Bayern-Krise: Doppelpass-Experten nehmen Kovac in Schutz
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In seiner Kolumne erklärt SPORT1-Experte Stefan Effenberg, warum der Trainer des FC Bayern für ihn nicht der Hauptverantwortliche für die Münchner Misere ist.

Liebe Fußball-Freunde,

das 3:3 des FC Bayern gegen den Abstiegskandidaten Fortuna Düsseldorf hat nicht nur Uli Hoeneß geschockt.

Dass die Bayern diesen Vorsprung aus der Hand geben, hatte wohl wirklich niemand auf dem Zettel. Uli hat zuletzt betont, dass er Niko Kovac bis aufs Blut verteidigen werde, mit dem Spiel gestern hat sich das schlagartig geändert.

Dennoch, gleich vorneweg: Für mich ist Kovac immer noch der richtige Mann für den FC Bayern.

Den Trainer als den einzigen Schuldigen hinzustellen, das ist - bei allem Respekt - Schwachsinn. Es ist richtig, dass der FC Bayern einen Umbruch braucht, aber daran arbeiten doch ganz viele.

Harte Hand von Kovac? Warum das bei Bayern nicht möglich ist

Man muss jetzt auch mal die Spieler in die Pflicht nehmen, auch wenn ich befürchte, dass es dafür vielleicht schon zu spät ist.

Der FC Bayern muss mit seiner Qualität eine 3:1-Führung locker runterspielen. Die Spieler sind so erfahren, die müssen das selbst erkennen und regeln, dass sie vorne nicht mehr draufgehen, sich fallen lassen und auf Ballbesitz gehen. Da stimmt es in der Mannschaft nicht, das liegt nicht am Trainer.

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Spieler mit dem Anspruch ‘wir sind die Besten, wir sind Weltmeister und haste nicht gesehen‘ müssen gewisse Dinge in der Kabine auch mal selbst klären.

Sonst sind sie doch auch die Ersten, die Initiative ergreifen. Bei Carlo Ancelotti gab es ein paar Spieler, die sich bei den Verantwortlichen über den Trainer beschwert haben.

Wenn ein Verein das zulässt, dann ist der Trainer die ärmste Sau. Das hat Ancelotti am Ende den Job gekostet.  Ich hoffe, dass es Niko Kovac nicht ähnlich ergeht.

Bei seinem Ex-Klub läuft es dagegen hervorragend. Ich bin kein Eintracht-Fan, aber die Mannschaft macht einfach Spaß. Das liegt natürlich auch am magischen Dreieck Ante Rebic, Sebastien Haller und Luka Jovic.

Ich kann mir gut vorstellen, dass alle drei länger bleiben. Der Wohlfühlfaktor ist aus meiner Sicht ganz entscheidend. Rebic zum Beispiel hat gesehen, was sich in Frankfurt entwickelt. Und er weiß, dass er bei der Eintracht unantastbar ist.

Wie wichtig das Umfeld bei einem Klub ist, zeigt auch der BVB eindrucksvoll. Dass Dortmund sich mit Matthias Sammer und Sebastian Kehl aufgestellt hat, war eine richtig gute Entscheidung. Mit deren Hilfe haben sie eine junge, hungrige Mannschaft auf die Beine gestellt und in Lucien Favre genau den richtigen Trainer verpflichtet.

Für den BVB scheint der ganz große Wurf möglich. Sie spielen tollen Fußball und haben auch das Quäntchen Glück im Moment.

Glück, das dem FC Bayern und Niko Kovac abgeht.

Bis zum nächsten Mal,

Euer

Stefan Effenberg

Stefan Effenberg hat 2001 mit dem FC Bayern die Champions League gewonnen. Mit den Bayern und Borussia Mönchengladbach wurde er zudem mehrmals Deutscher Meister und Pokalsieger. Seit Sommer 2018 bildet der 50-Jährige mit Marcel Reif und Reinhold Beckmann das feste Experten-Team des CHECK24 Doppelpass.

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