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Willi Schulz (r.) bekämpfte Pele unter anderem beim deutschen 1:2 gegen Brasilien 1963
Willi Schulz (r.) bekämpfte Pele unter anderem beim deutschen 1:2 gegen Brasilien 1963 © Imago
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Hamburg - Erst knochenharter Ausputzer, dann gewiefter Geschäftsmann und scharfzüngiger Kolumnist: "World-Cup-Willliii" Schulz feiert seinen 80. Geburtstag.

Seine Lieblings-Anekdote geht so: "Als ich von Schalke zum HSV bin", erzählt Willi Schulz bis heute gern, "haben die Fans meine Kneipe boykottiert und ihr Bier nebenan in der Trinkhalle getrunken. Die wussten bloß nicht, dass mir die auch gehörte." Eine Ruhrpottschläue, die bis heute aus den Augen des dreimaligen WM-Teilnehmers blitzt.

Am heutigen Donnerstag feiert der einstmals sogar von Pele gefürchtete Ausputzer seinen 80. Geburtstag. In seinen besten Jahren in der Nationalmannschaft räumte der gebürtige Wattenscheider hinter Kaiser Franz Beckenbauer mit seinen beiden Eisenfüßen mächtig auf, zum letzten Mal bei der legendären 3:4-Niederlage nach Verlängerung im WM-Halbfinale 1970 in Mexiko-Stadt gegen Italien. 

Große Karriere ohne Titel

Schon 1966 in England war "World-Cup-Willliii", wie er in Anlehnung an das WM-Maskottchen genannt und gerufen wurde, dicht dran am WM-Titel, konnte aber auch nicht das geschichtsträchtige Wembley-Tor im Endspiel gegen den WM-Gastgeber (2:4 n.V.) verhindern.   

Auch beim HSV, für den er von 1965 bis 1973 die Stiefel schnürte, blieb Schulz ohne Titel, sein persönliches Highlight war das Europapokalfinale 1968, das gegen den AC Mailand mit 0:2 verloren ging.

Vom beinharten Verteidiger zum Geschäftsmann

Nach seiner Karriere als Fußballprofi verdiente der gelernte Feinmechaniker in der Versicherungsbranche gutes Geld, von 2004 bis 2008 gehörte er dem HSV-Aufsichtsrat an.
Wie bei seinen runden Geburtstagen üblich, ist Schulz wieder einmal "geflüchtet" - diesmal nach Irland zu seinem dort lebenden Sohn.

Und vielleicht auch vor der traurigen Situation um den HSV, die am Sonntag beim tor- und trostlosen Hamburger Zweitliga-Derby im Volksparkstadion gegen den FC St. Pauli eskalierte. "Das macht einen nicht gerade froh", sagte Schulz.

Schulz hatte immer eine klare Meinung

Was ein Stück weit altersmilde klingt, wenn man die scharfzüngigen Kolumnen des kantigen Verteidigers in der Welt am Sonntag in Erinnerung hat. Schulz schonte nichts und niemanden, hatte immer eine glasklare Meinung. Weit öfter als vielen HSV-geneigten Lesern lieb war, nahm er die Kabalen rund um Raute und Rothenbaum aufs Korn.

"So sind wir eben im Pott: Gerade heraus und ehrlich", begründete Schulz seinerzeit derlei Verbalattacken, mit denen er das Stimmungsbild in der Hansestadt oft maßgeblich prägte und beeinflusste. Dass sich viele Leser seine Meinung zu eigen machten, war ihm nicht unrecht.

Dennoch auch eine Erfahrung, die er, lakonisch wie er oftmals war, grammatikalisch ein wenig schief und doch prägnant zusammenfasste: "Je mehr du davon schreibst, desto andere kommen darauf."

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