In voller Länge: Bayerns Bosse rechnen ab
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München - Bayerns Bosse sprechen bei ihrer Wut-PK auffällig wenig über Niko Kovac. Das kann strategische Absicht gewesen sein - und dennoch nach hinten losgehen.

Es ist etwas untergangen am Freitag, aber: Auch Niko Kovac hat eine Pressekonferenz gehalten.

Vor dem richtungweisenden Bundesliga-Spiel beim VfL Wolfsburg sagte der Trainer des FC Bayern München dort unter anderem den Satz: "Wenn's mal nicht läuft, nicht alles auf den Kopf stellen. Dann das ist Aktionismus, das bringt keinen Erfolg." (Bundesliga: VfL Wolfsburg - FC Bayern München, ab 15.30 Uhr im LIVETICKER)

Ein Satz, bei dem es um Kovac' sportliche Linie ging. Der aber im Nachhinein einer gewissen Komik nicht entbehrt, nach der denkwürdigen Folge-PK mit Kovac' Bossen Uli Hoeneß, Karl-Heinz Rummenigge und Hasan Salihamidzic eine Stunde später.

Eine Aktion, mit der die Abteilung Attacke Kovac nicht unbedingt einen Gefallen getan haben.

FC-Bayern-Bosse könnten ihr Ziel verfehlen

Das Führungstrio hatte gewiss die Absicht, mit ihrem Rundumschlag gegen Medien und Kritiker die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen und damit Spieler und Trainer inmitten der sportlichen Krise aus der Schusslinie zu nehmen.

Ob das allerdings auch gelungen ist: Darüber lässt sich streiten.

Nur Salihamidzic spricht über Kovac

Was auffiel bei der PK: Rummenigge und Hoeneß wandten viel Zeit und viele Worte auf, ihre in die Kritik geratenen Leistungsträger wie Manuel Neuer, Mats Hummels und Jerome Boateng zu verteidigen. Über Kovac dagegen sprachen sie nicht.

Rummenigge in Rage: "Unverschämt! Polemisch! Respektlos!"

Das kann bewusst passiert sein, ein Trainer, der zu oft von seinen Bossen verteidigt werden muss, sieht am Ende vor der Öffentlichkeit eher schwächer als stärker aus.

Das verdeutlichte indirekt auch Sportdirektor Salihamidzic, der als einziger über Kovac sprach - um sich zu rechtfertigen, dass er ihm nicht mehr öffentliche Rückendeckung gibt ("Wir müssen uns doch nicht öffentlich ein Küsschen geben").

Hoeneß und Rummenigge: Alibi für die Spieler?

Ein ungünstiger Eindruck kann trotzdem entstehen, wenn Hoeneß und Rummenigge sich mit flammenden Appellen vor ihre Spieler werfen, vor ihren Trainer aber nicht.

Noch ein anderes Risiko, das die PK für Kovac birgt: Die Spieler können sie als Alibi auffassen, als Rechtfertigung ihrer bisherigen Leistungen statt als Aufforderung sie zu verbessern.

Vor allem aber verdeutlicht die Massivität der Reaktion der Bosse, als wie ernst sie die momentane Lage ihres Klubs empfinden müssen. Ein Umstand, der dann doch wieder auf Kovac zurückfällt - der am Ende die Verantwortung dafür übernehmen muss. "Den Kopf hinhalten", wie Hoeneß selbst es zu Beginn des Monats formuliert hat.

Kredit ist begrenzt

Zwar hat Hoeneß - treibende Kraft hinter Kovac' Verpflichtung als Nachfolger von Jupp Heynckes - vor der Länderspielpause versichert, er stehe "wie eine Eins" hinter Kovac, "egal was in den kommenden Wochen passieren wird". Bei näherer Betrachtung ist das aber kein sehr langer Zeitraum.

Kovac hat noch Kredit, so viel ist klar, auch ohne dass es Hoeneß und Rummenigge auf der PK wiederholen mussten.

Klar ist aber auch: Er muss die Bayern-Führung in den kommenden Wochen davon überzeugen, dass er den Kredit auch wert ist. In Wolfsburg sollte er damit anfangen.

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