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Jupp Heynckes muss beim FC Bayern noch ein paar Probleme lösen vor der Rückrunde © SPORT1-Grafik: Getty Images/ dpa Picture Alliance/ iStock/ Zimmermann
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München - Der FC Bayern hat sich unter Jupp Heynckes eine perfekte Ausgangsbasis für die Rückserie erarbeitet. SPORT1 erklärt, warum dennoch einige Arbeit auf die Münchner wartet.

Der Schlussakt hinterließ bei manchen Beteiligten einen schalen Geschmack im Mund.

Allen voran Thomas Müller war die Unzufriedenheit überdeutlich anzumerken. "Ich muss mich jetzt zusammenreißen", sagte der Kapitän des FC Bayern trotz des 2:1-Erfolgs über Borussia Dortmund im DFB-Pokal.

"Ich bin unglücklich über die zweite Halbzeit. Da waren wir zu passiv. Darüber müssen wir noch einmal reden."

In der Tat zitterten sich die rund eine Stunde hoch überlegenen Münchner am Ende ins Viertelfinale. Dennoch wollte Jupp Heynckes nicht allzu hart mit seiner Mannschaft ins Gericht gehen.

"Überragende Bilanz"

"Wenn du in der Liga von 30 Punkten 27 holst und alle Pokalspiele und Champions-League-Spiele gewinnst, ist das eine überragende Bilanz", sagte der Trainer angesichts von 15 Siegen in den 16 Pflichtspielen seit seinem Comeback.

"Wir müssen uns weiter steigern, dann bin ich zuversichtlich, dass wir nicht nur die Meisterschaft, sondern auch den Pokal-Wettbewerb gewinnen können."

Der Routinier weiß, dass nach der kurzen Weihnachtspause noch einige Arbeit bleibt, wenn der Rekordmeister so lange wie möglich auf drei Hochzeiten tanzen will.

SPORT1 nennt die wichtigsten Baustellen.

- Chancenverwertung

Für Heynckes war der Grund klar, warum es gegen den BVB noch eng wurde: "Wir haben es versäumt, den Sack zuzumachen. Das ist im Moment unser Manko, dass wir unsere Torchancen nicht nutzen."

Die Daten bestätigen das: Seit Heynckes' Dienstantritt nutzen die Bayern nur 35 Prozent ihrer Großchancen, das ist der schlechteste Wert der Vereinshistorie und bedeutet nur Platz 13 aller 18 Bundesligisten.

Aktuell ist Borussia Mönchengladbach mit einer Quote von 63 Prozent das effektivste Team, die Münchner lagen in den letzten Jahren im Durchschnitt zwischen 50 und 55 Prozent.

Um wieder auf solche Werte zu kommen, setzt Bayern in der Rückrunde auch auf Zugang Sandro Wagner, der in der Hinserie für Hoffenheim wettbewerbsübergreifend 17 Tore erzielte.

- Fitness

Heynckes wollte nach der Partie gegen Dortmund nicht mehr gegen Vorgänger Carlo Ancelotti nachkarten. "Ich würde nie sagen, dass die Mannschaft nicht fit gewesen ist. Ich arbeite schon anders als ein spanischer oder italienischer Trainer", erklärte er.

Allerdings war die geringe Trainingsintensität unter Ancelotti schon zuvor von mehreren Münchnern kritisiert worden und die vielen Muskelverletzungen aufgrund des erhöhten Umfangs seit Heynckes' Rückkehr sprechen eine eindeutige Sprache.

"Viel zu passiv": Boateng und Co. nach Zittersieg selbstkritisch

"Wir haben sehr viel verändert, den Trainingsumfang und die Intensität erhöht", bestätigte der Coach. Die körperlichen Defizite begründete er aber mit den zahlreichen Ausfällen: "Sehr viele Spieler waren verletzt, die müssen erst mal gesund werden, das ist das Problem."

Die Vermutung ist aber naheliegend, dass diese Verletzungen in vielen Fällen aus der mangelnden Vorbereitung unter Ancelotti herrühren.

Einzig Joshua Kimmich, Sebastian Rudy und Corentin Tolisso standen die komplette Vorrunde zur Verfügung - alle anderen fielen mal länger, mal kürzer aus.

- Automatismen

Dass Heynckes seine Spieler durch permanente Rotation bei Laune hielt, war auch den Personalproblemen geschuldet.

Hinzu kamen die Belastungen der englischen Wochen, ein Stammteam konnte sich so nicht etablieren. Das machte sich vor allem in der Defensive bemerkbar, oft fehlte die Abstimmung, die etwa unter Pep Guardiola noch meist traumwandlerisch sicher war.

"Fast vor jedem Spiel musste ich etwas ändern und improvisieren. Manchmal hatte ich nur zwei Stürmer", beklagte sich Heynckes.

"Also ist es wichtig, dass in der Rückrunde alle Spieler zur Verfügung stehen. Wir müssen natürlich noch weiter an den Automatismen arbeiten, auch im taktischen Bereich."

Die Zeit dafür ist allerdings knapp: Zwischen dem Beginn der Vorbereitung am 2. Januar und dem Rückrundenstart in Leverkusen (ab 20.30 Uhr im LIVETICKER) liegen gerade einmal zehn Tage.

- Wachheit

Auffällig war in der Hinserie, dass sich die Münchner vermutlich auch aufgrund der fehlenden Fitness immer wieder schöpferische Pausen nahmen.

Selbst Underdogs wie Freiburg, Mainz, Hannover oder Köln wurden durch solche Unaufmerksamkeiten zu besten Torchancen eingeladen, bei deren konsequenter Ausnutzung hätten die am Ende meist klar gewonnenen Partien auch anders verlaufen können.

Bei den Heimspielen gegen Paris Saint-Germain und Dortmund gefährdeten diese Schläfrigkeiten sogar den Sieg, obwohl die Bayern ansonsten klar die bessere Mannschaft gewesen waren.

"In der zweiten Halbzeit haben wir das Fußball spielen eingestellt", monierte Torhüter Sven Ulreich nach dem Duell gegen den BVB.

Und Jerome Boateng ergänzte: "Da waren wir viel zu passiv und zittern uns am Ende weiter. Daraus müssen wir lernen."

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