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München - Der FC Bayern muss bei Celtic auf Robert Lewandowski verzichten. SPORT1 erklärt, warum der Torjäger unersetzbar ist und was die Münchner dagegen planen.

Als sich Robert Lewandowski am Samstag an den Oberschenkel fasste und wenig später schon vor der Pause ausgewechselt werden musste, sorgte das für einen Schockmoment in der Allianz Arena. 

Denn der Torjäger ist der einzige Spieler im Luxuskader des FC Bayern, der nicht zu ersetzen ist.

Doch genau auf diesen Worst Case muss sich Coach Jupp Heynckes nun einstellen. Wie der Rekordmeister am Montagmorgen mitteilte, wird der Pole die Reise nach Schottland, wo der FCB am Dienstag auf Celtic Glasgow (ab 20.45 Uhr im LIVETICKER) trifft, nicht mit antreten.

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Lewandowski soll sich nach seiner wegen Oberschenkelproblemen erfolgten Auswechslung gegen Leipzig stattdessen in München von den strapaziösen letzten Wochen erholen.

Eine gravierende Verletzung konnte bei einer Untersuchung am Sonntagabend ausgeschlossen werden.

Boateng: "Eigentlich Wahnsinn"

Jerome Boateng hatte bereits am Samstag nach dem 2:0-Erfolg die Schwachstelle im Münchner Kader angesprochen. "Eigentlich Wahnsinn, dass wir nur einen Stürmer haben". Deshalb muss Lewandowski eigentlich immer spielen – in den letzten zwei Jahren hatte er daher die meisten Einsätze aller Münchner Profis und lief in rund 95 Prozent der Partien auf.

"Es wäre gut, wenn ich ein bisschen mehr Ruhe bekommen könnte. Doch in diesem Moment gibt es keine andere Möglichkeit", sagte der 29-Jährige am Samstagabend. "Aber kein Spieler kann die ganze Saison 90 Minuten spielen. Ich spiele seit Saisonbeginn alle drei Tage, auch in der Nationalmannschaft. Diese Saison ist wirklich schwer."

Eine längere Pause wird für Lewandowski angesichts des Bundesliga-Topspiels am kommenden Samstag bei Borussia Dortmund aber auch dieses Mal kaum möglich sein.

SPORT1 beantwortet die wichtigsten Fragen zu Bayerns Lewandowski-Abhängigkeit. 

- Warum ist Lewandowski für Bayern unverzichtbar? 

Ein Blick auf die Zahlen genügt: Insgesamt hat der Pole im Jahr 2017 in 27 Bundesligaspielen 28 Mal getroffen. Sein 2:0 gegen Leipzig war der zehnte Saisontreffer im zehnten Spiel, hinzu kommen zwei Tore im DFB-Pokal und eins in der Champions League.

In allen Pflichtspielen stand Lewandowski bisher auf dem Platz, wurde bis Samstag nur zweimal in der Schlussphase ausgewechselt. "Wir haben kein Backup auf meiner Position", monierte der einzige echte Neuner im Bayern-Kader. Welche gravierende Folgen das haben kann, zeigte sich im Frühjahr beim Champions-League-K.o. gegen Real Madrid, als Lewandowski im Hinspiel wegen einer Schulterverletzung fehlte und auch im Rückspiel nicht topfit war.

"Wenn er ausfallen würde, dann würde ich mir Sorgen machen", gab Joshua Kimmich zu. "Gerade jetzt, wo Thomas Müller verletzt ist, haben wir da nicht so die Optionen hinter Robert. Allgemein ist es schwierig, auf ihn zu verzichten, weil er einfach ein außergewöhnlicher Stürmer ist."

- Wer könnte Lewandowski aktuell ersetzen?

