So tickt Matthias Sammer
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München - Als Erfolgsgaranten im Hintergrund bringen Matthias Sammer und Sebastian Kehl Borussia Dortmund zurück in die Spur. Ihre Handschrift ist deutlich erkennbar.

Da war er wieder, der typische Matthias Sammer. Einen Tag nach dem verrückten 4:3 gegen Augsburg, bei dem Borussia Dortmund die Südtribüne wie zu besten Meisterzeiten zum Beben gebracht hatte, gab Sammer mal wieder den Mahner.

"Jetzt wird der eine oder andere sagen: Was hat er denn wieder? Aber wenn ich es kritisch betrachte: Auf absolutem Spitzenniveau wird das auf Dauer nicht immer gut gehen", sagte Sammer bei Eurosport und fügte hinzu: "Es ist vieles in Ordnung, aber nicht alles Gold, was glänzt."

Genau für solche Aussagen, für diese Haltung, haben Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke und Sportdirektor Michael Zorc den früheren Dortmunder Meisterspieler und –trainer im Frühjahr 2018 als externen Berater gewonnen.

Es war ja turbulent zugegangen in den Monaten zuvor. Ousmane Dembele hatte sich zum FC Barcelona gestreikt. Pierre-Emerick Aubameyang jettete gerne nach Mailand und nahm es mit den Zeiten für Training und Besprechungen nicht allzu genau, bevor er im Winter zum FC Arsenal wechselte. Und mit Peter Bosz und Peter Stöger agierten zwei Trainer mit mehr oder weniger großem Erfolg, bevor im Sommer Wunschtrainer Lucien Favre kam.

BVB-Kader punktgenau verstärkt

In dieser Phase haben Watzke und Zorc genau hingeschaut und ihre Lehren gezogen. Erfolg erwächst ja nicht selten aus Misserfolg. Oder umgekehrt – wie Sammer gerne betont.

Auf jeden Fall haben die BVB-Bosse mit Sammer und Sebastian Kehl als neuem Leiter der Lizenzspieler-Abteilung gegengesteuert. Zwei Personalentscheidungen, die erheblichen Einfluss haben auf den aktuellen Erfolg des BVB.

Mit Sammer als Berater und "Transferflüsterer" wurde der Kader punktgenau verstärkt. Insbesondere der belgische WM-Dritte Axel Witsel gibt den jungen Wilden um ihn herum mit seiner Ruhe, Erfahrung und Spielintelligenz die nötige Stabilität.

Matthias Sammer (l.) und Hans-Joachim Watzke wollen den BVB wieder zu alten Erfolgen führen
Matthias Sammer (l.) und Hans-Joachim Watzke wollen den BVB wieder zu alten Erfolgen führen © Getty Images

Kehl harmonisiert das Binnenklima

Und Kehl sorgt für das notwendige Binnenklima. Torhüter Roman Bürki schwärmte zuletzt von der wunderbaren Stimmung innerhalb der Mannschaft. Die Disziplin sei gut – anders als teilweise in der vergangenen Saison.

Auch ein Verdienst von Kehl, der die drei Jahre zwischen dem Abschied als aktiver Fußballer und der Rückkehr zum BVB genutzt hat. Nach einer längeren Weltreise absolvierte er unter anderem ein Studium im Bereich Sportmanagement bei der UEFA, erwarb die Trainer-A-Lizenz und war in der neuen DFB-Akademie für das sogenannte Spieler-Mentoring im Einsatz.

Nun fungiert der langjährige Kapitän in der goldenen Ära unter Jürgen Klopp beim BVB als Bindeglied zwischen Mannschaft und Vereinsführung. Für die jungen Spieler ist er so etwas wie der große Bruder, der Verständnis aufbringt und auch mal die Seele streichelt, aber einem auch die Meinung geigt.

Selbst Götzes Wiedereingliederung klappt

"Was ich mit den Spielern bespreche, bleibt unter uns. Ich will Vertrauen aufbauen und eine Bindung schaffen, die geprägt ist von Offenheit, Ehrlichkeit und Kommunikation", hatte Kehl zuletzt im Interview mit der Sport-Bild gesagt: "Gleichzeitig habe ich in den Gesprächen die Möglichkeit zu erklären, wo ich ihnen helfen kann und was wir als Verein von ihnen erwarten."

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Dass die von Favre praktizierte Rotation in Dortmund – im Gegensatz zu den Bayern unter Kovac – derzeit so prächtig funktioniert, darf sich auch Kehl als Verdienst zuschreiben. Es gibt niemanden, der quer schießt oder schmollt, zumindest nicht öffentlich. Selbst um Mario Götze blieb es nach wochenlanger Nichtberücksichtigung intern ruhig.

Mario werde für den BVB noch viele gute Spiele machen, hatte Kehl unlängst prognostiziert. Götze selbst reagierte professionell, bot sich im Training an – und hatte mit seinem Tor zum 3:2 gegen Augsburg bei seinem ersten Bundesligaeinsatz in dieser Saison einen maßgeblichen Anteil am späteren Sieg.

Kehls Vorgaben: "Ambitioniert, leidenschaftlich und miteinander"

In München schauen sie gerade durchaus neidisch zum wiedererstarkten Erzrivalen nach Dortmund. Einen wie Kehl oder Sammer, der einst beim FC Bayern Fehlentwicklungen rigoros erkannte und behob, könnten sie gut gebrauchen im Augenblick. Hasan Salihamidzic hinterlässt in dieser Funktion augenscheinlich nicht den besten Eindruck.

Kehl hat dagegen in kurzer Zeit Disziplinlosigkeiten der Spieler abgestellt. Pünktlichkeit, Sprache und Handynutzung sind klar geregelt. Dazu steht das "Wir" wieder über allem. Was der BVB von seinen Spielern erwartet, benennt Kehl knapp in drei Worten. Sie sollen "ambitioniert, leidenschaftlich und miteinander" auftreten. Vorgaben, die die Spieler mustergültig umsetzen.

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