Zorc hat englische Top-Talente im Visier
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München - Nach dem Erfolg von Jadon Sancho beim BVB richten die Bundesliga-Späher immer mehr Augenmerk auf den englischen Markt. Dort wird nun Alarm geschlagen.

Jadon Sancho hat es bei Borussia Dortmund mit starken Leistungen vorgemacht, Reiss Nelson von der TSG Hoffenheim ist nachgezogen - und mit Keanan Bennetts steht bei Borussia Mönchengladbach ein weiteres Juwel aus der englischen Premier League in den Startlöchern.

Alle drei Akteure haben eines gemeinsam: Die Talente flüchteten mangels Perspektive von der Insel und heuerten in der Bundesliga an, wo sie sich größere Chancen auf Einsätze ausrechneten - ein Plan, der zumindest bei Sancho und Nelson bislang hervorragend aufgegangen ist.

Die Bundesliga-Klubs hoffen nun, dass sich weitere englische Hoffnungsträger von den beiden inspirieren lassen. Ein Trend, der auf der Insel mit Sorge registriert wird.

BVB-Manager Zorc spricht von "großer Chance"

Wie die Sun berichtet, waren am Dienstag Späher von allen 18 Bundesligisten beim 3:1-Sieg der englischen U17 gegen Brasilien zugegen.

Das Boulevard-Blatt schlug sogleich Alarm: Ein deutscher "mega-raid" (Mega-Raubzug) drohe, mit typisch britisch-humoriger Note werden die Bundesliga-Manager aufgefordert: "Hans off!" - ein Wortspiel mit dem in England immer noch als typisch deutsch empfundenem Vornamen und dem Ausruf "Hands off" - Hände weg!

Das dürfte ein frommer Wunsch bleiben: Michael Zorc, Sportdirektor von Borussia Dortmund, legte am Donnerstag bei der BVB-PK stattdessen nahe, dass gerade mehr deutsche Hände denn je auf den englischen Ladentisch greifen.

"Bislang galt es ja fast als ausgeschlossen, englische Talente in die Bundesliga zu transferieren", sagte Zorc. "Dabei bietet sich eine große Chance, insbesondere bei den Topklubs. Durch die dortige Finanzkraft wird öfters eher nochmal ein Etablierter geholt, die Durchlässigkeit ist da nicht so gegeben."

Dem BVB werden regelmäßig Ambitionen auf weitere Deals mit englischen Talenten nachgesagt, Manchester Citys Phil Foden etwa oder West Hams Declan Rice. Gerüchte, die Zorc wie gewohnt unkommentiert ließ.

England-Youngster immer erfolgreicher

Doch nicht nur der BVB schickt seine Späher regelmäßig nach England, auch bei den anderen Bundesligisten rücken englische Talente immer stärker in den Fokus.

Die herausragende englische Nachwuchsarbeit trägt in den letzten Jahren immer mehr Früchte, so wurde England 2017 U17- und U20-Weltmeister sowie U19-Europameister.

Doch mit dem Übergang vom hoffnungsvollen Talent zum Leistungsträger im Erwachsenenbereich ist es so eine Sache bei dem gigantischen Konkurrenzdruck in der Premier League: Aus dem U17-Team erhält einzig Morgan Gibbs-White bei den Wolverhampton Wanderers regelmäßige Einsatzzeiten, in der Bundesliga bieten sich da bessere Aussichten, auch bei besseren Teams Erfahrungen zu sammeln.

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Jadon Sancho als leuchtendes Beispiel

"Es ist klar, dass die deutschen Klubs die größten Talente in England auf dem Schirm haben", zitiert die Sun einen anonymen "Top-Agenten": "Es hat sich herumgesprochen, die Klubs können den Talenten, die Jahre bräuchten, um sich in der Premier League zu etablieren, regelmäßige Einsätze offerieren."

Zudem sei "das Risiko, eine Ausbildungsentschädigung zahlen zu müssen, gering, wenn man bedenkt, dass die Spieler in einigen Jahren Stars sein könnten".

Sancho ist das schon jetzt: Er eroberte die Bundesliga im Sturm, debütierte auch jüngst mit 18 Jahren in Englands Nationalmannschaft.

Auch für den Hoffenheimer Nelson läuft es nach eigenen Angaben bestens: Es sei sein Ziel, "mich in der Bundesliga zu beweisen und dann hoffentlich bei Arsenal in die Premier League zurückzukehren". Bis jetzt laufe "alles nach Plan".

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