Das sagt Kovac über Goretzkas Schalke-Rückkehr
teilenE-MailKommentare

München und Gelsenkirchen - Die vierte Bayern-Gala in Folge! SPORT1 analysiert, warum die Münchner so dominant sind - und welche Schwächen die Gegner nutzen müssen, um zu gewinnen.

"Ich kann mir ganz schwer vorstellen, dass sie mal ein Spiel verlieren. Das geht nicht nur Schalke 04 so. Das geht auch den Kollegen so, die über uns stehen. Die sehen es genauso."

Es sind Worte wie die von Schalkes Sportvorstand Christian Heidel, die im Kern ausdrücken, mit welchem Problem sich die Bundesliga momentan konfrontiert sieht. Es ist die Übermacht des FC Bayern und die Ohnmacht seiner Herausforderer. 

Wenn selbst Vizemeister Schalke, wie am Samstagabend bei der 0:2-Heimpleite gegen den deutschen Meister geschehen, im Grunde chancenlos ist, gibt das zu denken. Zu Recht stellte Bayerns Sportdirektor Hasan Salihamidzic nach dem vierten Sieg im vierten Ligaspiel fest: "Wir haben es wirklich sehr, sehr gut gemacht. Es war eine Demonstration."

Übermacht Bayern: SPORT1 analysiert, warum die Münchner derzeit (noch) keiner stoppen kann.

Kader

16 gesunde Feldspieler stehen Niko Kovac aktuell nur zur Verfügung. Klein, aber fein. Durchgehende Extraklasse auf allen Positionen.

Nach den Verletzungen von Kingsley Coman, Corentin Tolisso und Rafinha sind die Bayern trotzdem auf nahezu jeder Position doppelt besetzt. Der Trainer setzt bekanntermaßen auf Rotation, signalisiert damit auch den Nicht-Stammspielern, dass sie jederzeit ihre Chance bekommen und mit Einsatzzeit rechnen können.

Das schürt den Konkurrenzkampf, kein Spieler kann sich auch nur eine Minute ausruhen. Auch ein Grund, warum selbst Franck Ribery stinkig ist, wenn er in der 84. Minute auf Schalke raus muss.

Dominantes Spiel

Von der leidigen Ballbesitz-Diskussion im Sommer (zeitgemäß oder nicht?) haben sich die Münchner nicht anstecken lassen. Sie profilieren sich über eben jenen Ballbesitz, eine hohe Passquote und die aktuelle Fähigkeit, im richtigen Moment auf Offensive zu schalten.

Im Schnitt hatten sie in bisher vier Ligaspielen 66 Prozent Ballbesitz. Auffällig ist auch, wie die Bayern von Beginn an Vollgas geben und den Gegner unter Druck setzen - auch auf Schalke.

"Wie Bayern losgelegt hat, da schaut man schon mit Ehrfurcht hin", sagte Heidel: "Die Überlegenheit der Bayern ist in allen Bereichen frappierend. Das ist einfach eine Weltklasse-Mannschaft."

Hünen-Abwehr

Stets abwechselnd besetzen die Nationalspieler Süle (1,95 Meter/97 Kilo), Boateng (1,92 Meter/90 Kilo) und Hummels (1,91 Meter/92 Kilo) die Innenverteidigung der Bayern. Und was machte Schalke? Probierte es zumeist mit langen Bällen und wunderte sich, dass diese abgefangen wurden.

"Wir haben es nicht geschafft, an Süle und Hummels vorbeizukommen. Die beiden waren schwer zu überspielen. Wir haben es über die Sechs versucht, mit Long-Line-Bällen der Außenverteidiger und gewissen Chip-Bällen hinter die Kette. Das haben sie aber alles weggeköpft", stellte S04-Trainer Domenico Tedesco fest.

Warum also forcierte er nicht das Kurzpassspiel? Weil den Königsblauen auch schlichtweg die spielerische Klasse fehlt, den Spielaufbau in die Hand zu nehmen. Auch die vorherigen Bayern-Gegner Leverkusen, Stuttgart und Hoffenheim kamen kaum ins Spiel und gaben die Bälle, wenn sie sie mal hatten, viel zu schnell her.

