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SPORT1-Reporter Reinhard Franke (2. v. r.) traf die Fantastischen Vier auf dem Tollwood-Festival in München. Bis zum 3.9. ist die Band noch auf Open Air-Tour. Ein neues Album wird 2018 erscheinen. © Twitter/@FrankeReinhard
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München - Vor dem Saisonstart des VfB Stuttgart sprechen Smudo und Michi Beck im SPORT1-Interview über ihren Herzensverein, Trainer Hannes Wolf und echte Typen im Fußball.

Die Fantastischen Vier und den VfB Stuttgart verbindet eine besondere Beziehung. Die Rapper sind von Kindesbeinen an Fans des schwäbischen Klubs. 2007 spielten sie bei der Meisterfeier, diesen Sommer bei der Aufstiegsfeier.

Mit ihrem Hit "Troy" machte die Gruppe auch dem VfB eine Liebeserklärung.  Vor dem Saisonstart der Stuttgarter bei Hertha BSC (Sa., ab 15.30 Uhr im LIVETICKER) sprechen zwei der vier Gründungsmitglieder, Smudo und Michi Beck, im SPORT1-Interview über ihren Herzensverein, Trainer Hannes Wolf und echte Typen im Fußball. 

SPORT1: Smudo und Michi Beck, der VfB Stuttgart ist zurück in der Bundesliga. Wie fantastisch ist das?

Smudo: Das ist galaktisch. Ich wohne seit Jahren in Hamburg und werde natürlich auf meinen VfB angesprochen. In den vergangenen Jahren habe ich nicht gewusst, ob es um den VfB oder um den HSV geht, wenn man mit mir sprach. Es lief für beide Vereine nicht wirklich rund. Es hat aber etwas mit Lokalpatriotismus zu tun und es ist ein Haken in deiner Seele. Nach dem souveränen Aufstieg des VfB konnte ich mir ein zufriedenes Schmunzeln nicht verkneifen. Ich finde es schön, dass wir zurück in der Bundesliga sind, erinnere mich noch gerne daran, als wir nach dem Aufstieg zusammen gefeiert haben.

Michi Beck: Bei mir ist es emotional deutlich eine Spur mehr, weil ich mit neun Jahren VfB-Fan wurde. Dieser Verein war immer in meinem Herzen. Wir wurden als Band groß und der VfB war irgendwie immer dabei. Das erste Mal fühlte ich mich super geadelt, als der Verein 2007 bei uns anklopfte, ob wir auf der Meisterfeier spielen wollen. Da haben wir uns näher kennengelernt und die Zusammenarbeit wurde enger. 2009 kam der ganze Verein zu unserem Heimspiel-Konzert zum 20-jährigen Jubiläum und ab da an wurde auch im Stadion für uns Werbung gemacht. Im vergangenen Jahr habe ich erst begriffen, was der Klub für die Stadt bedeutet, als es in der 2. Liga darum ging, noch enger zusammenzurücken. Es war viel krasser als 2007. Das Zweitliga-Jahr war, was die Zuschauer anbelangte, das erfolgreichste für den Klub überhaupt.

SPORT1: Wie haben Sie das wahrgenommen?

Smudo: Ich habe die Stadt gar nicht wiedererkannt. Jeder war plötzlich noch näher am VfB dran. Vielleicht muss der Schwabe erst mal eins aufs Maul bekommen, um wieder groß zurückzukommen nach dem Motto "Back From The Dead". Es war eine irre Stimmung. Passt etwas zu uns: Wir sind auch erst zu Legenden geworden, als wir weggezogen sind.

Beck: Für mich war das alles sehr bedeutsam, auch als wir auf dem Cannstatter Wasen gespielt haben. Dort hat sich VfB-Coach Hannes Wolf als Fanta-Fan geoutet und super performt. Wahnsinn.

SPORT1: Es gab ein witziges Erlebnis bei der Aufstiegsfeier. Erzählen Sie mal...

Smudo: Wir standen auf der Bühne und alle sangen und tanzten, da wollte ich mir aus der Getränkekiste ein Bierchen holen, plötzlich kam einer und hielt mir die Meisterschale hin. Ich bin kein großer Fußballspezi und wusste nicht, wie derjenige heißt, auf dem sie mit dem Finger zeigten, und mir sagten "geb dem da mal die Schale". Ich: "Wie heißt der denn?" Alle lachten sich kaputt. "Hannes natürlich" und ich rief dann nur "Hannes, komm schon her".

Beck: Mit unserem Trainer bin ich super happy. Er hat sofort funktioniert. Ein sehr charismatischer Typ, newschool, mit Sachverstand und Einfühlungsvermögen richtig cool.

