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München - Dortmund, Bayern oder Leipzig? In der Bundesliga deutet sich ein Dreikampf um die Meisterschaft an. SPORT1 beleuchtet die Stärken und Schwächen der Titelkandidaten.

RB LEIPZIG:

Ausgangslage: Leipzig hat zwar schon zwei Niederlagen auf dem Konto, liegt aber mit 16 Punkten in Reichweite zu Spitzenreiter BVB (19). Nach schwachem Saisonstart haben sich die Sachsen zuletzt stabilisiert und gehören spätestens nach dem 3:2-Sieg in Dortmund wieder zur Elite der Bundesliga.

Das spricht für Leipzig: Nachdem es zunächst schien, als ob sich die meisten Ligarivalen auf das Brutalo-Pressing der Hasenhüttl-Elf eingestellt hätten, zeigte RB mit drei Siegen in Folge, dass es den Gegner noch immer schwer fällt, damit umzugehen. Mit Bruma und Jean-Kevin Augustin hat Hasenhüttl jetzt mehr Qualität im Kader als in der vergangenen Saison und kann Stars wie Timo Werner oder Emil Forsberg auch mal eine Pause gönnen. Der Sieg in Dortmund dürfte der Mannschaft zudem einen großen Motivationsschub für die kommenden Aufgaben geben.

Das spricht gegen Leipzig: Mit dem Aufwand, den RB betreibt, sind Rückschläge absehbar. Die Mega-Rotation, mit der Hasenhüttl den Champions-League-Strapazen bislang entgegenwirken wollte, verkraftete sein Team (noch) nicht. Hasenhüttl muss noch die richtige Mischung finden, um seine Elf nicht zu schwächen, wenn er den ein oder anderen Spieler herausnimmt. Fraglich scheint auch, ob das vergleichsweise unerfahrene Team die Nerven behalten würde, wenn es im Titel-Endspurt noch ganz vorne dabei wäre.

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SPORT1-Einschätzung: In einzelnen Spielen ist Leipzig alles zuzutrauen - auch ein Sieg in zwei Wochen beim FC Bayern. Weil das Team aber noch keine Dreifach-Belastung auf Dauer gewohnt ist, könnte den Sachsen im Titelkampf die Puste ausgehen. Ironischerweise käme RB ein Europapokal-Aus vor der Winterpause im Titelkampf zugute. Sollte das Hasenhüttl-Team dann noch in Reichweite zur Spitze sein, könnte sogar der große Wurf gelingen.

BORUSSIA DORTMUND:

Ausgangslage: Durch die Niederlage gegen Leipzig hat sich der Vorsprung der Borussia auf Verfolger FC Bayern auf zwei Zähler verkürzt. Davor hatte der BVB in der Bundesliga fast alles in Grund und Boden gespielt - einzig beim 0:0 in Freiburg gab man Punkte ab.

Das spricht für Dortmund: Der neue Trainer Peter Bosz entwickelte rasend schnell einen Spielstil, der die meisten Ligarivalen teils hoffnungslos überforderte. Beim 6:1-Sieg gegen Gladbach zeigte der BVB Traumfußball und weckte bei den Fans die Hoffnung, Bayerns Dominanz in dieser Saison zu brechen. Zudem bietet der Kader ein unglaublich großes Repertoire an geballter Offensive - spätestens wenn Marco Reus und Andre Schürrle wieder fit sind.

Das spricht gegen Dortmund: Was sich zuvor schon in der Champions League offenbarte, zeigte sich beim 2:3 gegen Leipzig zuletzt auch in der Liga: Gegen offensivstarke Mannschaften, die dagegenhalten, haben die Westfalen enorme Probleme. Das 4-3-3-System von Bosz birgt gegen ebenso pressingstarke Gegner erhebliche Gefahren. Verstärkend kommt hinzu, dass die Defensive nicht den sichersten Eindruck macht.

SPORT1-Einschätzung: Weil es in der Bundesliga mit Bayern und Leipzig nur zwei gleichwertige Konkurrenten gibt, die dem BVB wirklich gefährlich werden können, dürfte die Borussia zumindest länger an der Meisterschale schnuppern, als in den vergangenen Spielzeiten. Sollte Bosz in den Spielen gegen starke Teams ein besseres Gleichgewicht finden, wäre dem Team der Titel zuzutrauen.

FC BAYERN MÜNCHEN:

Ausgangslage: Statt wie gewohnt der Konkurrenz zu enteilen, hat sich der Rekordmeister in dieser Saison eine unfreiwillige Auszeit gegönnt. Durch den Trainerwechsel scheint nun aber wieder Zug in die Mannschaft gekommen zu sein - zumindest machte der FC Bayern beim 5:0 gegen Freiburg einen spielfreudigen Eindruck. Und zwei Punkte Rückstand auf Spitzenreiter BVB sind nicht die Welt.

Das spricht für Bayern: Triple-Trainer Jupp Heynckes hat seine Aura nicht verloren - das wurde schon beim ersten Spiel nach seiner Rückkehr deutlich. Spieler, Fans und die Klubchefs sind begeistert und blicken nach der ungewohnt erfolglosen Phase wieder optimistisch in die Zukunft. Moderator Heynckes schaffte es in kurzer Zeit, die Stimmung zu verbessern und die Einheit im Team heraufzubeschwören.

Das spricht gegen Bayern: Noch ist längst nicht klar, wie gefestigt die Münchner wirklich sind. Die Defizite, die zuletzt unter Carlo Ancelotti zum Tragen kamen, können nicht auf Knopfdruck verschwinden. Gegen Freiburg monierte Heynckes zurecht einige Unkonzentriertheiten in der Abwehr - und die Bayern hätten vermutlich auch mit seinem Vorgänger gewonnen. Spätestens in den beiden Spielen gegen Leipzig und in Dortmund müssen die Münchner beweisen, dass sie ihre Krise überwunden haben.

SPORT1-Einschätzung: Dank der Heynckes-Rückkehr hat sich der FC Bayern wieder in die Favoritenrolle gehievt. Klar ist: Die Meisterschaft wird einmal mehr nur über den Rekordmeister gehen. Allerdings darf sich die Bundesliga in dieser Saison vermutlich auf einen ausgeglicheneren Titelkampf freuen, in dem vor allem der BVB seine Chance haben wird.

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