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© SPORT1-Grafik: Davina Knigge/ Getty Images/ Imago
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München - Der Schiedsrichterzoff beim DFB schadet dem guten Ruf der deutschen Referees - und dem Fußball. Der SPORT1-Kommentar von Chefredakteur Digital Ivo Hrstic.

Mobbing, Vetternwirtschaft und fehlende Transparenz. Die im Raum stehenden Vorwürfe von Topschiedsrichtern wie Manuel Gräfe und Dr. Felix Brych gegen Herbert Fandel (Vorsitzender DFB-Schiedsrichterausschuss) und Hellmut Krug (DFB-Schiedsrichtermanager) sorgen für neuen Zündstoff in der deutschen Schiedsrichterszene.

Die DFB-Unparteiischen, einst weltweit geschätzt und als Beste ihrer Zunft respektiert, pfeifen derzeit auf ihren guten Ruf und verspielen in einer öffentlichen Schlammschlacht auf und abseits des Platzes ihren Kredit.

Die schwachen Leistungen der Vergangenheit und der inkonsequente Einsatz der Video-Technik sind längst kein Zufall mehr, sondern vielmehr Ergebnis einer selbstverschuldeten Unruhe und Nervosität im Kreise der Referees.

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Wie sehr die Verunsicherung um sich greift, wurde an den beiden vergangenen Wochenenden deutlich. Am achten Spieltag wurde nahezu jede Szene minutenlang per Videobeweis ohne Grund bewertet und korrigiert, auch wenn der Assistent per Definition gar nicht hätte eingreifen dürfen.

Am vergangenen Bundesligaspieltag blieben dagegen die Video-Helfer in Köln - vor allem am Samstag - häufig stumm. Eine klare Linie sieht anders aus!

Ergebnis dieser Inkonsequenz: Marc Bartra blieb eine klare Rote Karte beim 2:2 zwischen Eintracht Frankfurt und Borussia Dortmund erspart, er kam mit Gelb davon.

In einer ähnlichen Szene hatte am dritten Spieltag Freiburgs Yoric Ravet für ein Foul an Dortmunds Marcel Schmelzer per Videobeweis nachträglich die Rote Karte gesehen. So bringt der Video-Assistent mehr Ungerechtigkeit statt Gerechtigkeit ins Spiel! 

Ich kann die aktuelle Passivität und Zurückhaltung des DFB nicht verstehen. Eine Krisensitzung am vergangenen Dienstag hatte zwar alle Parteien an einen Tisch gebracht, aber keine gemeinsame Lösung. Krisenmanagement sieht anders aus!

Ex-Bundesliga-Referee Babak Rafati gab jüngst im SPORT1-Interview tiefe Einblicke in die abschreckende Welt der Schiedsrichter-Zunft, in der systematisches Mobbing und angebliche Manipulationen der Leistungsbewertungen zur Tagesordnung gehören sollen.

"Damals wurde das als Einzelschicksal abgestempelt. Jetzt bestätigen andere Betroffene, dass es nicht so ist", so Rafati, der 2011 versucht hatte, sich das Leben zu nehmen.

Die DFB-Ethikkommission muss jetzt schnell und konsequent handeln, sonst nimmt nicht nur der gute Ruf der Schiedsrichter weiter Schaden, sondern auch der deutsche Fußball.

Erste Image-Kratzer und tiefere Leistungsschrammen sind längst unübersehbar.

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