Gegen Leipzig versuchte es Heynckes nach der Pause mit einer "falschen Neun", wobei Thiago, Arjen Robben, James  und sogar der eingewechselte Arturo Vidal immer wieder in die Spitze stießen – allerdings mit mäßiger Durchschlagskraft. Da Müller mit einem Muskelfaserriss noch mehrere Wochen ausfällt, müsste Heynckes ansonsten einen Mittelstürmer aus der zweiten Mannschaft oder dem Nachwuchs hochziehen. Erster Kandidat dafür ist Kwasi Okyere Wriedt.

Der Deutsch-Ghanaer wurde im September vom VfL Osnabrück verpflichtet und erzielte neun Tore in zwölf Regionalligaspielen für Bayerns zweite Mannschaft. "Er macht eine gute Entwicklung", sagte Heynckes. "Aber ob er Tore auf höchstem Niveau schießen kann?" Im Pokal in Leipzig durfte Wriedt in der Verlängerung ran und hatte Pech bei einem Lattenkopfball. Am Samstag dagegen blieb er trotz Lewandowskis Ausfall 90 Minuten auf der Bank.

"Ich bin überglücklich, überhaupt im Kader dabei gewesen zu sein", sagte der 23-Jährige. "Ich versuche im Training Gas zu geben und mich anzubieten." Für die Champions League wurde Wriedt allerdings nicht gemeldet. Dort stünde lediglich der erst 18 Jahre alte Manuel Wintzheimer zur Verfügung, der normalerweise bei Bayerns A-Junioren spielt und ab und an in der zweiten Mannschaft – als Backup für Wriedt.

- Wie reagieren die Bosse?

Mitte Juli lehnte Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge den Kauf eines zweiten Mittelstürmers kategorisch ab. Seine Begründung: "Robert macht pro Jahr 90 bis 95 Prozent aller Spiele. Wenn er mal zwei, drei Spiele nicht zur Verfügung steht, ist das nicht problematisch."

Heynckes sieht das allerdings völlig anders, monierte schon kurz nach seinem Comeback die Unwucht im Aufgebot, vor allem im Angriff. In seinen letzten beiden Jahren als Bayern-Coach hatte er immer mindestens drei potenzielle Mittelstürmer im Kader – im Triple-Jahr waren das Mario Mandzukic, Mario Gomez und Claudio Pizarro. "Natürlich ist unsere Decke vorne dünn. Da muss ich im Winter mal mit den hohen Herren reden", forderte Heynckes relativ deutlich Verstärkung.

Die Botschaft ist offenbar angekommen. "Wir schauen uns um", erklärte Sportdirektor Hasan Salihamidzic.

- Wen könnte der FC Bayern holen?

Vertraglose Stürmer mit Topqualität sind nicht auf dem Markt. Einen, der nach SPORT1-Informationen gerne zurückgekommen wäre, wollten die Bayern nicht: Claudio Pizarro. Der Peruaner wäre mit einer Rolle in der zweiten Mannschaft sowie als Backup bei den Profis zufrieden gewesen.

Wesentlich einfacher wird die Suche im Winter-Transferfenster auch nicht werden. Selbst wenn ein Bankdrücker eines internationalen Topklubs interessiert wäre: Die Ablöse dürfte sehr hoch sein, zudem wäre er in der Champions League sehr wahrscheinlich nicht spielberechtigt.

Anders sieht es zur nächsten Saison aus, wobei die Transferpolitik dann maßgeblich vom neuen Trainer abhängen würde. Perfekt passen würde in jedem Fall Timo Werner, da der Nationalspieler sowohl als hängende Spitze neben Lewandowski als auch als dessen Backup ganz vorne spielen kann.

Doch Leipzigs Boss Oliver Mintzlaff schob einem baldigen Wechsel Werners nach München im CHECK24-Doppelpass einen Riegel vor: "Es liegt kein Angebot vor. Wenn es vorliegen würde, würden wir auf den Vertrag und die Zufriedenheit des Spielers hinweisen. Wir wollen ihn nicht hergeben."

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