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Stefan Reinartz spielte bis 2015 für Bayer Leverkusen
Stefan Reinartz spielte bis 2015 für Bayer Leverkusen © Getty Images
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Ex-Bayer-Profi Stefan Reinartz hat eine klare Meinung zur Nachwuchsförderung der Vereine. Die Kritik von Mehmet Scholl an der Trainerausbildung kann er verstehen.

Mit bemerkenswerten Aussagen hatten Freiburg-Profi Nils Petersen und Mehmet Scholl in den letzten Wochen für reichlich Diskussionsstoff gesorgt.  

Petersen hatte sich zum vermeintlich niedrigen geistigen Niveau im Profifußball geäußert. "Die Fußballbranche ist oberflächlich, und wir Fußballer sind nicht so belesen", sagte der 28 Jahre alte Olympiazweite von Rio de Janeiro im Focus: "Salopp gesprochen, verblöde ich seit zehn Jahren, halte mich aber über Wasser, weil ich ganz gut kicken kann."

Reinartz verurteilt Nachwuchsarbeit

Leverkusens ehemaliger Profi Stefan Reinartz, der seine Karriere 2015 mit 27 Jahren beendete, kann die Kritik Petersens teilweise nachvollziehen. "Wir werden in den Nachwuchsleistungszentren zur chronischen Unselbstständigkeit erzogen", sagte der 28-Jährige in der ARD zur bei vielen Profis fehlenden Motivation, sich neben dem Leistungssport weiterzubilden.   

Reinartz ging in seiner Zeit als Fußball-Profi den genau umgekehrten Weg. Er konzentrierte sich nicht nur auf den Fußball sondern absolvierte während der aktiven Karriere ein Fernstudium und gründete seine ersten Start-ups. Seine Nebentätigkeit habe aber zu Unmut bei seinem ehemaligen Trainer Sami Hyypiä geführt. Der Finne habe ihm damals sogar geraten, das Studium abzubrechen, um sich noch mehr auf den Fußball konzentrieren zu können.

Der heutige Nachwuchs habe es aufgrund der Erziehung in den Jugendakademien schwer, sein eigenes Profil und andere Interessen neben dem Fußball zu entwickeln. Es sei aber nicht unmöglich, sich weiterzuentwickeln. 

"Systeme rückwärts furzen": Scholl attackiert Trainer

Reinartz pflichtet Scholl bei

Auch über die harsche Kritik von Mehmet Scholl an der deutschen Trainer- und Talenteausbildung und den sogenannten Laptop-Trainern wie Domenico Tedesco und Hannes Wolf hat Reinartz seine eigene Meinung. 

Scholl hatte bemängelte, dass das Individuum heutzutage keine Rolle mehr spiele: "Sie sind nicht wirklich an den Menschen und den Fußballern interessiert. Viel schlimmer: Diese ganzen Trainer gehen jetzt in den Nachwuchs, weil oben die Plätze begrenzt sind."

Des Weiteren fürchtet Scholl, die Basis zu verlieren: "Die Kinder dürfen sich nicht mehr im Dribbling probieren, sie kriegen nicht mehr die richtigen Hinweise, warum ein Pass nicht gelingt, warum ein Dribbling nicht gelingt, warum ein Zweikampf verloren wurde. Stattdessen können sie 18 Systeme rückwärts laufen und furzen."

Reinartz befürchtet Probleme in der Zukunft

Der ehemalige Profi befürchtet, dass der deutschte Fußball in den kommenden Jahren die Quittung für die derzeitige Ausbildung bekommt.

"Es ist tatsächlich so, dass das Spiel in Deutschland in den vergangenen Jahren sehr taktisch geprägt ist, von sogenannten Konzepttrainern. Was für den Profibereich durchaus Sinn macht, um auch taktisch das Letzte rauszuholen", sagte Reinartz, schränkte jedoch ein: "Ich glaube aber auch, dass das sehr stark auf den Juniorenbereich abgefärbt hat, wo man auch schon sehr viel taktisch trainiert. Und da leidet wiederum die individuelle Ausbildung drunter. Das könnte dazu führen, dass wir in zehn Jahren hier sitzen und sagen, 2017 haben wir falsch trainiert‘."

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