsverteidiger ausprobieren."

"Ausprobieren"? Klingt irgendwie anders als "festgelegt".

Überhaupt: Vertrauen sieht anders aus als das, was Ancelotti Kimmich in dieser Spielzeit entgegen gebracht hat.

Suche auf dem Transfermarkt?

Der bisherige Tiefpunkt: Der Trainer erklärte vor versammelter Presse, er versuche jeden Tag, Philipp Lahm vom Weitermachen zu überzeugen. Und das, obwohl gerade Lahm dafür bekannt ist, dass seine Karriereentscheidungen unumstößlich sind. Zuletzt bewiesen bei seinem konsequenten Rücktritt aus der Nationalmannschaft. Das weiß auch Ancelotti.

Seine Aussage muss für Kimmich wie ein Schlag ins Gesicht gewirkt haben.

Auch aktuelle Gerüchte dürften den Youngster nicht selbstbewusster machen. Demnach sollen die Bayern sehr wohl noch nach einem neuen Rechtsverteidiger suchen. Ancelotti-Landsmann Andrea Conti von Atalanta Bergamo steht angeblich auf der Liste.

Kimmichs Situation beim Rekordmeister ist also weiter äußerst undurchsichtig.

Wollte Rummenigge mit seinem scheinbaren Bekenntnis zum Nationalspieler als Lahm-Nachfolger möglicherweise nur die anderen Klubs auf dem Transfermarkt in Sicherheit wiegen? Um die Preise nicht in die Höhe schießen zu lassen?

Die Bayern-Bosse kennen die Mechanismen in diesem Millionenspiel seit Jahrzehnten. Es wird teuer, wenn alle Vereine davon ausgehen, dass die gut betuchten Münchner verzweifelt einen Rechtsverteidiger suchen.

Guardiola soll Interesse haben

Sollten die Bayern in Wirklichkeit doch kein doppeltes Spiel mit Kimmich treiben, stellt sich jedoch die Frage: Warum wird er nicht schon jetzt zum Nachfolger für Lahm aufgebaut?

Die Meisterschaft ist entschieden, Lahm dreht eigentlich nur noch Ehrenrunden auf dem Platz. Das könnte er in den letzten Spielen auch im Mittelfeld tun. Dort spielt der Bald-Rentner ohnehin gerne. Und Kimmich könnte Spielpraxis auf der rechten Seite sammeln. Oder man setzt in Zukunft regelmäßig im defensiven Mittelfeld auf ihn. Dort wo sich Kimmich dem eigenen Bekunden nach selbst am wohlsten fühlt.

Eventuell ist das Talent aber im Kopf schon ganz woanders. Bayern-Legende Lothar Matthäus erklärte in der Sport Bild: "Ich kann verstehen, dass ein Spieler wie Joshua Kimmich mit Abwanderungsgedanken spielt, wenn er über Monate links liegen gelassen wird."

Kimmich soll bei seinem früheren Förderer Pep Guardiola ganz oben auf der Wunschliste stehen. Der Ex-Bayern-Trainer habe die Vereinsführung von Manchester City nach Informationen von Yahoo Sports UK um die Verpflichtung Kimmichs gebeten.

Der spanische Taktifuchs will Kimmich demnach unbedingt haben, weil er in seiner neuen Mannschaft Handlungsbedarf auf einer bestimmten Position sieht: Auf der rechten Abwehrseite.

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