-85 Grad! Götze gibt alles für den Kracher
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München - Nach seiner Ausbootung aus der Nationalelf und Peter Stögers Kritik muss Mario Götze liefern. Das Sorgenkind des BVB schreckt dabei vor besonderen Maßnahmen nicht zurück.

Drei Minuten hielt Mario Götze durch. Nur mit Mütze und Mundschutz ausgerüstet, verschwand das derzeit wohl größte Sorgenkind unter den Nationalspielern bei minus 85 Grad Celsius in der Kältekammer - und postete die Tortur auf Instagram. So als wolle er ganz Fußball-Deutschland beweisen, dass er sich im Kampf um ein WM-Ticket bis zum Letzten quälen muss.

Götze weiß, dass er jetzt Gas geben muss, am besten gleich am Samstag beim FC Bayern München (ab 18.30 Uhr im LIVETICKER). Einschließlich des Auftritts bei seinem Ex-Klub bleiben dem WM-Helden von 2014 nur noch sieben Spiele, um sich doch noch für einen Platz im 23er-Kader für Russland zu empfehlen.

Wie es BVB-Trainer Peter Stöger schildert, hat Götze den Kampf angenommen. "Er hat wohl auch die Info bekommen, was man sich von ihm erhofft und erwartet. Ich habe danach einen sehr guten und motivierten Eindruck von ihm gehabt. Er nimmt die Situation so an, wie sie ist", sagte der Österreicher auf der Pressekonferenz vor dem Topspiel.

Löws Unterstützung bröckelt

Jahrelang galt Mario Götze als einer der wichtigsten Bausteine für die Zukunft der deutschen Nationalelf. Kein Wunder: Schon seine Leistungen als Teenager ließen den Schluss zu, dass bei Borussia Dortmund ein kommender Weltstar heranreifen würde. 

"Eines der größten Talente, das wir je hatten" nannte ihn Matthias Sammer, der damalige DFB-Sportdirektor - künftig als Berater wieder beim BVB aktiv.

Als Götze am 13. Juli 2014, gerade mal 21 Jahre alt, im Finale gegen Argentinien die DFB-Elf zum vierten WM-Titel schoss, schien sich all das zu bestätigen. Das Super-Talent hatte offenbar den Durchbruch geschafft - selbst wenn es im ersten Jahr nach seinem Wechsel zum FC Bayern noch Anpassungsschwierigkeiten hatte.

Doch so war es nicht: Der Treffer zum 1:0 war für Götze mehr Fluch als Segen. Er verlor seine Leichtigkeit und konnte sich im Weltklassekollektiv des Rekordmeisters nicht durchsetzen.  

In dieser schweren Zeit stand Bundestrainer Joachim Löw aber felsenfest hinter seinem Schützling und ließ nichts auf Götze kommen. Auch als sich der Mittelfeldstar im vergangenen Jahr mit einer rätselhaften Stoffwechselkrankheit für eine Kur abmeldete - Löw hielt ihm die Tür offen. 

Doch je näher die Titelkämpfe in Russland heranrückten, desto mehr bröckelte Löws uneingeschränkte Rückendeckung. Für die Testspiele gegen Spanien (1:1) und Brasilien (0:1), die als wichtiger Fingerzeig für die Kader-Nominierung galten, wurde Götze nicht eingeladen.

"Er hat es verstanden"

Dem Nationaltrainer blieb nicht verborgen, dass vom größten deutschen Versprechen nicht mehr viel übrig geblieben ist. "Er muss aus dem Mittelfeld mehr in die Spitze gehen. Er muss zum Abschluss kommen, torgefährlich werden und mit vorne reingehen. Das macht er mir im Moment zu wenig", kritisierte Löw nach dem Spanien-Spiel in der ARD.

Abgeschrieben hat ihn Löw aber noch nicht. "Er hat es verstanden", sagte er. Und: "Natürlich schauen wir genau hin und beobachten auch in den nächsten Wochen ganz genau, wer uns überzeugt."

Von der Nicht-Berücksichtigung ließ sich Götze nicht die gute Laune verderben - zumindest nach außen hin. Beim gemeinsamen Training mit Usain Bolt scherzte er mit dem Leichtathletik-Superstar herum, in der unmittelbaren Vorbereitung auf das Spiel in München lachte er viel.

Tor und Tunnel! Bolt zockt im BVB-Training auf

Im Kampf um einen Champions-League-Platz käme ein Götze in Form natürlich auch Stöger gelegen - so wie nach seiner Kur. Da schien Götze endlich wieder aufzublühen, bevor sich im Winter nach einer Sprunggelenksverletzung die alten Dämonen zurückmeldeten.

Stögers öffentliche Schelte

Seine Leistungen in der Rückrunde sorgten für viele Fragezeichen, nicht nur bei Stöger und Löw. Beim Europa-League-Aus in Salzburg wechselte der BVB-Coach sein Sorgenkind bereits nach 45 Minuten aus - und zerriss ihn anschließend in aller Öffentlichkeit.

"Mit Mario waren wir überhaupt nicht zufrieden. Wir haben uns eine spielerische Linie erwartet, Positionen anzuspielen, Bälle in die Tiefe zu spielen, Laufwege zu machen hinter die Kette. Das ist ja tatsächlich überhaupt nicht passiert!", monierte der Coach bei SPORT1.

So knallhart kanzelt Stöger Götze ab

Ob sich Götze durch Stögers Kritik und Löws Nicht-Berücksichtigung tatsächlich angestachelt fühlt, bleibt nun die große Frage. "Er versucht, bei diesem Großereignis dabei zu sein und weiß, dass er noch die Möglichkeit hat", sagt der Dortmunder Trainer. 

Es bleibt zu hoffen, dass Götze doch noch die Kurve kriegt. Die Erinnerungen an seinen legendären Augenblick, als er den Ball aus kurzer Entfernung volley in die Maschen drosch und eine ganze Nation glücklich machte, ist auch vier Jahre später längst noch nicht verblasst.

Es war der Moment, den er am liebsten in einer Kältekammer eingefroren hätte.

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