Nagelsmann will sich nicht verstellen
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München - Der Trainer der TSG Hoffenheim erklärt bemerkenswert offen, dass er nicht nach der Pfeife anderer tanzen will. Die Spekulationen über seine Zukunft befeuern diese Aussagen eher.

Die Spekulationen um einen baldigen Abschied von Trainer Julian Nagelsmann von der TSG Hoffenheim sind nicht neu.

Nun aber hat sie Nagelsmann selbst mit seiner Aussage am Sonntag nochmal kräftig befeuert. Die Frage, ob der begehrteste Coach in Deutschland bis 2019 bei der TSG bleibt oder nicht doch vorher seine Koffer packt und nach Dortmund oder München aufbricht, wird nun heißer diskutiert denn je.

Die Springer-Zeitungen Bild und Welt verkünden den Wechsel zum BVB zur neuen Saison jedenfalls bereits als Tatsache.

Ansonsten aber rechnen selbst die Hoffenheimer damit, dass Nagelsmann spätestens 2019 von seiner Ausstiegsklausel Gebrauch machen wird.

"Man nutzt sich ab"

"Wenn du als Verein in der Lage bist, dir alle drei Jahre eine neue Mannschaft zu leisten, dann kann ein Trainer auch zehn Jahre in einem Klub Erfolg haben. Irgendwann geht ansonsten die Originalität deiner Ansprachen verloren, man nutzt sich ab", sagte Nagelsmann der Heilbronner Stimme.

Es ist nicht zu erwarten, dass Hoffenheims Mäzen Dietmar Hopp seinem Trainer in der nächsten Saison einen komplett neuen Kader zur Verfügung stellen wird. "Wenn hier jemand Titelambitionen hätte, dann würde ich sagen: 'Sorry, da bin ich nicht der Richtige', stellte Hopp zuletzt klar.

Nagelsmann wäre im Juni 2019 seit etwa dreieinhalb Jahren Trainer in Hoffenheim. Geht es nach Hopp und Geschäftsführer Hansi Flick, muss der 30-Jährige mindestens bis dahin seinen Kontrakt erfüllen.

TSG-Mäzen Hopp besteht auf Nagelsmann-Verbleib

Nagelsmann legt nach

Ob Nagelsmann selbst das genau so sieht, ist die große Frage. Einerseits sagte er am Wochenende: "Wenn Dietmar Hopp und Hansi Flick möchten, dass ich den Vertrag erfülle, dann erfülle ich den."

Andererseits aber klingt das nicht so, als ob auch er selbst das gerne möchte.

Zumal er zu Wochenbeginn nachlegte. "Ich habe keine Lust darauf zu sein, wie andere es gerne hätten, sondern ich will sein, wie ich gerne sein möchte", sagte er da.

"Wenn irgendwann der Tag X eintritt, an dem ich mich extrem verstellen muss, dann mache ich es nicht mehr."

Distanzierung von der Mannschaft?

Die jüngsten Aussagen über seine Mannschaft beinhalten schon jetzt durchaus die Tendenz der Distanzierung. Nach dem 2:2 im Testspiel gegen das niederländische Mittelklasse-Team von Excelsior Rotterdam kritisierte er sein Team scharf.

"Einige Spieler waren gar nicht auf dem Feld. Ich bin nicht zufrieden mit dem, was wir abgeliefert haben", moserte Nagelsmann. 

Besonders die Offensivabteilung, die von nun an ohne den zum FC Bayern abgewanderten Sandro Wagner auskommen muss, schien ihm vor dem Spiel nicht richtig zugehört zu haben.

"Wenn wir es wie heute machen, wird es nicht erfolgreicher als Platz sieben."

Beim 1:4 gegen den SV Sandhausen am Sonntag unter Ausschluss der Öffentlichkeit lief es nicht besser, vielmehr kamen auch noch Defizite in der Defensive dazu. 

Reaktionen auf Bayern-Aussage nerven Nagelsmann

Dass er sich mit Fehlern auf diesem Niveau lieber nicht dauerhaft beschäftigen würde und auf Sicht gerne einen hochkarätigeren Klub wie den FC Bayern trainieren würde, hatte er im Herbst freimütig bekannt. Das hatte ihm reichlich medialen Gegenwind eingebracht.

"Wenn ich an die damalige Aussage bezüglich des Vereins aus Süddeutschland denke: Ich glaube, dass 99 Prozent der Trainer so denken - und wenn es dann einer ausspricht, ist es ein Riesenskandal", beschwerte sich Nagelsmann nun.

Es sei ihm damals nicht um die Schlagzeilen gegangen. Er habe es gesagt, "weil ich so denke". "Und wenn ich das mal nicht mehr so machen kann, dann werde ich halt Skilehrer oder mache irgendetwas ganz anderes."

Es sind nicht die ersten Aussagen des Trainer-Shootingstars in den letzten Tagen, der zum Trainingsauftakt vehement über Silvesterfeuerwerk geschimpft hatte, die aufhorchen lassen.

Offenbar hat er sich fürs neue Jahr vorgenommen, selber die Diskussionshoheit über seine Person - und damit auch seine Zukunft - zu übernehmen.

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