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Schwächen Teams wie der HSV den FC Bayern? © SPORT1-Grafik: Davina Knigge/Getty Images
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München - Der FC Bayern hat in der Bundesliga keine Gegner mehr. Die Spieler sehen sich nicht mehr voll gefordert. Gefährdet das die Ziele in der Königsklasse?

David Alaba ist in München ja allseits als Spaßvogel bekannt. Beim FC Bayern gibt es kaum einen Kollegen, der nicht schon mal Opfer seiner Streiche geworden ist. 

Vielleicht waren seine Zuhörer deshalb so verdutzt bei dem, was der gewitzte Österreicher ihnen dort am Samstagabend allen Ernstes glaubhaft zu machen versuchte. 

Alaba stand in der Mixed Zone und analysierte das 6:0 gegen den Hamburger SV. Es sei "nicht immer so einfach" gewesen in dieser Saison wie gegen den hoffnungslosen Abstiegskandidaten, sagte er. "Aber auch solche Gegner bringen uns weiter."

Die Reporter um ihn herum konnten einen Moment lang nicht sicher sein, ob sich Alaba nicht wieder einen Jux erlaubt.

Die 90 Minuten, über die der Verteidiger sprach, hatten kaum mehr als den Charakter eines Trainingsspiels gehabt. Wie genau dieser HSV zu einem Fortschritt des Münchner Spiels beigetragen haben sollte, erschloss sich nicht jedem Betrachter auf den ersten Blick.

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Unter den Bayern-Stars war Alaba auch so ziemlich der einzige, der dieser Partie etwas Positives für die Zukunft abgewinnen konnte.

Bayern in der Liga zu wenig gefordert

Thomas Müller war da schon wesentlich näher dran an der Wahrheit dieses Spiels. "Natürlich wurden wir nicht so gefordert, so ehrlich muss man sein", sagte der Angreifer.  

Müller brachte das zur Sprache, was seit Wochen und Monaten unverkennbar ist: Bayerns grenzenlose Überlegenheit in der Liga. Oder aber der fehlende Wettbewerb mit immer schwächer werdenden Teams. Das kann man sehen, wie man will. 

"Dass wir Meister werden, machen wir ja von Woche zu Woche klar", sagte Müller. Er hätte auch sagen können: Wir sind Woche für Woche weniger gefordert. 

Müllers Worte führen einen zwangsläufig zu der Frage, ob und inwieweit das überschaubare Niveau in der Bundesliga Bayerns Ziele in der Champions League gefährdet. 

Die Antwort darauf führt über wen sonst als den FC Bayern selbst. Seit 2013 ist der Rekordmeister national ohne Konkurrenz. Die Spieler führen in erster Linie einen Wettbewerb gegen sich selbst. Gegen sich und die nachlassende Motivation. Mit diesem Rivalen haben sie in den zurückliegenden Jahren nicht allzu gute Erfahrungen gemacht. 

Das gefährliche Spiel mit der Überlegenheit

Unter Pep Guardiola stand die Meisterschaft immer so früh fest, dass die Mannschaft in bedeutungslosen Ligaspielen irgendwann den Rhythmus verlor. Als es in der Champions League um alles ging, kam sie nicht mehr an ihr Top-Niveau heran. 

Inzwischen heißt der Trainer wieder Jupp Heynckes. Und der ist bekanntlich besonders gut darin, seine Spieler dahingehend zu führen, dass sie niemals Spannung und Fokussierung verlieren. Nicht in einem Spiel, nicht mal für eine Halbzeit.

Und wenn doch, dann wirkt Heynckes sofort entgegen.

Experten sind sicher: Heynckes spielt Spielchen

"Wir hatten so ein Phase nach dem 3:0, wo wir nachlässig waren", sagte Mats Hummels im Nachklapp des HSV-Spiels. "Das hat der Trainer in der Pause auch angesprochen und wir haben danach wieder Zug reingekriegt und deutlich aktiver und engagierter gespielt."

Heynckes, das Ad-hoc-Korrektiv. In dieser Rolle hat er die Bayern schon einmal zum Triple geführt. 

Motivationskünstler Heynckes der große Trumpf

Die Konsequenz, mit der der Trainer jede einzelne Partie angeht, könnte zum großen Trumpf werden bei allem, was die Münchner noch so vorhaben in den kommenden Wochen. 

Nach dem Achtelfinal-Rückspiel in der Champions League gegen Istanbul (Mi., ab 18.00 Uhr im LIVETICKER) geht es in der Liga gegen Leipzig und Dortmund. Danach steht bald das Viertelfinale in der Königsklasse und das Pokal-Halbfinale in Leverkusen an. Für Hasan Salihamidzic allesamt "große Spiele", die auch die Bayern tunlichst "in Top-Form" angehen sollten.

Große Sorgen, seine Stars könnten von Nachlässigkeit befallen werden, braucht sich der Sportdirektor nach derzeitigem Stand nicht zu machen. 

"Wie man sieht, gibt es bisher wenig Probleme, was die Motivation betrifft. Wir drücken auf die Tube", sagte Thomas Müller, bevor er ins Wochenende entschwand.

Der Ersatz-Kapitän hat bei sich und seinen Kollegen Fähigkeiten ausgemacht, die an sich Potential für Titel bieten: "Mentale als auch fußballerische Qualität."

Gepaart mit den Führungskünsten ihres Trainers sind die Bayern für die hehren Ziele im internationalen Geschäft bestens gerüstet. Trotz des schwachen Wettbewerbs in der Bundesliga.

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