Thiago lässt FCB-Zukunft offen
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München - Thiago würde nach SPORT1-Informationen gerne vom FC Bayern zum FC Barcelona zurückkehren. Doch vor einem Wechsel wären noch mehrere offene Punkte zu klären.

Wenn man dem Barca-Hausblatt Sport glauben darf, ist die Sache schon so gut wie entschieden.

"50 Millionen plus Digne – Bayern würde ein Angebot für Thiago akzeptieren", schrieb die Sportzeitung aus Barcelona am Donnerstag auf ihrer Titelseite.

Von den Münchnern gab es dazu keine Stellungnahme, zumal Sportchef Hasan Salihamidzic aktuell im Urlaub in Florida weilt.

Ohnehin ist eine endgültige Entscheidung noch lange nicht in Sicht, der Poker um Thiago hat gerade erst begonnen.

Thiago würde gerne zurück zu Barca

Der 27-Jährige würde nach SPORT1-Informationen sehr gerne zu seinem Heimatverein Barcelona zurückkehren, zumal dort auch die Familie ihren Lebensmittelpunkt hat.

Und der deutsche Rekordmeister wäre bei einer entsprechend hohen Ablösesumme verhandlungsbereit - was der frühere FCB-Profi Thomas Strunz nachvollziehen kann.

"Die Bayern sind nominell mit drei zentralen Mittelfeldspielern für ihr Spielsystem sehr gut besetzt. Martinez, Rudy, Tolisso, Vidal, James, auch Müller können da spielen", erklärte der Doppelpass-Experte im Gespräch mit SPORT1:

"Es gibt da einige Alternativen und daher eigentlich ein oder zwei Spieler zu viel. Ein Verkauf von so einem Mittelfeldspieler, egal ob das jetzt Thiago ist oder ein anderer, würde durchaus Sinn machen."

Perfekter Ersatz für Iniesta

Sportlich wäre das Barca-Eigengewächs ein nahezu perfekter Ersatz für die zu Vissel Kobe abgewanderte Klubikone Andres Iniesta, der ihm bei der WM in Russland vermutlich zum letzten Mal den Platz in der spanischen Startelf wegnimmt.

Die wichtigen Teamkollegen, von denen Thiago fast alle aus dem Verein oder der Nationalmannschaft gut kennt, sollen sich kürzlich vehement für eine Rückholaktion beim Vorstand ausgesprochen haben.

Trainer Ernesto Valverde und Manager Roberto Fernandez, der mit Thiagos Vater und Berater Mazinho befreundet ist, sähen den Achter ebenfalls wieder gerne in den Reihen der Katalanen.

Doch Präsident Josep Maria Bartomeu und Sportchef Josep Segura sollen den Transfer wesentlich skeptischer sehen. Zum einen, weil man vor allem mit Blick auf die eigenen Talente eigentlich keinen Spieler zurückholt, der Barca aus finanziellen Gründen verlassen hat.

Zum anderen, weil das Verhältnis zwischen Bartomeu und Vater Mazinho nach dem Abschied des zweiten Sohnes Rafinha zu Inter Mailand als angespannt gilt. Und auch, weil man in der Vergangenheit schon öfter bei Rückholaktionen danebenlag. Zuletzt bei Cesc Fabregas, der nie so auftrumpfte wie zuvor beim FC Arsenal.

Ablöse zwischen 70 und 90 Millionen

Vor allem aber wollen die Vereinsbosse nicht die im Raum stehende Ablöseforderung der Bayern zwischen 70 und 90 Millionen Euro akzeptieren, zumal sie vor fünf Jahren gerade mal 25 Millionen aus München kassierten.

Daher nennt die Zeitung Sport nun eine Summe von 50 Millionen plus Linksverteidiger Lucas Digne als vermeintliche Lösung. Doch ob der deutsche Rekordmeister tatsächlich Interesse an dem Franzosen hat, ist fraglich.

Schließlich hat David Alaba gerade erst den Wechselgerüchten eine klare Absage erteilt, zudem hat der treue Backup Rafinha vor wenigen Wochen seinen Vertrag verlängert.

Und Digne, der seit März nur noch zwei Pflichtspiele bestritt und daher die WM verpasste, will ja gerade deshalb Barca verlassen, weil er dort hinter Jordi Alba die klare Nummer zwei auf seiner Position ist. Das wäre in München nicht anders, daher erscheint ein Transfer zu den ebenfalls gehandelten Serie-A-Klubs Juve oder Inter wahrscheinlicher.

ManCity-Coach Guardiola lockt

Daher könnte Thiago am Ende in England landen, wo sein Ex-Coach Pep Guardiola nach wie vor an einer erneuten Zusammenarbeit interessiert ist. Und die geforderte Ablöse wäre für Manchester City ebenfalls kein Problem.

"Der FC Barcelona oder Manchester City sind beides Riesen-Klubs, wären große Herausforderungen und hätten für ihn sicher einen extremen Reiz", meint Strunz. "Dass er ein phantastischer Spieler ist, das ist keine Frage. Aber wirtschaftlich wäre es natürlich ein Gewinn für die Bayern."

Und was sagt der Umworbene selber? "Meine Zukunft ist sonnenklar", antwortete er auf eine entsprechende Frage nach dem 1:1 mit Spanien gegen die Schweiz: "Wir fahren jetzt nach Madrid und ruhen uns aus und bereiten uns dann auf unser erstes WM-Spiel vor."

Das ist am 15. Juni gegen Europameister Portugal – und bis dahin wird sicher keine Entscheidung fallen, wo Thiago nächste Saison spielt.

Der Poker hat ja gerade erst begonnen.

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