SPORT1: Wolf wurde offenbar kurz bei Borussia Dortmund als Nachfolger von Thomas Tuchel gehandelt.

Smudo: Eine Unverschämtheit. Es muss sich doch erst mal jetzt zeigen, wie gut er 1. Liga kann. Es wäre wirklich blöd gewesen, in diesem Sommer zu gehen. Jetzt hat er die große Chance, sich zu beweisen. Wenn er die Hürde nimmt, dann kann er sich ins Schaufenster stellen.

SPORT1: Wie erstligatauglich ist der VfB?

Beck: Ich weiß nicht, ob die vielen Millionen vom Daimler entscheidend sind. Das Coole ist ja, dass in der 2. Liga der Teamgeist und die Motivation eine etwas größere Rolle spielen als in der 1. Liga, weil es da hauptsächlich um sehr viel Geld geht und um international größere Kaliber an Gegenspielern. Was passieren muss, ist, diesen Spirit und den Zusammenhalt aus der 2. Liga zu behalten. Außerdem sollten Sie aufhören geizig zu sein und raushauen was da ist, auch wenn das dem Schwaben an sich oft etwas schwerer fällt.

SPORT1: Wo muss sich der VfB noch verbessern?

Beck: Mehr Tore schießen, schneller laufen. Im Ernst: Ich habe das Gefühl, dass man nach wie vor zu vorsichtig haushalten will. Das Chaos zwischen Präsidium, Trainer und Fans ist schon weniger geworden. Ich glaube, dass viel Gutes und Zeitgemäßes passiert ist im Verein, auch was das Thema Ausgliederung angeht. Da hat man sich in den vergangenen Jahren schon extrem verbessert. Das war auch notwendig. Momentan stimmt es, die Fans sind da, alle haben Bock auf den VfB und die Stimmung zwischen Fans und Verein ist ziemlich gut.

SPORT1: Wer sind die Fantastischen 4 beim VfB?

Beck: Die wechseln auf jeden Fall sehr viel häufiger als die wahren Fantastischen 4. Auf jeden Fall Daniel Ginczek, unser Kapitän Christian Gentner, Hannes Wolf. Und...Hansi Müller als Dauer-Maskottchen (lacht). 1978 hab ich ein Hansi Müller Fotoband geschenkt bekommen. Ich war als Kind totaler Fan von ihm.

SPORT1: Wann gibt es wieder eine Fanta 4-Vereinshymne?

Beck: Einmal Hymne, immer Hymne. Wir haben mit "Troy" eine Nummer geschrieben, die einen Mannschafts-Spirit trifft. Der VfB hat früh angefangen diesen Song im Stadion zu spielen, einfach wegen unserer Verbundenheit. Irgendwann habe ich gesagt "Wenn ihr das schon immer spielt, dann macht es doch gleich zur Hymne". Dann sagte einer aus der Chefetage zu mir, dass man einen anderen Text braucht. Ich habe das dann etwas umgeschrieben und so ist "furchtlos und Troy" entstanden. Ich habe den Eindruck, dass das gut angenommen, und als Zeichen verstanden wird, dass der VfB stolz auf uns ist, und wir auf ihn - auch wenn es jetzt nicht gerade der Mitgröhl-Gassenhauer ist.

SPORT1: Wann wird der VfB wieder Deutscher Meister?

Beck: 2018. (lacht) Leider wird das wohl nicht gelingen, denn wann wird überhaupt jemand anderes Meister als die Bayern? Wenn das passiert, dann aber auch nur für ein Jahr und zufällig. Der VfB muss sich erst wieder beweisen, denn es gibt einen gehörigen Klassenunterschied zur 2. Liga, allein schon wegen des Geldes. Traditionsvereine wie Fortuna Düsseldorf oder FC Kaiserslautern haben in der Vergangenheit nach der Rückkehr in die Bundesliga eher mehr Probleme bekommen.

SPORT1: Was sagen Sie dazu, dass Fußballprofis immer weniger authentisch rüberkommen?

Beck: Es ist eine Frage der Intelligenz. Manche hauen es einfach raus. So ein Typ wie Jürgen Klopp gefällt uns da natürlich, weil er reden kann und das Spiel emotionalisiert. Auch ein Lukas Podolski oder ein Bastian Schweinsteiger haben sich nie das Maul verbieten lassen. Echte Typen gibt es leider nicht mehr. Kevin Großkreutz darf auch nicht mehr so richtig ran. Es sticht in der heutigen Zeit keiner mehr richtig heraus, alles ist kontrollierter geworden. Vielleicht gibt es vom VfB bald ein neues Sprech-Juwel, das sich nicht verbiegen lässt.

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