Auffällig ist aber, dass die Bayern-Hünen nicht durchgängig ohne Fehler spielen. Hummels etwa, sofern er denn mal in Bedrängnis kommt und angelaufen wird, hat in seinem Spiel immer mal wieder Fehlpässe drin - auch auf Schalke. Auch Süle und Boateng lassen sich durchaus unter Druck setzen. Die Gegner trauen sich aber viel zu selten, die Bayern-Defensive anzupressen.

Gegenpressing

Offensichtlich ist, wie heiß die Bayern derzeit auf die Balleroberung sind. Schalke hatte bei eigenem Ballbesitz kaum Zeit, um mal durchzuatmen. "Ich muss die komplette Mannschaft loben, was wir offensiv gemacht haben, aber auch defensiv gegen den Ball. Wir haben ganz schnell die Bälle zurückgeholt, die wir vorne verloren haben", sagte Kovac anerkennend.

Wie das auf dem Platz aussieht: Gegenspieler werden beim eigenen Ballverlust direkt angelaufen, teilweise gedoppelt. Vor allem Alaba und Kimmich setzen auf den Flügeln direkt zu. Vorne gibt oftmals Müller das Kommando zum Anlaufen. Der Lohn: Im Schnitt gewannen die Münchner in bisher vier Ligaspielen 55 Prozent ihrer Zweikämpfe.

ANZEIGE: Jetzt das neue Trikot von Schalke oder Bayern kaufen - hier geht es zum Shop

Dass die Bayern derart aggressiv gegenpressen, ist vor allem ein Verdienst von Kovac, der eben dieses Verhalten auch in der Vorbereitung immer wieder trainieren ließ. Zudem wird das laufintensive Spiel der  Bayern durch ihre Fitness gefördert. Bereits jetzt zahlt sich aus, dass die Bayern in der Vorbereitung knüppelhart schufteten.

Grätschende Edeltechniker

Wer glaubt, dass die Bayern durchweg in Schönspielerei aufgehen, täuscht sich. Kovac hat es sogar geschafft, dass Edeltechniker wie Thiago oder James nahezu keinen Zweikampf scheuen.

Sie grätschen, nehmen die Kopfballduelle defensiv wie offensiv an und zeigen ein hohes Laufpensum. Auch deshalb avanciert Thiago immer mehr zur echten Waffe im defensiven Mittelfeld und auch deshalb macht sich James (zwei Tore und ein Assist in den letzten drei Ligaspielen) unverzichtbar.

Bank-Lust statt Mega-Frust

Kovac parkt seine Stars regelmäßig auch mal auf der Ersatzbank. Nicht, um sie für Fehler abzustrafen wie er zuletzt selbst klar machte. Vielmehr gönnt er seinen Spielern auch mal Ruhepausen. Da aber selbst Oldies wie Robben und Ribery insgeheim keine Lust auf Pausen haben, brennen sie auf ihre Einsätze. Kritik an den Kovac-Maßnahmen gibt es derzeit nicht.

"Wir bleiben sauber!" Tedesco macht Di Santo Ansage

Selbst Spieler mit kaum Einsatzzeiten wie Sandro Wagner halten sich zurück. Niemand meckert öffentlich. Würde auch nichts bringen, denn Kovac fährt einen Sieg nach dem anderen ein. Die Bayern-Stars wissen das. Ihnen bleibt also nichts anderes übrig als die Rotation zu akzeptieren und Gas zu geben.

"Der Trainer macht es sehr gut mit der Rotation. Die Spieler ziehen gut mit. Wir haben eine gute Atmosphäre. Daher kommen solche Ergebnisse raus", sagt Salihamidzic.

Schwächen?

Die Bayern haben, man glaubt es kaum, aber auch Schwächen. Immer dann, wenn sie einen Gang runterschalten oder den Hang zur Überheblichkeit haben, lassen sie ihre Gegner ins Spiel kommen - wie auf Schalke.

Mal spielte Hummels mit dem Außenrist Pässe ins Nichts oder unbedrängt in den Fuß des Gegenspielers (26. Minute zu Uth), mal trennte sich Thiago in der eigenen Hälfte zu langsam vom Ball und verhaspelte sich im Zweikampf. Leisten sich die Bayern wie in Stuttgart indes kaum einen Fehler wie in Stuttgart, ist der Gegner chancenlos.

Und dann ist es, wie Heidel sagt, tatsächlich schwer vorstellbar, dass sich die Münchner in naher Zukunft in der Bundesliga bezwingen lassen.

Nächste Artikel
previous article imagenext article image