So emotional verabschiedet sich Kovac von Eintracht
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München - Der Pokaltriumph mit Frankfurt gibt dem neuen Bayern-Trainer Niko Kovac einen Vertrauensvorschuss für seine Art zu arbeiten. Die Erwartungen der Vereinsbosse sind hoch.

Jupp Heynckes ist Geschichte beim FC Bayern.

Nach der Verabschiedungsarie an der Säbener Straße, der ordentlichen Übergabe der Geschäfte und einem letzten Essen mit den Bayern-Bossen kehrt der 73-Jährige auf den heimischen Bauernhof in Schwalmtal am Niederrhein zurück.

Heynckes macht damit Platz für seinen Nachfolger, denn die Zukunft beim deutschen Rekordmeister heißt Niko Kovac.

Der bisherige Coach von Eintracht Frankfurt soll die Mannschaft ab Juli weiter entwickeln und wieder möglichst lange um das Triple mitspielen lassen.

Robben und Wagner kündigen mehr Titel an

"Nächstes Jahr, das versprechen wir euch, stehen wir hier mit mehr als einem Titel", kündigte Arjen Robben am Sonntag auf dem Rathausbalkon an.

Und Sandro Wagner rief den rund 10.000 Fans auf dem Marienplatz zu: "Was die anderen uns dieses Jahr weggenommen haben, holen wir uns nächstes Jahr wieder!"

Keine WM: Das ist Robbens Ersatzprogramm für Wagner

Denn trotz der souveränen Meisterschaft ist man bei den Bayern nicht zufrieden mit der Saison, die mit zwei ebenso unnötigen wie bitteren Pleiten in der Champions League und im DFB-Pokal endete.

Das einzig Gute an der Niederlage im Cupfinale ist die Tatsache, dass Frankfurts Erfolgscoach Kovac als strahlender Sieger seinen neuen Job antritt.

Rummenigge: Pokalsieg stärkt Kovac

"Hätte er drei, vier Stück bekommen, wäre es ihm anders ausgelegt worden. Mit dem Sieg wird es seine Position hier ein Stück weit stärken", gab Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge auf SPORT1-Nachfrage zu:

"Mit den Möglichkeiten, die Eintracht Frankfurt hat, hat er 100 Prozent herausgeholt. Die Mannschaft hat sehr aggressiv und laufstark und mit großer Leidenschaft und großem Willen gespielt. Deshalb haben sie am Ende des Tages auch nicht unverdient gewonnen."

Die Leistung in Berlin war Kovac' Meisterprüfung, sein Team war taktisch und mental überragend eingestellt. Allerdings wird der Kroate diesen Underdog-Fußball mit wenig Ballbesitz, tiefem Pressing und schnellem Umschaltspiel bei Bayern nicht spielen lassen können.

Nimmt man seine Arbeit in Frankfurt als Maßstab, ist aber deutlich mehr taktische Flexibilität und wesentlich härtere konditionelle Arbeit als bisher zu erwarten. Den Vertrauensvorschuss für seine Art zu arbeiten hat sich Kovac durch den Pokalerfolg geholt.

"Er wird großen Erfolg haben"

"Wir sind von ihm total überzeugt", erklärte Rummenigge. "Er ist ein Mann, der Bayern sehr gut kennt und die DNA von Bayern München auch hat, weil er hier als Spieler war. Ich habe keine Sorge, dass er hier keinen Erfolg haben wird. Ganz im Gegenteil: Er wird großen Erfolg haben."

Die Erwartungshaltung ist aber nicht gerade klein, das machte Uli Hoeneß deutlich. Nach Ansicht des Präsidenten muss man ungeachtet der jüngsten Rückschläge personell nicht reagieren. "Wir werden mit diesem Kader in die neue Saison gehen und dann schauen, was Niko Kovac draus macht", sagte er.

Der neue Trainer müsse nur die Mannschaft "dazu bringen, besser zu spielen", ergänzte Hoeneß: "Wir brauchen den einen oder anderen Spieler, der in den wichtigen Spielen Höchstleistungen bringt - und nicht, wenn wir gegen die schwachen Gegner spielen, daran müssen wir arbeiten."

Trainingsauftakt schon am 2. Juli

Genug zu tun also für den Disziplinfanatiker Kovac, der zusammen mit seinem Bruder Robert und voraussichtlich weiter mit dem bisherigen Heynckes-Assistenten Peter Herrmann am 2. Juli zum Trainingsauftakt bitten wird - ein Woche früher als ursprünglich geplant.

Vom 23. bis 30. Juli geht es dann ohne die WM-Teilnehmer im Kader auf Promo-Tour in die USA, ehe Anfang August ein Grundlagen-Trainingslager am Tegernsee geplant ist.

Am 11. August kann Kovac seinen ersten Pokal als Bayern-Trainer holen: Beim Supercup - ausgerechnet in Frankfurt gegen seinen Ex-Klub.

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