Trainer, Sportdirektor, Stars: Doppelpass diskutiert FCB-Krise
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München - Die Bayern rutschen zurück in den Krisen-Modus - und das vor dem Kracher beim BVB. SPORT1 zeigt die Probleme rund um das Team und Trainer Kovac.

Wohin geht die Reise des FC Bayern und wie geht es für Trainer Niko Kovac weiter?

Die Münchner sind nach zehn Spieltagen im Krisen-Modus. In der Bundesliga liegen sie vier Punkte hinter Borussia Dortmund. Aktuell überwiegt der Eindruck, dass es einige Baustellen und Brandherde rund um die Mannschaft und ihren Trainer gibt.

SPORT1 gibt eine Übersicht.

Schwacher Sportdirektor

Wie Kovac steht auch Hasan Salihamidzic zunehmend in der Kritik. Nicht allein, weil die Personalpolitik des Sommers auch auf ihn zurückfällt (kleiner Kader, kaum Neuzugänge).

Als Sportdirektor schafft er es in der prekären Lage aktuell nicht, für Ruhe zu sorgen. Zwar kritisiert er öffentlich spielerische Mängel, verzichtet aber darauf, die Mannschaft in die Pflicht zu nehmen und ein Schutzschild um Kovac aufzubauen, ihn noch deutlicher zu stärken.

Ebenso gelingt es Salihamidzic offensichtlich auch nicht, intern für Verschwiegenheit zu sorgen.

Von dem so gern formulierten Mia-san-Mia-Gefühl ist in der Bayern-Kabine derzeit nichts zu spüren. "Du hast einen Sportdirektor, der in diese Aufgabe erst hineinwachsen muss. Aber du bist beim FC Bayern", konstatiert SPORT1-Experte Marcel Reif im CHECK24 Doppelpass. Soll heißen: Zeit zum Anlernen gibt es beim Rekordmeister nicht, Welpenschutz auch nicht.

Angezählter Trainer

Uli Hoeneß betonte unlängst, Kovac "bis aufs Blut" verteidigen zu wollen. Der Präsident wählte diese Formulierung aber vor allem deshalb, um seine Aussage zu relativieren, Kovac müsse seinen Kopf dafür hinhalten, wenn seine Rotations-Pläne nicht aufgingen.

Eine erfahrene Mannschaft, die mit etlichen Stars und starken Charakteren gespickt ist, nimmt solche Sätze ernst.

"Jetzt wird alles in Frage gestellt"

Ob so gemeint oder nicht: Solche Kommentare schwächen den Trainer in dessen Autorität. Richtig überzeugend wirkte auch nicht, wie sich die Bosse auf der legendären Krawall-PK versuchten, hinter Kovac zu stellen. Es wirkt, als überlasse man den Trainer dieser Tage seinem Schicksal.  

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Polarisierendes Präsidium

Karl-Heinz Rummenigge zitierte zu Beginn der Krawall-PK Artikel 1 des Grundgesetzes: "Die Würde des Menschen ist unantastbar." Der Bayern-Boss musste jedoch nur Minuten später mit anhören, wie Hoeneß Ex-Spieler Juan Bernat niedermachte. Ein klassisches Eigentor.

Ein Bericht des Spiegel, der nun aufdeckte, wie Rummenigge monatelang hinter den Kulissen an Plänen für den Eintritt in eine Super League gearbeitet haben soll, sorgt für zusätzliche Unruhe bei den Bayern. Wenngleich Hoeneß den Artikel nach dem Freiburg-Spiel als "Falschmeldung" bezeichnete.

Schlechte Stimmung

Etliche Stars sind unzufrieden mit der Rotation, beklagen zu wenig Einsatzzeit, Interna dringen nach außen. "Ich habe das Gefühl, dass in der Kabine einige den Trainer austesten", sagt SPORT1-Experte Reif.

Anfangs zeigte sich die Bayern-Stars vom harten Kovac-Training noch begeistert. Inzwischen soll einigen jetzt der taktische Feinschliff fehlen. Teile des Training (Passformen) seien nicht fordernd genug, lautet der Vorwurf. Kovac betonte am Samstagnachmittag erneut, dass er keine schlechte Stimmung feststellen könne.

Altintop greift Lisa Müller nach Kovac-Kritik an

Die Gesichter der Spieler, ihre Aussagen ("Ich sage heute lieber nichts"), ihre Reaktionen (pfeifend nach einer Niederlage, lasches Aufwärmen) sprechen jedoch für sich.

Hinzukommen Nebenkriegsschauplätze wie die Instagram-Kritik von Spielerfrau Lisa Müller, für die sich die Frau von Thomas Müller nach Spielende bei Kovac entschuldigt haben soll.

Mosernde (Alt-)Stars

Es wird zum Problem, wenn Spieler ihre Formschwäche nicht eingestehen wollen – wie zum Beispiel Franck Ribery und Arjen Robben.

Dass Kovac seinen Routiniers aktuell keinen Stammplatz gewährt, ist konsequent, denn dafür kommt von beiden zu wenig. Beide, Ribery und Robben, machen jedoch nicht den Eindruck, dass sie das auch einsehen.

"Der kommt, der will, aber es fehlen einfach ein paar Dinge", stellt SPORT1-Experte Reif in Bezug auf die aktuellen Leistungen von Ribery fest.

Wirkungslose Spielidee

Die Bayern probieren es oft mit langen, jedoch vorhersehbaren Diagonalbällen auf die Flügel. Von dort sollen Angriffe lanciert werden. Aber auch Freiburg stellte sich schnell darauf ein, doppelte die Passempfänger und verhinderte Bayerns Plan A.

Das Problem: Es gibt offensichtlichen keinen Plan B. In der Folge verfallen die Münchner in Trägheit und Ideenlosigkeit.

"Kovac gibt mir das Gefühl, dass er während des Spiels nichts verändern kann", stellt SPORT1-Experte Basler fest. "Niko vermittelt mir im Moment, dass er diese Mannschaft nicht anders einstellen kann."

Hinzu kommt, dass sich derzeit kaum ein Spieler hervortut, der in den entscheidenden Phasen das Spiel in die Hand nehmen will – oder kann.

"Ich sehe keinen, der das Ruder in die Hand nimmt", sagt Sky-Experte Lothar Matthäus. "Kovac hat am Anfang der Saison versäumt, eine Hierarchie aufzubauen. Er hat alle gleich gemacht. Vielleicht wäre es besser gewesen, einen Stamm herauszusuchen."

Gefährliche Dortmunder

Zwar erwarten die Bayern am Mittwoch noch AEK Athen in der Champions League. (Champions League: FC Bayern - AEK Athen, 21 Uhr im LIVETICKER)

BVB mit Vorteilen? Talkrunde blickt auf Topspiel voraus

Längst dreht sich aber fast alles um den Bundesliga-Knaller in Dortmund am kommenden Samstag. (Bundesliga: Borussia Dortmund - FC Bayern, 18.30 Uhr im LIVETICKER)

Verlieren die Bayern, zieht der BVB auf sieben Punkte Vorsprung davon. "Bayern kann sich keine Niederlage erlauben. Am Samstag ist für mich Borussia Dortmund ganz klarer Favorit. Seit sechs Spielen hat Bayern kein überzeugendes Spiel mehr geleistet", sagt SPORT1-Experte Basler.

Verlieren die Bayern in Dortmund, gehen sie mit weiterer Unruhe in die Länderspielpause. Für Kovac dürfte es dann immer ungemütlicher werden.

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